Kulturpalast-Anwohner kritisieren Rathaus wegen Bauplänen

Der Investor will auf dem Gelände unter anderem Wohngebäude errichten. Doch deren Optik und Lage kommen im Umfeld nicht gut an.

Rabenstein.

Das für manchen Anwohner schlimmste Szenario wird immerhin nicht eintreten. "Ich bin sehr froh, dass der Komplettabriss vom Tisch ist", sagt Randolf Brüsch. Der 76-Jährige wohnt an der Straße An den alten Lehden. Über der Rückseite seines Gartens thront das denkmalgeschützte Gebäude, das der Rentner nicht mehr missen möchte, obwohl er es anders kennt. "Ich wohne hier seit 1949, der Kulturpalast wurde erst 1951 eröffnet", sagt er. "Am liebsten wäre mir, wenn er vollständig erhalten bliebe und nach der Sanierung wieder genutzt würde."

Doch das wird nicht passieren. Stattdessen will der Eigentümer Saxonia Logistik auf der ungefähr 18.500 Quadratmeter großen Fläche Ein- und Mehrfamilienhäuser bauen, auch Gastronomie und Einzelhandel sollen sich dort ansiedeln. Der Kulturpalast selbst soll ebenfalls für Wohnzwecke umgebaut werden - allerdings ohne das auffällige Kopfteil an der Unritzstraße mit Portikus und repräsentativem Treppenhaus, das, so sehen es Denkmalschutz-Auflagen vor, so weit wie möglich erhalten bleiben muss.


Anett Kositz, die in derselben Straße wohnt, stört sich vor allem an den geplanten dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern. "Mit einem oder zwei Stockwerken könnte ich noch leben. Aber das wird uns komplett das Sonnenlicht und damit die Lebensqualität nehmen", schimpft die 53-Jährige. Sören Grimmer, Anwohner des Rabensteiner Mühlenwegs auf der anderen Seite des Kulturpalastes, sieht das ähnlich. "Unsere Sitzecke liegt direkt am Zaun. Genau dahinter sollen die Häuser hochgezogen werden. Der Abstand ist einfach zu gering", sagt er. Vor Jahren habe er sein Haus gekauft, weil er in eine ruhige Gegend habe ziehen wollen. Doch mittlerweile würden in der Nachbarschaft immer mehr Wohnhäuser und damit Lärm entstehen - mit dem Kulturpalast-Areal als vorläufigem Höhepunkt.

Dass es Beschwerden von Anwohnern, aber auch von Vereinen und Verbänden gegeben hat, räumte auch die Stadt am Dienstag im Planungsausschuss auf Nachfrage von Thomas Scherzberg (Linke) ein. So hatte zum Beispiel der Landesverein Sächsischer Heimatzschutz moniert, dass sich die vorgesehenen Flachdächer nicht gut in die für die Region angeblich typische Satteldach-Landschaft einfüge. Die Stadt wies dies zurück. Der Kontrast sei sogar gewollt, um den neo-klassizistischen Kulturpalast umso besser zur Geltung zu bringen. Am Ende billigte der Ausschuss einstimmig den Abwägungs- und Satzungsbeschluss zum schon bestehenden Bebauungsplan. Sollte der Stadtrat Mitte Juni zustimmen, könnte der Bau noch in diesem Jahr beginnen.

Bevor es damit losgeht, soll allerdings tatsächlich noch einmal die Kultur in den Kulturpalast zurückkehren, der, von einzelnen Partys abgesehen, seit dem Jahr 2000 nicht mehr genutzt wird. Vom 17. bis zum 20. August findet die 14. Auflage des Festivals "Begehungen" dort statt, dessen Organisatoren es sich zur Aufgabe gemacht haben, verfallene Gebäude durch Kunst wieder zum Leben zu erwecken.

Der Kulturpalast Rabenstein wird in diesem Jahr Teil der "Freie-Presse"-Veranstaltungsreihe "Unentdeckte Orte" sein. Am Samstag, 22. Juli, können Besucher an einer Führung teilnehmen oder das Gebäude selbst erkunden. Der Eintritt kostet 4,50 Euro.

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