Krimi-Lesung im Amtsgericht

Zwei Autoren aus der Region stellen ihre Texte an einem für Literatur eher ungwöhnlichen Ort vor. Nicht alles in ihren Erzählungen ist Fiktion.

Hohenstein-E./Waldenburg.

Mörder kommen in aller Regel vor das Landgericht, vor dem Amtsgericht stehen die vergleichsweise kleinen Fische. Aber wie so oft, es gibt Ausnahmen.

Am Donnerstag heißt es im Amtsgericht in der Conrad-Clauß-Straße in Hohenstein-Ernstthal: "Mord im Gericht". Es geht um keinen realen Fall, das wäre etwas zu viel des Schlechten. Aber immerhin, die beiden Hohenstein-Ernstthaler Krimiautoren Mario Schubert und Matthias Ramtke werden bei einer Buchlesung im Sitzungssaal 219 durchaus für schwere Kost sorgen. Ramtke - er arbeitet in seinem bürgerlichen Leben in Callenberg als Kindergärtner, was so gar nicht zu seiner Themenwahl als Schriftsteller passen mag - wird gleich in die Vollen gehen und aus seiner jüngsten Erzählung lesen. Sie trägt den Titel "27" und beruht auf einem authentischen Fall. 1993 ermordeten in Liverpool in England zwei zehnjährige Jungen einen knapp Dreijährigen. Bei der Entführung des Kleinkindes, die dem Mord vorausging, gab es viele Zeugen, die aber nicht einschritten. Der Fall sorgte in Großbritannien für ein großes Entsetzen.

Krimiautor Ramtke hat den Fall in die Sächsische Schweiz verlagert. Hier sucht Kommissar Nickel nach dem Mörder eines kleinen Jungen. Erschreckend auch hier die Ignoranz der vielen Zeugen. "Mich hat der authentische Fall aus England schockiert", erzählt Ramtke. "Er hat mir keine Ruhe gelassen, ich musste ihn irgendwie verarbeiten."

Mario Schubert wird am Donnerstag aus zwei älteren Kurzkrimis vorlesen. "Vom Himmel hoch" ist ein fieses Stück, in dem es um eine Firmen-Weihnachtsfeier geht, auf der Markus seinen beruflichen Widersacher Alexander aus dem Weg räumen will. Aus Versehen kommt dabei der Weihnachtsmann ums Leben. Hatte es der Mörder wirklich auf den Rotkittel abgesehen? Schubert hat schon im vergangenen Jahr im Amtsgericht aus einigen seiner Erzählungen vorgelesen. Er ist inzwischen schon etwas wie ein alter Fuchs in der Szene, zumindest was die Zahl seiner Mordopfer betrifft. Mittlerweile hat Schubert fast zehn Menschen gemeuchelt, die meisten auf unterschiedliche Art.

Natürlich hat ein Krimiautor auch Pläne. Am 7. März kommenden Jahres startet in der historischen Bibliothek im Schloss Waldenburg eine neue Lesereihe, in der es ausschließlich um Krimis geht. Der erste Vorleser wird Schubert sein. "Ich bin gespannt, wie das Format funktioniert", sagt er. Vielleicht liest er dann auch aus seinem ersten Roman. Denn der ist zurzeit in Arbeit.

"Mord im Gericht" wird am Donnerstag im Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal, Conrad-Clauß-Straße veranstaltet. Beginn: 18 Uhr. Eintritt frei.

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