Kulturhauptstadt Chemnitz soll 90 Millionen Euro kosten

Der Stadtrat entscheidet über ein Papier mit grundlegenden Inhalten der Bewerbung. So ist ein Hauptquartier für die Aktionen 2025 gefunden und das Sportforum soll eine neue Bedeutung erhalten.

Konkrete Fragen bedürfen konkreter Antworten. 48 davon werden momentan von den Köpfen hinter der Chemnitzer Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 gesucht. Geliefert werden müssen sie auf Fragen, die in einem Buch stehen, das die Stadt bis 30. September 2019 ausfüllen muss. Die Antworten auf rund 20 Fragen sind bereits gefunden. Sie stehen in einem Papier, über das der Stadtrat am 6. März entscheiden soll. Bei einem positiven Votum wird das Gremium die Verwaltung beauftragen, eine fertige Bewerbung einzureichen.

Die bereits beantworteten Fragen sind zum Beispiel, warum Chemnitz den Titel möchte, welches Kulturprofil die Stadt hat oder wie alles finanziert werden soll. In den Antworten finden sich bereits bekannte Inhalte wie das Motto der Bewerbung, das "Aufbrüche" lautet, dass sich Chemnitz im Zusammenhang mit Europa definiert, die Brüche der Stadt eine Rolle spielen und die Region entlang des Chemnitzer Modells mit einbezogen wird.

Nach konkreten Infrastrukturprojekten gefragt, die bis 2025 umgesetzt werden sollen, werden sechs Vorhaben genannt. Diese Orte und Flächen sollen sich nachhaltig verändern. So sollen für eine Million Euro entlang des Eisenbahnbogens, der im Halbkreis um die Innenstadt verläuft, Erlebnis- und Entdeckungsorte geschaffen werden, an denen Chemnitzer Industrie- und Mobilitätsgeschichte erlebbar wird. Eine herausragende Rolle soll dabei das Viadukt Annaberger Straße spielen. Ein weiterer Eckpunkt ist das Kulturquartier, das für zwei Millionen Euro zwischen Georgstraße, Brückenstraße, Mühlenstraße und Bahnhofstraße entstehen soll.

Vorgesehen ist des Weiteren, das Sportforum für 3,5 Millionen Euro so zu verändern, dass dort Stadt- und Sportgeschichte anschaulich gemacht werden kann. Zeugen einer jeweiligen Zeit- und Kulturgeschichte seien noch vorhanden, wie der Marathonturm oder Schiedsrichtertürme. Rund neun Millionen Euro sollen in das Projekt "Stadt am Fluss" investiert werden, das Flüsse stärker in die öffentliche Wahrnehmung bringen will. Ähnlich wie bereits am Falkeplatz und an der Aue sollen weitere attraktive Freiräume "mit hoher Erholungs- und Aufenthaltsqualität" geschaffen werden.

Mit sechs Millionen Euro sollen öffentliche Räume und Plätze besser genutzt und verschönert werden. Bis 2025 entstehen so laut Plan mindestens 25 neu- und umgestaltete Plätze in den Stadtteilen. Für vier Millionen Euro sollen leer stehende Wohnhäuser, Industriehallen oder Fabriken neu genutzt werden. Erste Beispiele sind die Hartmannfabrik als "Kulturhauptstadt-Hauptquartier" und der Kreativhof "Die Stadtwirtschaft" am Südhang des Sonnenbergs. Ein weiteres Projekt, das in die Bewerbung eingebracht wird, ist die Sanierung des Schauspielhauses für rund fünf Millionen Euro.

Um diese Pläne zu realisieren, werden 30,5 Millionen Euro benötigt. Davon sind bereits 14,2 Millionen Euro im Haushalt der Stadt enthalten. 16,3 Millionen Euro müssten zusätzlich, beginnend ab 2021, aufgenommen werden. Für die Umsetzung aller in der Bewerbung geplanten Aufgaben wird aber viel mehr Geld gebraucht. Bis 2027 rechnet Projektleiter Ferenc Csák mit einem Gesamtbudget von 90,7 Millionen Euro. Sollte Chemnitz den Titel erhalten, käme das Geld neben dem eigenen Anteil aus Zuschüssen. Vom Bund erhofft sich der Sieger 30 Millionen Euro, vom Freistaat 20,8 Millionen Euro. Die Verhandlungen dazu sind aber noch nicht abgeschlossen. Das übrige Geld soll von Sponsoren und aus dem Verkauf von Tickets kommen. "Das bringt uns alles wesentlich mehr, als es kostet", so Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig.

Der künstlerisch-kulturelle Teil der Bewerbung soll in den nächsten Monaten von einer Gruppe aus Chemnitzer und europäischen Experten diskutiert werden, sagte Projektleiter Ferenc Csák. Die Ergebnisse sollen nicht oder erst spät veröffentlicht werden, um nicht etwa die Mitbewerber auf Ideen zu bringen.


Kommentar: Gut angelegt

Ein Budget von 90 Millionen Euro mit einem städtischen Anteil von 30,5 Millionen Euro. Wie soll man diese Summe bewerten? Da helfen nur Vergleiche. So gibt die Stadt 2019 über 32 Millionen Euro für den Theaterbetrieb aus. Das ist der jährliche Zuschuss. Die dänische Stadt Aarhus, die 2017 Europäische Kulturhauptstadt war, hatte ein Gesamtbudget von 60 Millionen Euro, musste aber nicht mehr groß in Infrastruktur investieren. Das Budget der Kulturhauptstadt Breslau 2016 betrug 70 Millionen Euro. Und auch solche Zahlen helfen zu verstehen: In Pilsen gaben 2015 rund 3,4 Millionen Touristen 22,4 Millionen Euro in der Stadt aus.

Wenn Chemnitz also 30,5 Millionen Euro investiert und bestenfalls 60 Millionen Euro an Zuschüssen erhält, würden Projekte entstehen, die weit über 2025 hinaus der Stadt etwas bringen. Das Geld wäre also gut angelegt.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 7 Bewertungen
6Kommentare
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  • 3
    1
    Zeitungss
    02.02.2019

    Chemnitzer bleibt mal locker, der CVC wird euch weiterhelfen, er wird nicht vergessen haben, welche Opfer der Steuerzahler dieser Stadt aufgebracht hat. Nun gut, unter Kultur kann man vieles verstehen. Mit einen bankrotten Fußballverein und erbettelten Fördergeldern, ob das was wird ? ? ?
    Bei den Mitbewerbern gibt es auch weniger Bürokratie, was in diesem Land schon einmal unvorstellbar ist. Die legen ganz einfach los, was hier schon kein Mensch mehr versteht.
    Reinhard May brachte es vor vielen Jahren einmal auf den Punkt. Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars, für die ……….. . Wer es noch kennt.

  • 0
    0
    cn3boj00
    01.02.2019

    @malm, die 60 Millionen Rückfluss sind wohl nicht an die Bewerbung, sondern den Gewinn des Titels verknüpft. Und den wird es wohl nicht geben, wenn die Stadt nur sagt was sie später mal machen will. Sie wird es machen müssen, auch wenn dann der Titel an eine andere Stadt geht. Das sollte einfach deutlich gesagt werden.

  • 1
    8
    Interessierte
    01.02.2019

    Da hätte meine 5-Millionen-Spende an die Stadt aber bescheiden ausgesehen ...

  • 3
    8
    Blackadder
    01.02.2019

    Stadtrat Fassmann schreibt hierzu auf der Facebook Seite Chemnitz- European Capital of Culture:

    "Die "Kulturhauptstadt" wird aus Infrastruktur-Maßnahmen bestehen, die sowieso schon im Haushalt eingeplant waren und zwingend gemacht werden müssen, weil man die in den letzten Jahrzehnten (als die Baupreise noch günstig waren) vernachlässigt hat oder weil Bahn und Freistaat auf städtische Beteiligung drängeln.

    ....

    Kein Wunder, dass die Maßnahmen auch gemacht werden sollen, wenn die Kulturhauptstadt nicht kommt (was im Hinblick auf die Inspirationslosigkeit immer wahrscheinlicher wird)."

    Ich war ja immer für die Bewerbung, aber die Inspirationslosigkeit der Stadt erschreckt auch mich.

  • 3
    1
    malm
    01.02.2019

    Die Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen wir wohl an den Erfolg der Bewerbung gekoppelt sein.

  • 7
    6
    cn3boj00
    01.02.2019

    Den Kommentar von Frau pters kann ich nicht teilen, er ist unlogisch. Er suggeriert, dass die Stadt 30 Millionen ausgibt und 60 Millionen an Zuschüssen erhält.
    Wenn ich das Geschriebene interpretiere muss die Stadt 90 Millionen Investieren. Vielleicht bekommt si 60 Millionen zurück. Vielleicht auch nicht, denn siegessicher sollte sich Chemnitz wohl nicht wähnen. Es werden ja noch mehr Städte ins Rennen gehen, z.B. Nürnberg oder Magdeburg, und auch Städte aus Slowenien.
    Wenn überhaupt muss also sicher sein, dass Chemnitz die 90 Millionen Euro aufbringen kann. Und dazu müsste die Stadt versprechen, dass dadurch keines der anderen Projekte, die anstehen, darunter leidet. Diese klare Ansage vermise ich bisher. Gewinnt Chemnitz doch, wären die 60 Millionen Prämien ein schönes Zugeld, mit denen man weitere Dinge angehen könnte, zum Beispiel den Küchwald, den ich in den ganzen Diskussionen vermisse.
    Sollte aber in der Folge der Rotstift angestezt werden, was ich nach wie vor befürchte (so gibt es jetzt schon zu einigen Projekten der 2016 beschlossenen Sportstättenförderung kein klares Bekenntnis mehr!), war das ganze ein Schuss nach hinten.



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