Landkreis springt beim Breitbandausbau in Mittweida ein

Die Stadt treibt die Ver- sorgung der Ortsteile mit schnellem Internet nicht mehr selbst voran. Nun übernimmt die Kreisverwaltung. Wann der Bau beginnt ist allerdings noch völlig offen.

Mittweida.

Ungefähr 4,3 Millionen Euro hatte die Stadt Mittweida für den Breitbandausbau in den noch unterversorgten Ortsteilen veranschlagt. Annähernd 9,6 Millionen wollte hingegen das einzige Unternehmen, das sich auf eine Ausschreibung hin um die entsprechenden Bauleistungen beworben hatte, dafür haben. Nachdem Stadt und Unternehmen zunächst noch verhandelt hatten, ist nun klar: Der preisliche Unterschied ist zu hoch. Die Stadt wird den Ausbau der Infrastruktur für schnelles Internet nicht mehr selbst vorantreiben, sondern überlässt diese Aufgabe dem Landkreis.

"Die Verhandlungen sind gescheitert", sagt Holger Müller, Leiter des Fachbereichs Verwaltung im Mittweidaer Rathaus. "Der preisliche Unterschied war viel zu groß." Fast eine Million Euro an Eigenmitteln hätte die Stadt investieren müssen. Außerdem sei der Stadt bisher auch keine Aufstockung der Fördergelder zugesagt worden. Nun übernimmt das Landratsamt den Breitbandausbau in den bisher unterversorgten Mittweidaer Gebieten, die laut Müller überwiegend in den Ortsteilen liegen. Für die Stadt werde damit kein Eigenanteil mehr fällig.

Vor über zwei Jahren habe die Stadt bei einer sogenannten Markterkundung ermittelt, dass rund 270 Haushalte eine Bandbreite haben, die unter 30 Megabit pro Sekunde (MBit/s) liegt und somit als zu gering eingestuft wird, so Müller weiter. Das Landratsamt müsse die Markterkundung nun allerdings erneut durchführen, erklärt Müller, weil sich in der Zwischenzeit Veränderungen ergeben haben. "Wir wissen, dass private Internetanbieter seitdem Glasfaserkabel in der Stadt verlegt haben", nennt er ein Beispiel. Auch dass es unterversorgte Haushalte nicht mehr gibt, weil Häuser abgerissen wurden, oder dass aufgrund von Neubauten neue Haushalte mit geringer Bandbreite entstanden sind, sei denkbar.

Laut Mattias Borm, Projektkoordinator des Breitbandausbaus in Mittelsachsen, läuft die Markterkundung in Mittweida bereits seit dem 20. August. Voraussichtlich Mitte Oktober soll sie beendet sein. "Die Auswertung erfolgt so zügig, dass der Förderantrag spätestens Anfang November gestellt werden kann", so Borm weiter.

Das Landratsamt organisiert den Breitbandausbau in insgesamt sechst Clustern. Mittweida gehört zum Cluster D - gemeinsam mit Erlau, Königsfeld und Teilflächen von Rochlitz und Seelitz. 1238 förderfähige Anschlüsse sollen in diesem gesamten Clustergebiet entstehen, außerdem sollen elf Schulen und Krankenhäuser mit schnellem Internet versorgt werden, so das Landratsamt. Voraussichtliche Kosten: rund 38,5 Millionen Euro. "Die anderen beteiligten Gemeinden sind vollständig ausgewertet", sagt Borm. Er hofft, noch vor Jahresende den Fördermittelbescheid in den Händen zu halten.

Die Bauleistungen sollen laut Borm im Laufe des kommenden Jahres ausgeschrieben werden - europaweit. Deshalb werde es bis zum Baubeginn noch eine Weile dauern. "Eine EU-Ausschreibung läuft durch nicht umgehbare Fristen mindestens neun Monate oder länger - je nach Schwierigkeit der Verhandlungen", erklärt der Projektkoordinator.

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