Lärmschutz: Tempo 50 auf dem Südring laut Rathaus nicht möglich

Das diskutierte Verringern der Höchstgeschwindigkeit auf einem Teilstück ist laut einer Überprüfung verkehrsrechtlich nicht zulässig. Nun wird nach Alternativen gesucht.

Die meisten Autofahrer wird es vermutlich freuen: Auf dem Südring gilt weiterhin Tempo 70 - auch auf dem Abschnitt zwischen Helbersdorfer und Stollberger Straße. Nach wiederholten Beschwerden von Anwohnern über zu viel Lärm hatte die Stadt in den vergangenen Monaten geprüft, ob die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf dem Teilstück auf 50 Kilometer pro Stunde herabgesetzt werden kann. Das Ergebnis: Ein solcher Schritt wäre verkehrsrechtlich unbegründet - und damit nicht aufrechtzuerhalten.

Zur Bewertung der Lärmsituation wurden die Ergebnisse einer "Schalltechnischen Sonderuntersuchung" herangezogen, die das Umweltamt im Jahr 2015 vorgenommen hatte, erläutert ein Sprecher der Stadt. Parallel dazu sei im vergangenen Jahr eine Verkehrszählung durchgeführt worden. Diese aber habe nur eine geringe Zunahme des Verkehrs im Vergleich zum Jahr 2015 ergeben - und damit keine Auswirkungen auf die berechneten Schallpegel, die der Bewertung zugrunde liegen.

Hinzu kommt, dass auf dem Abschnitt die Fahrbahn in Richtung Stollberger Straße mit sogenanntem Flüsterasphalt versehen worden war. Die lärmmindernde Fahrbahnoberfläche hat nach Angaben der Stadt den Pegel bereits beeinflusst. Ein Überschreiten der maßgebenden Grenzwerte nach den vom Bundesverkehrsministerium erlassenen "Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm" könne unterm Strich nicht nachgewiesen werden.

Messungen im Auftrag der Wohnungsgenossenschaft WCH hatten zuvor allerdings ergeben, dass die Lärmwerte in den nahe gelegenen Bereichen der angrenzenden Wohngebiete in den zurückliegenden Jahren sogar teilweise gestiegen sind - trotz des dort eingebauten Flüsterasphalts. Vor allem an der Paul-Bertz-Straße klagen Bewohner über eine Zunahme des Verkehrs. Problematisch aus ihrer Sicht sind in erster Linie die Situation nachts und der wachsende Lkw-Verkehr. Die Mehrfamilienhäuser gelten mittlerweile als Standorte mit überdurchschnittlichem Leerstand.

Die Genossenschaft zeigt sich von der Entscheidung gegen Tempo50 allerdings wenig überrascht. Die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit sei für den Großvermieter ohnehin nie das bevorzugte Instrument gewesen, betont WCH-Vertragsmanager Michael Schlicke. "Nun wird man sich was anderes einfallen lassen müssen", sagt er. "Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen." Der von der Genossenschaft wiederholt ins Gespräch gebrachte Bau einer Lärmschutzwand war von der Stadtverwaltung bislang immer abgelehnt worden - mit Verweis auf die zu erwartenden hohen Kosten. Eine solche Wand müsste die Stadt aus der eigenen Tasche bezahlen. Denn Fördergeld gibt es in aller Regel nur bei Neubauprojekten, nicht aber für bestehende Straßen, auf denen der Verkehr zunimmt.

Eine Lösung des Problems könnte vielleicht von der Chemnitzer Uni kommen. Dort beschäftigt sich der Forschungsbereich "Leichtbau im Bauwesen" seit vielen Jahren schon mit dem Thema Lärmschutz. Aktuell bearbeiten die Wissenschaftler ein Forschungsprojekt, das sich mit der Entwicklung und technologischen Umsetzung einer "hochabsorbierenden und ressourceneffizienten Lärmschutzwand in Betonfertigbauweise" befasst. "Für diese Entwicklung wird nun eine Referenz- fläche gesucht", bestätigt Dr. Sandra Gelbrich, die Leiterin des Forschungsbereiches. Derzeit werde mit Projektpartnern und Vertretern aus dem Stadtteil Helbersdorf geprüft, ob am Südring die Errichtung einer solchen Referenzfläche für diese Entwicklung sinnvoll sein könnte.

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen
3Kommentare
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  • 2
    1
    cn3boj00
    11.01.2019

    Der Verweis auf die Maut ist leider nicht die Problemlösung. Seit 1.7.2018 gilt die Lkw-Maut auch auf Bundesstraßen, so auch auf der B174. Man könnte also eher fragen: warum einen Umweg fahren wenn ich sowieso Maut bezahlen muss? Die ganze Mautthematik ist ja in Deutschland totaler Blödsinn, einzig das Betreiber - Konsortium lacht sich ins Fäustchen über die Dummheit der Regierung.

    Dessen ungeachtet bleibt wohl eine Lärmschutzmauer die einzige vernünftige Lösung, wobei es ja eigentlich klare Kriterien gibt. Leider gibt der Artikel keine Auskunft darüber, ob nun endlich mal ein Gutachten gemacht wurde, in dem gemessen wurde, ob die Grenzwerte überschritten werden oder nicht.

  • 5
    1
    Pixelghost
    11.01.2019

    Einen Umweg fahren für den man auch noch blechen muss? Wie wird das wohl werden, wenn auch die PKW-Fahrer Maut zahlen müssen?

  • 11
    6
    Klemmi
    11.01.2019

    Ohne Zahlen vorlegen zu können, sehe ich hier einen Zusammenhang mit der erst kürzlich veröffentlichten unterschätzten Verkehrsprognose. Interessant wäre eine Zählung, wieviele LKW-Züge die B174 und anschließend den Chemnitzer Südring nutzen, anstatt die mautpflichtige A17. Einer krotesken Gesetzgebung bzgl. der Fördermittel wird es laut bleiben und durch die verschlampte Planung im sächsischen Verkehrsministerium hinsichtlich der Ostverlängerung zur A4, wird der Südring voll bleiben. Defizite auf ganzer Linie in der sächsischen Verkehrsplanung.



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