Ländliche Idylle mit Infrastrukturproblemen

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Mittelbach

Eine Kirche, umrahmt von Bäumen und Sträuchern, eine leere Bank vor einem großen Feld, ein von Bäumen zur Hälfte verdecktes Haus inmitten von viel Nichts - die Postkarte, die der Heimatverein Mittelbach vor fast 20 Jahren gestalten ließ, erweckt so gar nicht den Eindruck, als hätte Mittelbach irgendetwas mit der Großstadt Chemnitz zu tun. Fragt man in der Heimatstube danach, was den Ortsteil auszeichnet, betonen die Mitglieder noch heute die ländliche Umgebung mit Wald, Wiesen und bewirtschafteten Feldern. "Junge Leute ziehen hierher wegen der Idylle und der Ruhe", meint beispielsweise Brigitte John. Maria Magyar betont allerdings auch "die gute Nähe zur Stadt".

In die wurde Mittelbach vor zwei Jahrzehnten eingemeindet - nach langem erfolglosen Widerstand mit beispielsweise Unterschriftensammlungen. Viele im Ort hätten damals für die Eigenständigkeit plädiert, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins, Marco Nawroth. "Wir wären eine starke Gemeinde gewesen." Er verweist auf Gewerbesteuereinnahmen. Prägten Textil- und vor allem die Strumpfwarenindustrie für viele Jahrzehnte den Ort am Südwestrand der Stadt, schaffte Mittelbach nach der Wende schnell den Umbruch. Im 18 Hektar großen Gewerbegebiet, das heute komplett ausgelastet ist, siedelten sich Firmen vom Maschinen- bis zum Möbelbauer an. Der Unterwäschehersteller Bruno Banani zog sein Geschäft einst von Mittelbach auf. Über die so generierten Gewerbesteuereinnahmen hätte man gern selbst verfügt, sagt Nawroth. 20 Jahre nach der Eingliederung ist der 42-Jährige aber versöhnt. "Die Stadt hat viel in Mittelbach investiert, zum Beispiel die Straßen saniert", berichtet er.


Rund 13 Kilometer trennen Mittelbach vom Stadtzentrum. Angebunden ist der Stadtteil über die gut ausgebaute Hofer Straße und einen beleuchteten Radweg. Wer den öffentlichen Nahverkehr nutzen möchte, um in die Innenstadt zu gelangen, muss allerdings in Schönau umsteigen - und gerade an den Wochenenden große zeitliche Abstände zwischen den Abfahrten in Kauf nehmen. Ein typisches Problem vieler Ortsteile am Stadtrand.

Mittelbach zählt mit rund 2200 Einwohnern auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern zu den dünn besiedelten Gebieten von Chemnitz. Felder zu beiden Seiten der Hauptstraße prägen das Bild, mehrere Bauern betreiben noch heute in größerem Maßstab Landwirtschaft. Im Ort halte man zusammen, stelle Feste gemeinsam auf die Beine, berichtet John. 150 Mittelbacher sind Mitglied im Heimatverein. Ein Kindergarten, eine Grundschule und ein Spielplatz stehen den jüngeren Einwohnern zur Verfügung, zwei Hausärzte stellen die medizinische Versorgung sicher. Zum Einkaufen müssen aber weite Wege auf sich genommen werden. Im Ort fehlt ein Supermarkt, einzig ein Fleischer, ein Bäcker und ein Getränkehändler versorgen die Kunden mit dem Allernötigsten. Platz für den Bau einer Kaufhalle wäre beispielsweise auf einer brachliegenden Fläche, auf der sich früher das Kulturhaus befunden hat, meint Maria Magyar aus der Heimatstube. Getan hat sich dort aber nichts. Sie und ihre Mitstreiterinnen bedauern zudem das Fehlen von Anlaufpunkten für die Jugend und die Senioren. Der Jugendclub wurde vor einigen Jahren geschlossen. Magyar regt den Bau eines Bolzplatzes neben dem nichtöffentlichen Sportplatz an. "Das wünschen sich viele Jugendliche."

Heimatvereinschef Nawroth sieht noch andere Probleme. Verärgert ist er über den Zustand des Schulhofes. Schotter und Steine dominieren das Gelände neben dem Hauptgebäude und der Turnhalle. Da müsse dringend etwas getan werden, meint Nawroth. Mittelfristig sei zudem eine Sanierung der Grünaer Straße angebracht. Die Trasse wurde während der Erneuerung der Hofer Straße als Umfahrung genutzt - und weise deswegen einige Schäden auf, meint der 42-Jährige.


Das ist Mittelbach

Mit 2185 Einwohner n auf knapp sieben Quadratkilometern Fläche ist Mittelbach einer der am dünnsten besiedelten Stadtteile von Chemnitz. Zwischen 2007 und 2018 ging die Bevölkerungszahl um 2,3 Prozent zurück. Der Ausländeranteil liegt bei unter einem Prozent. Mittelbach erstreckt sich im Südwesten der Stadt. Ein Großteil des Gebietes sind Felder. Bebaut sind vor allem die Flächen zu beiden Seiten der Hofer Straße (.lumm)

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