Landkreis lässt Blitzer in Burgstädt abbauen

Weil die Chemnitzer Straße als verkehrssicher gilt, sind Messanlagen verschwunden. Nicht nur Anwohner wundern sich.

Burgstädt.

So schnell, wie sie aufgebaut wurden, so schnell sind sie auch wieder verschwunden: die beiden Blitzer an der Chemnitzer Straße in der Nähe des Don-Bosco-Jugendwerkes in Burgstädt. Dort, wo im März 2018 stationäre Messanlagen errichtet wurden, erinnern nur noch ausgebesserte Pflastersteine an die Aufsteller. In sozialen Netzwerken wird gerätselt: Hat sie jemand umgefahren? Sollen die Blitzer woanders aufgebaut werden?

In der Stadtverwaltung Burgstädt heißt es, dass wirtschaftliche Gründe verantwortlich für den Abbau sein könnten. Sie verweist auf das Landratsamt Mittelsachsen, das die Messgeräte aufbauen ließ. Bürgermeister Lars Naumann (FWB) bemerkt dazu: "Sind wir jetzt den Titel Blitzerhauptstadt los?" Denn mit fünf stationären Blitzgeräten bei reichlich 10.000 Einwohnern wird Burgstädt als Sachsens Blitzer-Hauptstadt bezeichnet. Die Stadt betreibt zwei Anlagen an der Goethestraße und eine vor Schule und Kita an der Göppersdorfer Straße. Der Landkreis hat eine vor der Förderschule an der Mittweidaer Straße und zwei vor der Don-Bosco-Einrichtung an der Chemnitzer Straße 2017/18 errichten lassen.


Tatsächlich hat das Landratsamt die beiden Blitzer an der Chemnitzer Straße aus wirtschaftlichen Gründen abbauen lassen. "Dort wurden sehr wenige Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt, sodass diese Örtlichkeit wieder als verkehrssicher einzustufen ist", sagt Landkreis-Sprecher André Kaiser. Statistische Zahlen nennt er nicht. Im März 2019 hieß es, dass die Blitzer an der Mittweidaer und Chemnitzer Straße 2018 insgesamt 11.608 Tempoverstöße verzeichnet haben - ohne die Standorte aufzuschlüsseln. Aber die Zahlen seien rückläufig. Eine private Firma hatte Anschaffung, Aufbau und Unterhaltung aller Anlagen finanziert. Dafür wird sie am Erlös beteiligt.

Die Burgstädter Radarmessanlage bekommt einen neuen Standort, sagt Kaiser. Sie soll in den nächsten Wochen im Niederwiesaer Ortsteil Lichtenwalde in der Zufahrt zur B 169 aufgestellt werden. Die Kreuzung Niederwiesaer Straße/Lichtenwalder Höhe/August-Bebel-Straße sei ein Unfallhäufungspunkt - seit Jahren. Dort gelte Tempo 50. Häufigste Unfallursache sei die Nichteinhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, so Kaiser.

Und in Burgstädt? Auch dort gilt an der Chemnitzer Straße Tempo 50. "Dort wird auch oft gerast ", sagt Jens Klafki, Gesamtleiter des Don-Bosco-Jugendwerkes. Und weil die Schüler zwischen der Ausbildungseinrichtung an der Chemnitzer Straße und den Wohnunterkünften sowie Einkaufsmärkten an der Köbkestraße öfters am Tag die Straße queren müssten, habe er schon seit Jahren einen Fußgängerüberweg gefordert. "Dort parken viele Autos, die Lage ist unübersichtlich", so Klafki. Verantwortliche hätten ihm gesagt, dass ein Überweg an einer Ausfallstraße rechtlich nicht zu genehmigen sei. Schließlich habe der Landkreis die Blitzer aufgestellt. "Allerdings fiel das gerade in den Zeitraum, als die Brücke gebaut wurde und die Chemnitzer Straße nicht mehr so befahren ist", erläutert er. Der Hauptverkehr verlaufe über die Goethestraße. "Wenn die Baustelle beendet ist, wird die Straße wieder eine Rennbahn", fügt er hinzu. In der Verkehrsbehörde des Landratsamtes weiß man allerdings nichts von einem Antrag zum Einrichten eines Fußgängerüberweges, sagt auf Anfrage Sprecher Kaiser.

Gerast wird jedoch auch weniger auf der Göppersdorfer Straße, bestätigt die Burgstädter Ordnungsamtsleiterin Cornelia Müller. Im Jahr 2017 wurden vor der Goetheschule 385 Tempoverstöße gemessen, im vorigen Jahr waren es 84 Verstöße. Das könnte auch mit der gesperrten Chemnitzer Straße zusammenhängen. Trotzdem lässt die Stadt ihre Anlage nicht abbauen. "Es geht in erster Linie darum, die Kinder dort zu schützen", sagt Bürgermeister Naumann. Seit November 2018 hatte die Stadt die drei städtischen Anlagen von einer privaten Firma für 30.000 Euro abgekauft. Auch aus wirtschaftlichen Gründen wollte die Firma den Vertrag nicht verlängern. Deshalb hatte die Stadt die Aufgabe übernommen.


Kommentar: Zu kurz gedacht

Es klingt wie ein Schildbürgerstreich: Weil zu wenig Raser ertappt wurden, baut die Kreisbehörde die Blitzer ab - ohne zu hinterfragen, warum das so ist. Denn die Ortsdurchfahrt ist wegen des Brückenbaus seit zwei Jahren halb- bzw. vollgesperrt. Durch eine Umleitung ist die Chemnitzer Straße nicht mehr so stark frequentiert. Der Landkreis ist verantwortlich für den Brückenbau und den Aufbau der Blitzer. Man hätte es also ahnen können.

Allerdings sollte der Brückenbau schon mindestens seit Dezember 2018 fertig sein. Immer wieder verzögerten sich die Arbeiten. Wahrscheinlich glaubt die Kreisbehörde selbst nicht mehr daran, dass die Baustelle beendet wird und hat deshalb die Blitzer abgebaut?

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