"Lebensbaum" schlägt nach langem Anlauf schließlich Wurzeln

Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen hat eine neue Kita der Caritas eingeweiht. Bis dahin war es ein steiniger Weg.

Sonnenberg.

Eine Einweihung bei schönstem Sonnenschein - sie wäre sicher allen zu wünschen gewesen, die sich in den vergangenen Jahren verdient gemacht haben um den neuen Caritas-Kindergarten "Lebensbaum" an der Sonnenstraße. Dass es stattdessen am Montagnachmittag wie aus Kübeln goss, passte gleichwohl nahezu perfekt zur Entstehungs- und Baugeschichte dieses Vorhabens. Eine Geschichte, bei der immer wieder von einem steinigen Weg die Rede ist, wenn sie erzählt wird. "Ich habe schon manche Kita eingeweiht, aber so ein Wetter habe ich noch nicht erlebt", zeigte sich denn auch Heinrich Timmerevers, der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, beeindruckt.

Acht lange Jahre hat es gedauert, ehe aus den ersten Überlegungen Realität wurde, erinnerte Konrad Hanisch, der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes für Chemnitz und Umgebung. Ursprünglich hatte die Einrichtung an der Markusstraße entstehen sollen, doch daraus wurde nichts. Nicht zuletzt, weil der Denkmalschutz es für keine gute Idee gehalten habe, einen größeren Neubau neben die alte Kirche St. Joseph zu setzen. Zudem, so Hanisch, hätten für das Vorhaben mehrere große Bäume gefällt werden müssen- auch dieser Gedanke sei nicht nur auf Gegenliebe gestoßen.

Nachdem auch ein zweiter Anlauf in Nachbarschaft der Kirche aufgegeben werden musste, unterbreitete schließlich im Herbst 2014 die Stadt der Caritas das Angebot, einen zuletzt als Behelfs-Kita genutzten früheren Jugendklub an der Sonnenstraße zur Verfügung zu stellen. Doch der Umbau des Plattenbaukomplexes zog sich länger hin als erwartet. Nicht zuletzt die infolge der guten Konjunktur rapide gestiegenen Baupreise machten der Caritas zu schaffen. Fast 2,5 Millionen Euro wurden nach Angaben des Jugendamtes letztlich verbaut, darunter 725.000 Euro Fördermittel der Europäischen Union, die speziell für Stadtteile mit Unterstützungsbedarf zur Verfügung gestellt werden.

"Dieses Vorhaben war nicht ganz einfach, aber gemeinsam haben wir es supergut gemeistert", freut sich Amtsleiterin Gunda Georgi. Die Kindertagesstätte sei die vierte von insgesamt zwölf Einrichtungen, die im Rahmen der aktuellen "Kita-Offensive" in Chemnitz fertiggestellt wurde. Besonderheit: Durch einen Aufbau auf dem Dach entstand ein zusätzlicher "Raum der Stille", der künftig nicht nur von den Kindern genutzt werden soll, sondern auch von Eltern und Mitgliedern der Kirchgemeinde.

Auch wenn es sich um einen katholisch geprägten Kindergarten handele, so stehe das Haus offen für alle Kinder, betonte Matthias Mitzscherlich, Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Dresden-Meißen. Nächstenliebe, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung seien universelle Werte, die Kinder unterschiedlichster Herkunft auf ihrem Weg ins Leben begleiten sollen.

Dass die Kita den Namen "Lebensbaum" trägt, findet Bischof Timmerevers überaus passend. Denn zu einem Baum gehörten schließlich auch Wurzeln, so der Geistliche. "Es braucht eine Tiefe, die Halt gibt."

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