Chemnitz
Kulturhauptstadt: Wie die Bürger lokale Treffpunkte mitgestalten – oder nicht

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Es geht voran. Die 16 plus 1 als „Öffentliche Plätze“ bezeichneten Interventionsflächen sind teils fertiggestellt oder in Arbeit. Haben die Einwohner tatsächlich Anteile an der Umsetzung? Eine Analyse.

Chemnitz.

Als „Öffentliche Plätze“ werden sie bezeichnet, die Interventionsflächen in acht Bereichen der Bürgerplattformen und acht Ortschaften, um sie von den „Orte des Aufbruchs“ genannten anderen Projekten zu unterscheiden. 30 Vorhaben sind es zusammengerechnet. So ganz geht die Rechnung aber nicht auf. Auch der Marktbrunnen „Manifold“ wird den „Öffentlichen Plätzen“ zugerechnet, obwohl er schon vor der Kulturhauptstadtbewerbung in Arbeit war, deutlich teurer ist als die anderen Vorhaben dieser Liste, und er wurde von keiner Bürgerplattform, keinem Ortschaftsrat ausgewählt.

Den anderen Projekten aber ist gemein, dass sie mehr oder weniger basisdemokratisch organisiert sind, ausschließlich auf kommunalen Flächen angesiedelt sind, und pauschal 325.000 Euro bekommen. Die 1999 eingemeindeten Orte haben je eine Fläche, bei den Bürgerplattformen müssen sich zwei bis fünf Stadtteile die Entscheidung teilen. So geht beispielsweise das Gebiet der Plattform Mitte von der Schönherrfabrik im Norden bis zum Wasserwerkspark im Süden.

Diversität in der Auswahl

Der Begriff Fläche stimmt nicht in jedem Fall. Tatsächlich gibt es mehrere Parks, die um- oder neugestaltet werden, daneben aber auch Rundwege sowie bauliche Maßnahmen an Gebäuden. Manche Projekte sind bereits fertiggestellt, so der Festplatz Euba oder der Anbau der Schule in Wittgensdorf. Bei anderen laufen die Bauarbeiten, bei wenigen geht es gerade erst los. Das nicht alles bis zum offiziellen Start des Kulturhauptstadtjahres fertig wird, ist vorhersehbar, aber keine Katastrophe. Ohnehin sind die Investitionen auf langfristige Wirkung ausgelegt. Auch wenn bei manchen Flächen Veranstaltungen geplant sind, werden sie nicht im Fokus des Tourismus stehen, sich bevorzugt an die Anwohner wenden.

In Mittelbach erhält die Schule einen multifunktionalen Anbau.
In Mittelbach erhält die Schule einen multifunktionalen Anbau. Bild: Jens Kassner

Wer ist beteiligt?

Unterschiede sind bei einem ursprünglichen Anliegen der Interventionsflächen zu erkennen – der Bürgerbeteiligung. Ein Musterbeispiel, wo es funktioniert, ist der Bürgerpark in Gablenz. Formell wurde die Umgestaltung der Brache, wo früher eine Schule stand, im Dezember 2023 abgeschlossen. Das ist aber nur ein Zwischenstand. Abgesehen davon, dass nach dem offiziellen Plan noch viele Gehölze zu pflanzen sind, hat die Basisinitiative viele Wünsche und Pläne. Hier ist es gelungen, auch junge Menschen bis hin zu Schülern zu motivieren.

Ein anderes Beispiel ist der Lohse-Uhlig-Steig in Kleinolbersdorf-Altenhain. Dieser Weg, benannt nach zwei lokalen Baumeistern des 19. Jahrhunderts, ist mehr als ein Wanderpfad mit Infotafeln. Es werden Rastplätze geschaffen, Kunstwerke installiert, es gibt einen neuen Bolzplatz. Viele Einwohner arbeiten mit, auch lokale Firmen und die Freiwillige Feuerwehr. Sogar die traditionelle Abneigung der zwei Dörfer, beruhend auf der Legende von einem Holzdiebstahl, soll sich damit verringern.

Eine Sonderstellung nimmt die Freifläche am Klub Subbotnik in Bernsdorf ein. In einer Abstimmung wurde dieser Vorschlag in dem sehr großen Bereich der Bürgerplattform Mitte ausgewählt. Träger ist hier der Verein, der den Klub betreibt. Anfängliche Konflikte um den künftigen Status des Hausherren konnten geklärt werden. Hier bereitet die Stadt die Fläche auf einem nicht mehr genutzten Sportplatz vor, eine Freiluftbühne mit Spielplatz baut der Verein im nächsten Jahr.

Andreas Stoppke, Ortsvorsteher von Klaffenbach, freut sich über den neugestalteten Spielplatz am Wasserschloß.
Andreas Stoppke, Ortsvorsteher von Klaffenbach, freut sich über den neugestalteten Spielplatz am Wasserschloß. Bild: Jens Kassner

Verschiedene Ansätze

Andere Objekte wurden zwar in Bürgerversammlungen bestätigt, sind aber eher Projekte der jeweiligen Administration. Manche Vorhaben sind schon lang geplant, können nun mit den zusätzlichen Mitteln umgesetzt werden. Das betrifft zum Beispiel den Anbau an der Schule Mittelbach, der nicht nur den nötigen Fluchtweg ermöglicht, sondern auch Räume für Vereine des Ortes bietet.

Noch etwas anders sieht es in Klaffenbach aus. Hier musste erst mal überlegt werden, was man mit den unerwarteten Mitteln eigentlich anfangen kann.

Die Bürgerbeteiligung hat überall da gut funktioniert, wo die Einwohner von Beginn an in Entscheidungen einbezogen wurden. Anderswo kommt sie auch in Gang, zumeist über Aktive in schon vorhandenen Vereinen. (kas)

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