Kritik wegen verspäteten Einbaus einer Babyklappe in Westsachsen

Eine CDU-Stadträtin kämpft seit Monaten darum, dass Sachsens viertgrößte Stadt ungewolltes Leben besser schützt. Alternativen gibt es im gesamten Landkreis nicht.

Limbach-Oberfrohna/Hartmannsdorf.

Nicht vor Sommer 2019 ist es dem Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) in Zwickau möglich, eine Babyklappe anzubieten. Laut Krankenhaussprecherin Laura Kruckenmayer verzögert sich die Inbetriebnahme dieses Spezialfensters aufgrund weiterer Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten an Gebäuden des Klinikums.

Die CDU-Stadträtin Christiane Drechsel ärgert sich darüber, ständig nachfragen zu müssen, keine Antwort zu bekommen oder auf später vertröstet zu werden. Die Mutter zweier Kinder erinnert sich an einen Fall im Februar am Landgericht Zwickau. "Der Prozess mit einer Babyleiche ging mir an die Nieren." Dort musste sich eine Erzieherin verantworten, die ihr Baby heimlich zur Welt brachte und in Culitzsch am Waldrand ablegte. Erst Monate später fand man die kleine Leiche. Daraufhin fragte Drechsel im Rathaus nach Möglichkeiten, in Zwickau eine Babyklappe anzubieten. "Babyklappen können Leben retten und bieten verzweifelten Müttern einen Ausweg, wenn Ausnahmesituationen zu bewältigen sind", sagt Drechsel. Aue, Plauen, Chemnitz, Leipzig, Dresden, Bautzen - alle haben eine. Die viertgrößte Stadt Sachsen aber nicht, ärgert sich die Stadträtin.

Nach Rücksprache mit dem Zwickauer Klinikum teilte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) ihr daraufhin mit, dass die Inbetriebnahme spätestens am 24. Juni stattfinden soll. Drechsel hakte im September nach, warum nichts passiert, erfuhr nun von der weiteren Verzögerung. Sie will dennoch dranbleiben an dem Thema. "Selbst wenn nur ein Menschenleben in zehn Jahren gerettet werden kann, lohnt sich der Aufwand", sagt sie.

Im Jugendamt des Landkreises hält man die Babyklappe nicht für der Weisheit letzten Schluss. Die Behörde verweist auf die seit 2014 mögliche vertrauliche Geburt als Möglichkeit, Schwangeren in Not zu helfen. "Sie ist die medizinische und rechtlich bessere Lösung, sowohl für die Mutter als auch für das Kind", sagt Landkreissprecherin Ilona Schilk. Sie bestätigt Gespräche des HBK mit dem Jugendamt bezüglich einer Babyklappe. Die Entscheidung, eine solche einzurichten, obliege aber einzig der Einrichtung.

Die anderen Krankenhäuser im Kreis mit Geburtenstationen planen derzeit keine Babyklappen. Am Rudolf-Virchow-Klinikum in Glauchau kann die vertrauliche Geburt in Anspruch genommen werden. "Aus Datenschutzgründen kann ich Ihnen jedoch keine Angaben über Zahlen geben", so Sprecherin Peggy Roloff. In der Pleißental-Klinik Werdau sind die baulichen Möglichkeiten für eine Babyklappe nicht gegeben, erklärt Geschäftsführer Uwe Hantzsch. Auch das DRK-Krankenhaus Lichtenstein plant keine Babyklappe, sagt Sprecherin Janine Auerswald. Sie gibt zu bedenken, dass die Möglichkeit gänzlicher Anonymität und die Sicherung sofortiger medizinischer Fürsorge grundsätzlich eine hohe logistische Planung voraussetzen. "Wir möchten mit der vertraulichen Geburt das Wohl von Mutter und Kind in besten Händen wissen, was wir über die Abgabe eines Neugeborenen in der Babyklappe nicht gewährleisten könnten", sagt sie. Wie viele Frauen ihr Kind vertraulich zur Welt gebracht haben und ob es mehr oder weniger werden, sagt sie nicht. Das DRK betreut auch das Krankenhaus Rabenstein. Auch dort gibt es keine Babyklappe. Lediglich am Chemnitzer Klinikum existiert seit 2001 ein sogenannter Babykorb an der Frauenklinik. Bisher wurden 29 Kinder abgegeben, zuletzt am 3. September 2018. Für deren Einrichtung waren strenge Vorschriften zu beachten. So muss gewährleistet werden, dass die Mutter den Babykorb anonym erreichen und wieder verlassen kann. Des weiteren sollte die Stelle direkt an eine Entbindungsklinik angegliedert sein, um nach dem Auslösen des Signals, das automatisch kurze Zeit nach Ablegen des Kindes ertönt, sofortige Hilfe leisten zu können.

Eine Entbindungsklinik gibt es seit März 2017 nicht mehr am Diakomed-Krankenhaus in Hartmannsdorf. Gesellschafter sind die Stadtmission Chemnitz und die Städte Limbach-Oberfrohna und Burgstädt. Die Frauenklinik arbeitet jedoch weiter. Doch eine Babyklappe ist nicht geplant. (mit bj)

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