Lebensgefährlicher Angriff: "Ich dachte: Das war's jetzt"

Wegen einer Attacke auf den Türsteher einer Disko steht ein 23-Jähriger vor Gericht. Die Anklage: versuchter Totschlag.

Altchemnitz.

Er managt größere Projekte im Anlagenbau, ist 29 Jahre alt, stattliche 1,90 Meter groß. Und offenbar keiner, den man schnell aus der Fassung bringt. Am frühen Morgen des 6. Mai dieses Jahres aber, so sagt er, da hatte er beinahe schon abgeschlossen mit seinem Leben. "Ich dachte: Das war's jetzt!" Der Grund: Ein Angreifer hatte ihm, den Türsteher der Klubdiskothek Sanitätsstelle an der Altchemnitzer Straße, kurz zuvor mit einer zerschlagenen Bierflasche eine etwa zehn Zentimeter lange Wunde am Hals zugefügt. Sie blutete stark, sein Puls raste. Der Barkeeper des Lokals habe ihn notdürftig bei Bewusstsein gehalten, ihn immerzu angeschrien: "Hier stirbt heute niemand, okay?"

Die Verletzung, so stellte sich später im Rettungswagen auf dem Weg zur Not-OP im Krankenhaus heraus, hätte noch weitaus schlimmer ausfallen können. Die Staatsanwaltschaft bewertet sie als zumindest potenziell lebensgefährlich. Deshalb muss sich der 23-jährige Angreifer nun vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lange Haftstrafe.

Der aus Italien stammende Mann marokkanischer Abstammung hatte in jener Nacht die Diskothek besuchen wollen, war nach eigener Aussage dort verabredet. Er wurde aber nicht eingelassen, da er keinen Ausweis dabei hatte. Daraufhin habe er immer wieder versucht, das Sicherheitspersonal zu überreden. "Ich hatte gehofft, die drücken ein Auge zu, wenn ich ihnen sage, dass ich keinen Ärger mache", äußerte er gestern zum Prozessauftakt. Als ihn das spätere Opfer schließlich vom Vorplatz des Klubs verweisen wollte, eskalierte die Situation.

Was genau passierte, blieb zunächst offen. Der Angeklagte sagt, er sei von den Sicherheitsleuten an eine Wand gedrückt worden, habe sich zu wehren versucht und dabei offenbar sein Gegenüber mit der zuvor zerschlagenen Flasche am Hals verletzt. "Keinesfalls wollte ich ihn töten", beteuerte er. Nach Darstellung des Türstehers erfolgte der Angriff indes eher unerwartet, im Gehen. "Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er etwas in der Hand hatte", so der 29-Jährige.

Mehrere Wochen war er infolge der Attacke krankgeschrieben, bis heute spüre er ein Gefühl von Taubheit im Gesicht, sagt er. Und es beschleiche ihn mitunter ein ungutes Gefühl, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Der Angreifer bat ihn gestern vor Gericht um Entschuldigung. Das Opfer nahm dies nicht an.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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