Kurze Schnell-Fahr-Strecke sorgt bei Anwohnern für Ärger

In Glösa gilt fast überall Tempo 30. Warum das ausgerechnet vor ihren Häusern anders ist, verstehen die Eigentümer nicht.

Glösa-Draisdorf.

Viel zu spät, findet Christa Bemme, ist der Fototermin mit der Zeitung anberaumt. "Sie hätten früh halb sechs kommen sollen, da fahren hier Autos wie an einer Perlenkette aufgereiht", sagt die Rentnerin, deren Haus genau an Start und Ziel der "Rennstrecke" von Glösa steht.

Denn an der Kreuzung Schmidt-Rottluff-Straße/An den Weiden/An der Kohlung beginnt und endet einer der ganz wenigen Abschnitte im Stadtteil, auf denen nicht nur Tempo 30, sondern 50 gefahren werden darf. Und da die Piste hier gerade und übersichtlich ist, geben viele Autofahrer, die sich bis hierher auf der Straße An den Weiden kilometerlang mit 30 Kilometern pro Stunde durch die Eigenheimsiedlung geschlängelt haben, vor Christa Bemmes Haus Gas. In der Gegenrichtung ist an der gleichen Stelle der Bremspunkt, bevor die Hauptstraße rechtwinklig abbiegt und die Tempo-30-Strecke beginnt.

"Hier wohnen Erstklässler, die zur Bushaltestelle über die Straße müssen", berichtet Steffen Demmler, der an der Einmündung der Ammernstraße wohnt. "Die Kinder können doch gar nicht einschätzen, dass sich die Autos aus einer Richtung mit 30 und aus der anderen mit 50 Stundenkilometern nähern", beschreibt er seine Bedenken. Ihm selbst rauben die Fahrzeuge oft den Schlaf. "Wenn ich morgens kurz nach sechs von der Nachtschicht komme und mich hinlege, geht ja gerade die Hauptverkehrszeit los", erklärt er. Geschlafen werden kann an diesem Abschnitt der Schmidt-Rottluff-Straße nur mit geschlossenen Fenstern und Jalousien, bestätigen Christa Bemme und ihre Nachbarin Margitta Pfeiffer. Auf der Rückseite der Einfamilienhäuser ist es auch nicht besser, denn dort verläuft hinter einem freien Feld die Autobahn 4. "Als wir 1979 hierher gezogen sind, war es noch nicht so schlimm", erinnert sich Margitta Pfeiffer an ruhigere Zeiten.

Die ehemals wenig befahrene Ortsdurchfahrt ist eine beliebte Querverbindung zwischen den Bundesstraßen 107 und 169 sowie ein Zubringer zur Autobahnanschlussstelle Glösa geworden. Lich- tenauer nehmen gern den Schleichweg von Auerswalde durch den Wald, um Zeit und Sprit zu sparen. Für mehrere Hundert Polizeifachschüler und Bereitschaftspolizisten ist die Strecke Arbeitsweg von und zu ihrer Ebersdorfer Kaserne. Besonders groß sei der Betrieb während der monatelangen Vollsperrung der nahezu parallel verlaufenden Glösaer Straße gewesen, erzählt Jürgen Nestler, ein weiterer Nachbar. Ein Großteil der Fahrer halte sich nicht an die erlaubten Geschwindigkeiten. "Polizei oder Ordnungsamt dürfen gerne von meinem Grundstück aus blitzen", bietet er an.

Weil sie nicht verstehen, warum fast auf der gesamten Ortsdurchfahrt und in allen Nebenstraßen von Glösa Tempo 30 gilt, nur vor ihren Häusern nicht, haben sich betroffene Anwohner schon vor einem Jahr an die Stadtverwaltung gewandt. Für die Antwort, die sie damals aus dem Rathaus erhalten hatten, haben sie nicht das geringste Verständnis. Tempo 30 sei immer an Voraussetzungen gebunden, zum Beispiel um die Sicherheit zu erhöhen, wurde den Glösaern erklärt. Daher seien entsprechende Abschnitte beispielsweise an der Kita sowie nahe der Grundschule geschaffen worden. Wo derzeit 50 erlaubt ist, gebe es keinen Grund, die Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Auch die schon bestehenden Tempo-30-Zonen könnten nicht einfach erweitert werden, so die Stadtverwaltung. Denn eigentlich habe die Glösaer Ortsdurchfahrt den Status einer Vorrangstraße im Nebennetz, weil sie von der Buslinie 63 befahren werde. Solche Hauptstraßen dürften laut Straßenverkehrsordnung niemals Bestandteil von Tempo-30-Zonen sein. Der Bus fährt aber auch die Tempo-30-Strecken entlang, schütteln die Glösaer den Kopf. Eine erneute Anfrage ans Rathaus ist seit Dienstag unbeantwortet. (mit jüw)

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