Kunstsammlung kehrt ins Schloss Wolkenburg zurück

Die früheren Eigentümer des Anwesens haben einst Gemälde und Grafiken zusammengetragen. Diese wurden aber jahrzehntelang anderswo aufbewahrt.

Wolkenburg.

Die landschaftliche Lage des Schlosses Wolkenburg oberhalb der Zwickauer Mulde ist zweifellos reizvoll. Und der Festsaal sowie die Bibliothek gelten als architektonische Juwelen. Trotzdem führt das Schloss ein Schattendasein, wenn man es etwa mit den nahen Pendants in Rochlitz, Lichtenwalde und Augustusburg vergleicht. Ein Grund dürfte sein, dass das Ensemble bislang nur teilweise saniert wurde. Zudem existiert im Schloss keine Dauerausstellung, vielmehr werden nur Sonderschauen gezeigt.

Doch letzterer Umstand könnte in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Die Stadt Limbach-Oberfrohna ist nun im Besitz einer Kunstsammlung, die künftig im Schloss gezeigt werden soll. "Das macht das Schloss erst zu einem richtigen Museum", sagt Barbara Wiegand-Stempel, Leiterin der Städtischen Museen, zu denen auch das Esche-Museum gehört. Die Kunstsammlung besteht aus 59 Gemälden, 60 Grafiken und zwei Büsten. Sie befand sich im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden und hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Zusammengetragen haben die Werke einst die Grafen von Einsiedel, die 1627 das heutige Schloss kauften und es als Residenz nutzten (siehe Infokasten). "Die Sammlung wurde über Generationen aufgebaut", sagt Nachfahr Dirk Hildebrand von Einsiedel. Die meisten Werke stammen aus dem 18. Jahrhundert. Zwei Büsten aus der Kunstgießerei Lauchhammer zeigen Detlev Carl von Einsiedel und seine Frau Sidonie, die das Schloss erheblich umgestalteten. Das Ehepaar ist auch auf Gemälden zu sehen, die Anton Graff, einer der bedeutendsten Porträtmaler seiner Epoche, geschaffen hat. Auf anderen Gemälden sind weitere Mitglieder der Grafenfamilie zu sehen, aber auch Personen aus dem Umkreis der Einsiedels. Nicht in jedem Fall sind die Urheber bekannt. Das gilt auch für die Grafiken, die etwa Ansichten der Neuen Kirche in Wolkenburg und der Stadt Pirna zeigen. Nur einige davon sind dem als Canaletto bekannten Maler Bernardo Bellotto zuzuordnen. "In die Erforschung der Sammlung muss noch viel Zeit investiert werden", sagt Museumsleiterin Wiegand-Stempel. Dafür müsse sich die Einrichtung externe Hilfe holen.

Die Kunstsammlung, deren Wert Wiegand-Stempel mit etwa 95.000 Euro angibt, verschwand aus Wolkenburg, als die Grafen von Einsiedel nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurden. "Mit sechs Jahren musste ich aus Wolkenburg weg", erzählt Dirk Hildebrand von Einsiedel, der nach einem Intermezzo in Westfalen in Westberlin aufwuchs und noch heute in der Hauptstadt wohnt. Im Februar 1949, also zu Zeiten der Sowjetischen Besatzungszone, wurde die Wolkenburger Kunst ins Dresdner Museum Albertinum gebracht, das heute zu den dortigen Kunstsammlungen gehört. Jahrelang bat die Familie von Einsiedel um die Rückgabe der Werke. Nun waren diese Bemühungen von Erfolg gekrönt. Die Gemälde in seine Berliner Wohnung zu hängen, kam für Dirk Hildebrand von Einsiedel aber nicht in Frage. Der 79-jährige Physiker und seine Schwester haben als Erben die Sammlung der Stadt Limbach-Oberfrohna geschenkt. "Die Werke gehören nach Wolkenburg, hier können sie auch wirken", sagt der Adlige, der sie am Donnerstag erstmals betrachten konnte.

Die Gemälde weisen einige Schäden wie Löcher oder Abplatzungen auf, die laut Wiegand-Stempel vermutlich schon beim Transport 1949 entstanden sind. Die Dresdner Kunstsammlungen hätten die Werke zwar nicht restauriert, aber vor weiteren Schäden bewahrt. Einige Kunstwerke fehlen ganz. "Sie wurden wohl veräußert", sagt Wiegand-Stempel. Die Schenkung ist mit der Auflage verbunden, die Sammlung im Schloss öffentlich zu zeigen. Bevor in einigen Jahren eine Dauerausstellung eingerichtet wird, sollen einige der Werke 2020 zunächst als Sonderschau zu sehen sein.


Von der Burg zum Schloss

Vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das heutige Schloss Wolkenburg als Burg errichtet. 1627 kaufte die Familie von Einsiedel die Anlage und baute sie zum Schloss aus. Vor allem Graf Detlev Carl von Einsiedel (1737-1810) machte sich in dieser Hinsicht verdient. Er ließ sich den Festsaal und die Bibliothek einrichten und gestaltete den umliegenden Park im englischen Stil um. Auch der Bau der benachbarten Neuen Kirche geht auf den Grafen zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Einsiedel enteignet. Das Schloss ging in das Eigentum der Gemeinde Wolkenburg über und wurde hauptsächlich für Wohnzwecke genutzt. Seit dem Jahr 2000 ist die Stadt Limbach-Oberfrohna für das Ensemble verantwortlich. Die Kommune hat als Ziel formuliert, die Sanierung des Schlosses schrittweise fortzusetzen. Ob dies gelingt, ist aber davon abhängig, ob Fördermittel fließen. (jop)

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