Kulturhauptstadt Europas: Chemnitz bleibt im Rennen

Als einzige sächsische Stadt hat es Chemnitz in die Endrunde im Wettbewerb um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 geschafft. Das gab die Jury am Donnerstag in Berlin bekannt. Im nächsten Jahr wird es ernst für die Stadt.

Chemnitz.

Fünf der acht deutschen Bewerberstädte können sich weiterhin Hoffnung auf den Titel Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025 machen: Neben Chemnitz sind das Magdeburg, Hannover, Nürnberg und Hildesheim. Das hat Sylvia Amann, Vorsitzende der zwölfköpfigen europäischen Jury, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin mitgeteilt.

Die Bekanntgabe konnte im Internet über Livestream verfolgt werden. Die Chemnitzer Stadtverwaltung hatte zum Public Viewing in den Stadtverordnetensaal im Rathaus eingeladen. Zahlreiche Akteure der Bewerbung, Stadträte und Einwohner nahmen dieses Angebot an, die Menschentraube reichte bis vor die Tür. Als Jury-Chefin Amann an vierter Stelle Chemnitz nannte, brach Jubel los.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, die als Initiatorin der Bewerbung gilt und im Stadtverordnetensaal anwesend war, erhielt langen Beifall. "Ich bin glücklich und teile das", sagte sie, während sie von erneutem Jubel unterbrochen wurde. Anschließend fuhr sie fort: "Ich bin deshalb glücklich, weil ich es unserer Stadt und den Bürgern so gönne." Die Stadt habe schwierige Monate hinter sich, sagte sie und spielte damit auf den gewaltsamen Tod von Daniel H. am Stadtfestwochenende 2018 und die anschließenden, teils fremdenfeindlichen Demonstrationen an - die Bilder gingen um die Welt. Es sei wichtig, so Ludwig, dass man den Weg der Bewerbung dennoch weitergegangen sei und nicht aufgegeben habe.

Chemnitz findet sich nun auf der Shortlist wieder, also auf der "kurzen" Liste mit den Städten, die es in die zweite und letzte Runde bei der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 geschafft haben. Die Bewerberstädte Dresden, Zittau und Gera fielen bei der Jury durch. Die Jury wird in gut einem Monat einen Report veröffentlichen, in dem sie ihre Entscheidung erklärt. Das Urteil der Jury muss noch vom Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz gebilligt werden - was als Formsache gelten dürfte. Die Shortlist-Städte müssen dann bis Sommer 2020 ihre Bewerbungen konkretisieren und erneut einreichen. Im Herbst 2020 soll dann über die Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025 entschieden werden.

Die Europäische Union vergibt den Titel seit 1985. Deutschland ist neben Slowenien berechtigt, für das Jahr 2025 eine Kulturhauptstadt zu stellen. Ziel der EU-Initiative ist generell, die Vielfalt der europäischen Kultur zu präsentieren und ein europäisches Gemeinschaftsgefühl zu befördern. Seit Ende der 1990er-Jahre soll der Titel auch zur Stadtentwicklung beitragen. So geht es nicht vornehmlich darum, wie viele Kunsteinrichtungen eine Stadt vorweisen kann, sondern welche Konzepte sie für das Zusammenleben entwickelt. Das beinhaltet auch den Umgang mit Problemen wie Bevölkerungsschwund oder das Aufeinanderprallen gegensätzlicher politischer Meinungen.

Chemnitz hatte seine Bewerbung unter dem Titel "Aufbrüche - Opening Minds. Creating Spaces" (zu Deutsch: den Geist öffnen, Räume gestalten) im September bei der Kulturstiftung der Länder, die für die Organisation des nationalen Auswahlverfahrens zuständig ist, eingereicht. Das Thema bezieht sich auf Brüche, die die Stadt in der Vergangenheit von der Industrialisierung über die DDR bis zur politischen Wende erlebt und bewältigt hat, und die Frage, welche Schlüsse sich daraus für die künftige Entwicklung ziehen lassen. Die Bewerbung stellt unter anderem bereits angelaufene Projekte sowie Vorhaben und Ideen vor, darunter zur Mobilität, zur Ansiedlung von Unternehmen und zur Gestaltung von Brachen.

 

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    Zeitungss
    14.12.2019

    Was fällt denn den bisher 4 Roten dazu ein ???????????????

  • 4
    5
    Zeitungss
    13.12.2019

    Die zukünftige Kulturhauptstadt o h n e vernünftige Bahnanbindung, es zwingt sogar der Frau OB ein LÄCHELN ins Gesicht. Ein paar Holzprovisorien als "Bahnsteig" für die ankommenden Postkutschen dürften noch zu stemmen sein.
    Vom Bau eines Flughafens rate ich ab, Gründe dürften bekannt sein. Die bisherigen Kulturhauptstädte waren und sind verkehrstechnisch erschlossen, was in Chemnitz noch nicht ganz angekommen ist und bei der Stadtspitze schon gar nicht. Die Frau OB, im VMS sitzend, sollten die Gegebenheiten der Bahnanbindung in Chemnitz bekannt sein, auch wenn es sich hier um den n i c h t vorhandenen Fernverkehr handelt.

  • 14
    4
    mathausmike
    12.12.2019

    Die OB in Jubelpose,
    Spitze! :-)



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