Kundgebung zum Weltflüchtlingstag

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Verschiedene Organisationen thematisieren vor dem Rathaus die Situation Geflüchteter. Chemnitzer Migranten kämpfen mit den Folgen der Pandemie. Asylbewerber sollen über Corona-Impfungen informiert werden.

Chemnitz. Auf die Lage geflüchteter Menschen haben am Sonntagnachmittag auf dem Neumarkt vor dem Chemnitzer Rathaus mehrere Gruppierungen, Vereine, Parteien und die Migrationsbeauftragte der Stadt aufmerksam gemacht. Man wolle zeigen, wie Flüchtlinge in Chemnitz und Deutschland, aber auch an den europäischen Außengrenzen leben, sagte eine Vertreterin von Amnesty International Chemnitz. Die Corona-Pandemie habe dafür gesorgt, dass die Probleme Geflüchteter nahezu vollkommen aus der Öffentlichkeit verschwunden sind. Dabei hätten Menschen auf der Flucht in der Pandemie ein besonderes Schutzbedürfnis. Ihre Not gehe alle an, so die Sprecherin. Die Lage in den griechischen Lagern sei nach wie vor katastrophal. Sie forderte, dass auch Sachsen und Chemnitz mehr Flüchtlinge aufnehmen sollten.

Anlass der Veranstaltung ist der Weltflüchtlingstag, der seit 2001 jährlich am 20. Juni begangen wird. In Chemnitz leben derzeit 6340 Asylbewerber, das sind 2,6 Prozent der Bevölkerung (Stand Ende Mai). Mit 1602 Menschen ist die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen am stärksten vertreten, danach folgen die 30 bis 39 Jahre alten Personen (1315).

Gabi Engelhardt vom Bündnis Aufstehen gegen Rassismus kritisierte den Stadtrat für dessen Umgang mit der Flüchtlingsfrage. Das Gremium hatte im Herbst gegen den Beitritt der Stadt zum Bündnis "Sicherer Hafen" gestimmt. Das von der Bewegung Seebrücke initiierte Projekt setzt sich für in Seenot geratene Flüchtende und deren Aufnahme ein, dutzende Städte engagieren sich für das Bündnis. CDU, FDP, AfD und Pro Chemnitz stimmten damals gegen den von Linken und Grünen eingebrachten Antrag. Gabi Engelhardt kündigte jedoch an, sich dafür einzusetzen, dass der Stadtrat sich erneut mit dem Thema befasst.

Flüchtlinge in Chemnitz kämpften derzeit vor allem mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, sagte Etelka Kobuß, Migrationsbeauftragte der Stadt. Da sie kaum über eigene Computer verfügten, falle es ihnen schwer, an den Deutsch-Kursen im Internet teilzunehmen. Auch die Integration der Migranten sei in den vergangenen Monaten aufgrund der Hygiene- und Distanzregeln schwerer geworden. Probleme gebe es auch mit der Aufnahme von Arbeit, da Firmen mitunter warteten, freie Stellen zu vergeben. In der Gastronomie, in der etwa viele ausländische Studenten arbeiteten, habe es lange Zeit fast gar keine Arbeitsmöglichkeiten gegeben.

Derzeit sei man in Gesprächen mit der Stadtverwaltung, Asylbewerber über das Impfen gegen Corona zu informieren. Sie könne sich vorstellen, mit mehrsprachigen Videos über die Immunisierungen aufzuklären. In Niedersachsen gebe es solche kurzen Filme bereits, in denen ausländische Ärzte in ihrer Muttersprache über das Impfen sprechen. Das schaffe Vertrauen. Sie könne sich auch vorstellen, Informationsveranstaltungen in Flüchtlingsheimen anzubieten und dort über die Impfungen aufzuklären. "Wir können nicht warten, bis die Geflüchteten mit dem Thema zu uns kommen, sondern müssen selbst aktiv werden", sagt die Migrationsbeauftragte. Man müsse erklären, welche Vorteile das Impfen biete. (hfn)

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