Kritik an Polizei nach Übergriff in Supermarkt

Die Beamten sollen nach einer Körperverletzung zu spät am Tatort gewesen sein, sagt ein Zeuge. Eine Sprecherin der Polizei äußert sich zu dem Vorfall.

Franz Knoppe war gerade dabei, Kuchen zu kaufen, als er am Dienstag Zeuge eines Angriffs auf einen jungen Mann wurde. Den Vorfall in einem Netto-Markt auf dem Sonnenberg beschreibt er als "brutal" und "erschütternd". Auf seiner Facebookseite schildert Knoppe den Angriff, zeigt Fotos davon - und erhebt Vorwürfe gegen die Polizei.

Laut Knoppe ist folgendes passiert: Das spätere Opfer des Angriffs, ein junger Mann mit Irokesen-Frisur, und der mutmaßliche Täter hätten gegen 17.50 Uhr gemeinsam in einer Schlange an einer Kasse angestanden. Der spätere Angreifer habe sich mehrmals zu dem Mann umgedreht, ihn mit "Scheiß Zecke" und "Scheiß Punker" beleidigt und geschubst. Der junge Mann sei ruhig geblieben. Der spätere Angreifer habe bezahlt, den Markt verlassen, sei aber plötzlich wiedergekommen und habe den Mann mit der Irokesen-Frisur mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Das Opfer sei zusammengesackt und habe stark geblutet. Auf einem Video, das ein Begleiter Knoppes aufgenommen hat und das "Freie Presse" vorliegt, ist zu sehen, wie ein Mann den Markt betritt und ihn kurz darauf mit den Worten "Scheiß Kanake" verlässt. Dazwischen ist zu hören, wie eine Glasflasche kaputt geht.

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Mehrere Kunden und das Personal seien dem Opfer zu Hilfe geeilt, so Knoppe. Er habe sofort die Polizei angerufen und sei dem Täter gefolgt, der in Richtung Körnerplatz gelaufen sei. Dort habe er ihn aus den Augen verloren. Während der Krankenwagen nach elf Minuten eingetroffen sei, habe es 16 Minuten gedauert, bis ein Polizeiauto vorgefahren sei - langsam und ohne Blaulicht, sagt Knoppe: "Ich habe zwischenzeitlich noch dreimal angerufen, weil es mir zu lange gedauert hat." Die Polizei bestätigt auf Anfrage die Dauer von etwa 16 Minuten. Laut einer Sprecherin seien zum Zeitpunkt des Eingangs des Notrufs keine Einsatzfahrzeuge in der Nähe des Tatortes gewesen. Zwei Fahrzeuge, die infrage kamen, hätten in anderen Einsätzen festgesteckt. Eines der beiden Autos habe - nach etwa zehn Minuten - den Auftrag erhalten, zum Supermarkt zu fahren, ein zweites sei später gefolgt. "Das ist bescheiden für die Betroffenen, aber Wartezeiten sind nicht vermeidbar", so die Sprecherin.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Der mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Deutscher, sei dank Zeugenaussagen bekannt aber noch nicht verhört worden, so die Sprecherin. Man wolle zuerst mit dem Opfer, einem 33-jährigen Deutschen, reden. Nach ersten Erkenntnissen sei er wegen seines Äußeren beleidigt worden. Ob der Angriff tatsächlich politisch motiviert war, müssten laut der Sprecherin erst noch die Ermittlungen zeigen.

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1Kommentare
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  • 8
    5
    Distelblüte
    16.05.2019

    Genug Information, @thomboy?



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