Kurzfristige Ankündigung: Netto-Markt schließt Mittwoch

Für die überwiegend ältere Bevölkerung des Flemminggebietes ist das Geschäft zu Fuß erreichbar. Sie wird von der Schließung überrascht. Doch Anwohner wollen um den Laden kämpfen.

Altendorf.

Die Nachricht hat sich in Windeseile im Flemming-Wohngebiet verbreitet: Der Netto macht dicht. Der Einkaufsmarkt an der Rudolf-Krahl-Straße ist am morgigen Mittwoch zum letzten Mal geöffnet. Erst vor wenigen Tagen, am Freitag, haben es die Kunden per Aushang vor dem Markt erfahren: "Diese Filiale schließt am 29.08.18" steht auf einem Plakat. Ihnen wird empfohlen, künftig in den Netto-Märkten an der Paul-Jäkel-Straße (rund zwei Kilometer entfernt) und an der Bergstraße (etwa vier Kilometer entfernt) einzukaufen. Der Markt an der Jäkel-Straße war erst kürzlich erweitert worden.

Doch die Entfernungen werden für die überwiegend ältere Bevölkerung im Flemminggebiet zum Problem. "Ich gehe zu Fuß in den Netto an der Krahl-Straße oder fahre mit dem Bus. Bis zur Paul-Jäkel-Straße ist es zu weit", sagte am Montag eine 78 Jahre alte Kundin. Etwa eine halbe Stunde müsste sie von ihrer Wohnung bis zur Jäkel-Straße laufen, die Busverbindung sei nicht gut. Doch anderen gehe es schlechter, so die Rentnerin. "Ich kann noch laufen. Aber viele andere ältere Bewohner gehen an Stöcken oder sind auf den Rollator angewiesen. In ihrem Alter haben sie kein Auto mehr." Das sieht auch Steffen Kunz so. Er geht täglich im Netto an der Krahl-Straße einkaufen. "Mit dem Rollator bis zur Paul-Jäkel-Straße ist es doch viel zu weit. Und in den Bus kommt man mit einem solchen Gerät gar nicht rein", sagt der Mann. Es sei nicht in Ordnung, dass der Markt schließe. "Für die älteren Bewohner ist das ein Schock", sagt Birgit Schwarz. Auch sie wohnt im Flemminggebiet. Zwar befindet sich nur ein paar Meter vom Netto-Markt entfernt ein Edeka-Markt an der Flemmingstraße, aber für die vielen älteren Menschen sei der auf einer Anhöhe gebaute Markt unerreichbar. "Den Berg hoch schaffen doch viele gar nicht mehr."

Für Bewohner Rainer Blum steht fest: "Wer kein Auto hat, ist aufgeschmissen." Den 74-Jährigen ärgert die kurzfristige Schließung. Es sei merkwürdig, dass man diese so lange verheimlicht habe, meint der Rentner. Für ihn steht fest: "Es ist ein Skandal, dass in dem großen Flemminggebiet nur noch eine Einkaufsmöglichkeit vorhanden ist."

Unglücklich über den Auszug von Netto ist auch die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft (CSG). Mit rund 2360 Wohnungen ist sie der größte Vermieter im Flemminggebiet. "Mit der Schließung von Netto geht ein Stück Infrastruktur verloren. Das ist ärgerlich", sagt CSG-Vorstand Denis Keil. Auch deshalb, weil die Versorgungsmöglichkeiten für die Bewohner eingeengt würden. Netto als Discount-Markt spiele bei den Preisen "in einer anderen Liga" als Edeka, so Keil.

Die Stadtverwaltung habe von der Schließung des Netto-Marktes nichts gewusst, sagte am Montag ein Stadtsprecher. Ein Zusammenhang mit der Erweiterung des Netto-Marktes an der Paul-Jäkel-Straße, wird nicht gesehen. Dieses Geschäft sei um weniger als 100 Quadratmeter vergrößert worden, so der Sprecher. Es sei Entscheidung des Betreibers, den Standort aufzugeben. Da es im Flemminggebiet mit dem Edeka-Markt noch ein Lebensmittelgeschäft gibt, drohe aus Sicht der Verwaltung kein Versorgungsengpass.

Nach "Freie Presse"-Informationen wurde der Mietvertrag zwischen Netto und dem Vermieter, einer Immobilienfirma aus Baden-Württemberg, nicht verlängert. Die Firma soll von Netto eine höhere Ladenmiete gefordert haben. Sowohl Netto als auch die Immobilienfirma beantworteten am Montag keine Fragen von "Freie Presse". Bewohner des Flemminggebietes wollen um den Netto-Markt kämpfen. "Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und sammelt Unterschriften", sagte die Mitarbeiterin eines Sanitätshauses, das sich in dem Haus befindet, in dem Netto noch eingemietet ist. 150 Unterschriften seien schon gesammelt worden.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 6 Bewertungen
1Kommentare
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  • 5
    2
    HHCL
    28.08.2018

    Die "Freie Presse" sollte vielleicht mal nachforschen, was in der "Mentana" überhaupt läuft. Das Gebäude, in dem einst auch eine Gaststätte zu finden war, gammelt seit Jahren vor sich hin. Gültige Mietverträge scheinen auch viele Ladeninhaber nicht mehr zu haben. Sie bleiben und bezahlen aber trotzdem und werden irgendwie geduldet. Dem Besitzer sollte man mal auf den Zahn fühlen.

    ""Ich gehe zu Fuß in den Netto an der Krahl-Straße oder fahre mit dem Bus. Bis zur Paul-Jäkel-Straße ist es zu weit", sagte am Montag eine 78 Jahre alte Kundin. Etwa eine halbe Stunde müsste sie von ihrer Wohnung bis zur Jäkel-Straße laufen, die Busverbindung sei nicht gut."

    Mit der 31 kommt man da im 10-Minuten-Takt gut hin. Sie sagt ja, sie fahre ohnehin mit dem Bus. Da ändert sich doch gar nicht viel. Da die 62 (alle 20 Minuten) oft als 31 weiterfährt kann man sogar direkt vor dem alten Netto in den Bus steigen und zum neuen Netto auf der PJStraße fahren.



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