Kutsche und Quersack zum Umzug

Rund 3600 Mitwirkende hat der Festumzug gestern Nachmittag gezählt. Limbach-Oberfrohnaer und ihre Freunde zeigten unter anderem, wie die Textilindustrie die Gastgeberstadt geprägt hat. Auch der Adel hatte seine Hand im Spiel.

Ihr Name ist Helena Dorothea von Schönberg, ihre Heimat war ab 1746 Limbach. Ihr Beitrag zur Geschichte des heutigen Limbach-Oberfrohna: Sie förderte und unterstützte die Textilindustrie und deren Arbeiter. So zumindest ist es nach Angaben des Esche-Museums überliefert, und auch deshalb wollte der Förderverein der Einrichtung unbedingt diese Frau von einer Darstellerin verkörpert sehen, die am Festumzug zum Tag der Sachsen teilnimmt. Und es wurde noch mehr daraus.

Denn die 17-jährige Alica Sieber-Klenner, die in die Rolle der Adelsfrau von Schönberg schlüpfte, bekam mit der 15-jährigen Jessica Seidel noch eine Zofen-Darstellerin an ihre Seite gesetzt. Die Kutsche und Pferde stellten Gabriele Müller und ihr Mann Udo zur Verfügung. Und auch wenn es kurz vor Festumzugsbeginn in Strömen regnete, konnten die beiden Mädchen später die Fahrt im offenen Wagen ohne Regenjacke und in ihren historischen Kostümen absolvieren. Denn zum Umzugsstart kurz nach 14 Uhr ließ der Regen nach, und Tausende Gäste säumten die Straßen.

Die beiden Damen wurden von zwei jungen Männern begleitet, allerdings zu Fuß. Sie gehören zu den jüngsten Mitgliedern im Förderverein des Esche-Museums, wie sie sagen: der 15-jährige Schüler Marvin Müller und der 27-jährige Projektleiter im Maschinenbau Daniel Polster aus Limbach-Oberfrohna. Sie übernahmen die Rolle von Strumpfwirkern, einer Gruppe von Arbeitern, die vor rund 150 Jahren noch reichlich in Limbach, Oberfrohna, Pleißa und Rußdorf anzutreffen war. Auch wenn ihre Kostüme nicht hundertprozentig den historischen Vorbildern entsprochen haben dürften, spielten die beiden jungen Männer ihre Rollen über die gesamte Strecke des Festumzuges von der Hohensteiner Straße bis an die Grenzstraße überzeugend. Mit dabei: der sogenannte Schiebbock, eine Art Schubkarre, auf dem die Arbeiter ihre selbst produzierten Waren mitunter bis Leipzig fuhren, wie vom Esche-Museum zu erfahren war. Ein weiteres unverzichtbares und deshalb beim Umzug getragenes Utensil: der Quersack, eine Art Tasche, die ebenfalls dem Transport der selbst gefertigten Textilien diente. Wie beide Darsteller erklärten, hatten sie sich freiwillig für den Umzug gemeldet, der für sie die erste Teilnahme in historischer Rolle an einem Tag der Sachsen bedeutete.

Sicher vor Regen, doch dafür hinter der Frontscheibe des W-50-DDR-Lastkraftwagens aus den 1980er-Jahren saß Patrick Gensel, ein 29-jähriger Kfz-Betriebsleiter. Neben dem Fahrzeug marschierte tapfer Michael Nestripke, 62-jähriges Mitglied des Museums-Fördervereins. Sie hatten die Aufgabe, das etwa 1,90Meter hohe und rund drei Meter breite Geschichtsbuch-Modell zu präsentieren, das auf die Historie der Wirkerei in Limbach-Oberfrohna hinweisen sollte. Der Lkw war von der Motorsportvereinigung Chemnitzer Land mit Sitz in Burgstädt zur Verfügung gestellt worden. Ein Beitrag, den der Verein nach Angaben Mitglied Patrick Gensel gern für einen Anlass wie den Tag der Sachsen und die Limbach-Oberfrohnaer Freunde geleistet habe. Heute wird das Buch vom Lkw abmontiert und im Museum gelagert.

Der Chef-Gastgeber beim Sachsentag

Bernd Lindner aus Limbach-Oberfrohna moderierte an jedem Tag mindestens eine Veranstaltung

Offizielle Eröffnung, Weltrekord im Mensch ärgere Dich nicht, Festumzug, Abschlussveranstaltung - Bernd Lindner war bei allen Höhepunkten des Tages der Sachsen dabei. Und zwar nicht als Zuschauer, sondern an vorderster Front, nämlich als Moderator. Der Limbach-Oberfrohnaer trat zumindest gefühlt als Chef-Gastgeber beim Volksfest auf - und hatte entsprechend zu tun. "Ich bin an diesem Wochenende gewiss nicht an Langeweile gestorben", sagte er.

Dass die Organisatoren Lindner als ehrenamtlichen Moderator verpflichteten, lag nahe. Der Vorsitzende des Laufvereins Limbach 2000 hat schon zahlreiche Auftritte als Moderator absolviert, unter anderem bei Volksläufen und anderen Sportveranstaltungen. "Das ist ein Hobby von mir", sagt Lindner. Trotzdem war seine Funktion beim Tag der Sachsen für ihn keine Routine. "Das waren echte Highlights. Man darf schließlich nicht jeden Tag den Ministerpräsidenten und den Landtagspräsidenten ankündigen", betonte der 67-Jährige, der trotz seines Alters noch als Leiter eines Chemnitzer Verlages tätig ist. Und was ist die Voraussetzung für eine gute Moderation? Eine ordentliche, aber keine pedantische Vorbereitung, antwortet Lindner. "Außerdem muss man auf das Verhalten des Publikums reagieren."

Dass der gewandte Rhetoriker Samstagmittag 1053 Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielern die Regeln für den Weltrekord-Versuch erklären konnte, hatte er gewissermaßen auch sich selbst zu verdanken. Denn die Idee zur neuen Bestmarke hatte: Bernd Lindner. "Ich habe schon mehrfach die Landesmeisterschaft im Mensch ärgere Dich nicht moderiert", berichtet er. So kam ihm der Einfall, mithilfe des Spiels eine Aufsehen erregende Aktion auf die Beine zu stellen. Damit nicht genug: Der Laufverein war auch für die Gaudiade auf dem Festgelände verantwortlich, einen Spaß-Wettkampf mit Rückwärts-Weitsprung und Erbsen-Weitspucken.

Trotz seiner Moderationen mag es Lindner nach eigener Aussage nicht, zu sehr im Mittelpunkt zu stehen. Er verweist auf seine Frau Christine, die ihm für seine Auftritte den Rücken freihalte. Überhaupt, die Familie: "Meine Tochter und mein Schwiegersohn sind extra aus München angereist, um beim Tag der Sachsen zu helfen."

Und was macht Bernd Lindner ab heute? Einige Tage verschnaufen? Mitnichten. "Ich bereite mich auf die Moderation beim Stauseelauf in Chemnitz am Sonntag vor." (jop)

Sie hat Gäste übers Gelände gelotst

800 Helfer im Einsatz - Studentin hilft Besuchern weiter und verkauft Werbeartikel

Rund 800 Helfer, darunter 650 Freiwillige und 150 Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Limbach-Oberfrohna, sind am Wochenende zum Tag der Sachsen in der Stadt im Einsatz gewesen. Erkennbar an grünen, kurzärmligen T-Shirts mit der in weißen Buchstaben verfassten Aufschrift "Ich wirke mit", kümmerten sie sich mobil oder stationär darum, den Gästen die Wege über das Festgelände zu weisen und Fragen wie etwa nach den Standorten von Bühnen und nach dem Festprogramm zu beantworten.

Eine von ihnen ist die 20-jährige Kathleen Maschinski aus Callenberg gewesen. Derzeit studiert sie in Dresden Management und Sozialpädagogik. Sie hatte sich wie 800 weitere Freiwillige für den Einsatz beworben und war in die Runde der letztlich 650 Helfer aufgenommen worden. Kathleen Maschinski wurde die Aufgabe zugeteilt, an einem Informationspunkt zu arbeiten. "Es gibt viel zu tun", erklärte sie und freute sich, dass das Interesse der Besucher an Artikeln wie Maskottchen und Schlüsselanhänger, die dort gekauft werden konnten, groß war. Sich für den Einsatz zu melden, war für sie, wie sie sagte, völlig klar. Denn bei einer solchen Veranstaltung wie dem Tag der Sachsen in Limbach-Oberfrohna mit dabei zu sein, sei einfach sehr spannend. Da ihr Dienst zumindest am Samstag kurz nach 17 Uhr endete, hatte sie sich im Anschluss daran noch mit Freunden zu einem Treffen auf dem Fest in der Innenstadt verabreden können. (reu)

Diebe auf Fest-Beutezug

Polizei sieht normales Volksfest mit kleinen Delikten

Nach drei Tagen Volksfest beim Tag der Sachsen zieht die Polizei eine positive Bilanz. Bis Sonntagabend, teilt Pressesprecherin Anett Münster mit, sei es zu insgesamt 19 registrierten Straftaten auf dem Festgelände gekommen. Allerdings habe es sich bei der überwiegenden Anzahl davon um nahezu "typische" Vorfälle für ein Fest gehandelt. Angezeigt worden seien etwa Diebstähle von Geldbörsen, Sonnenbrillen und Handys.

In zwei Fällen habe es kleine Schlägereien zwischen wenigen und zumeist angetrunkenen Personen gegeben. Auch Anzeigen wegen Beleidigungen wurden registriert. "Insgesamt war es aber ein eher ruhiges Wochenende", so Münster. Die Polizei habe sich für die Festtage in Limbach-Oberfrohna das Ziel gesetzt, zwar für Sicherheit zu sorgen, ohne dabei das Festgelände in eine Polizeiburg zu verwandeln. "Dieses Ziel, so schätzen wir es für uns ein, haben wir erreicht", so Münster.

Wie der Fest-Organisationsstab mitteilt, sei der Verkehr mit dem speziell für den Tag der Sachsen eingesetzten Sonderbussen und Zubringern zu den Parkplätzen für Festbesucher überwiegend völlig reibungslos gelaufen. (reu)

Der Tag nach dem Tag der Sachsen

Einige Nebenstraßen bleiben noch gesperrt

Der Ausnahmezustand ist vorbei. Nach drei Tagen Party kehrt in Limbach-Oberfrohna heute wieder der Alltag ein. Ein wenig wird der Tag der Sachsen aber auch in dieser Woche noch im Stadtbild präsent sein. Wie Projektleiterin Ina Klemm gestern Abend sagte, sind einige Nebenstraßen im Festgebiet wie die Albert-Einstein-Straße heute und vielleicht auch noch morgen gesperrt. "Es müssen schließlich alle Zelte und Stände abgebaut werden." Nach Angaben der Stadtverwaltung wird auch die Demontage der Toilettencontainer und Generatoren noch ein bis zwei Tage in Anspruch nehmen. Die wichtigsten Straßen seien aber passierbar. Die Sperrkreise wurden bereits gestern Abend aufgehoben, sodass Pendler wie gewöhnlich zur Arbeit fahren können.

Der Busverkehr ist heute noch leicht eingeschränkt. Wie das Unternehmen Regionalverkehr Erzgebirge mitteilte, fährt die Linie 256 (Hohenstein-Ernstthal-Bräunsdorf) die Haltestellen Turmpassage und Autohaus in Limbach-Oberfrohna nicht an. Stattdessen wird die Haltestelle Gaswerk bedient. (jop)

 

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