Leergut-Engpass lässt Braumeister schwitzen

Die Lieferzeiten für Flaschenkästen sind derzeit besonders lang. Deshalb richtet der Reichenbrander Brauerei-Chef einen Appell an alle Biertrinker.

Kästen mit Leergut nimmt Braumeister Michael Bergt aus Reichenbrand derzeit besonders gern zurück. Allerdings bereiten fremde Flaschen darin zunehmend Arbeit, weil sie aussortiert werden müssen.

Von Benjamin Schaller

Nahezu täglich 30 Grad und mehr: Was liegt näher, als den Feierabend mit einem kühlen Bier einzuläuten? Doch etlichen Brauereien geht das Leergut aus. Eine Bochumer Brauerei hat über Facebook bereits einen Hilferuf ausgesendet, dass Kunden bitte möglichst schnell die Pfandflaschen zurück ins Geschäft bringen sollen. Zu diesem Schritt sieht sich Michael Bergt zwar noch nicht gezwungen. Verstehen kann er die Kollegen dennoch. Bergt, Geschäftsführer der Reichenbrander Brauerei, hatte zu Beginn des Super-Sommers bereits Leergut-Engpässe zu überstehen. "Wir stehen vor dem Problem, dass die Lieferzeiten für Kästen zurzeit besonders lang sind", sagt der Braumeister. Sechs bis acht Wochen müsse seine Brauerei auf eine neue Fuhre warten. Derzeit haben die Reichenbrander 30.000 Kästen im Umlauf, rund 10.000 sind am Standort im Westen von Chemnitz vorrätig.

Das noch größere Problem aber sind die Flaschen. "Wir bekommen die Kästen so geliefert, wie sie die Kunden im Getränkemarkt abgeben", erklärt Bergt. Das heißt: Wenn sich darin auch Flaschen anderer Biermarken befinden, werden die nicht vorab aussortiert. "Das müssen wir per Hand erledigen. Ein Mordsaufwand", so Bergt. Bis zu 40Prozent Fremdflaschen seien keine Seltenheit. Da viel Leergut in Form und Farbe von dem der Reichenbrander abweicht oder zum Beispiel durch eingearbeitete Reliefs mit Markennamen der Konkurrenz versehen ist, kann dieses nicht ohne Weiteres verwendet werden. Die größeren Brauereien, wie zum Beispiel Radeberger, würden von den Reichenbrandern ihre Flaschen zugeschickt bekommen. Umgekehrt bekommt das Chemnitzer Brauhaus aber keine Flaschenlieferung aus Radeberg. Den Aufwand würden die größeren Brauereien scheuen. "Es würde uns sehr helfen, wenn die Kunden die Kästen nicht nur möglichst schnell, sondern auch bereits richtig sortiert zurückgeben könnten", wünscht sich Bergt.

So bleibt häufig nur die Nachbestellung - die für eine Ladung ungefähr einen Monat dauert. "Die Glashütten sind zurzeit ausgelastet. Wenn man vergleichsweise geringe Mengen bestellt, ist es schwierig, zu vernünftigen Preisen an Flaschen zu kommen", so Bergt. Er vermutet, dass die Preise künstlich hochgetrieben werden. "Die Großen wollen es uns Kleinen schwer machen." Zurzeit zahle seine Brauerei für eine Flasche das Doppelte des Pfandpreises.

Bei der Einsiedler-Brauerei sei man trotz des sommerlichen Bierdurstes der Leute gut aufgestellt, sagt Willy Stößer, zuständig fürs Marketing: "Wir haben in diesem Jahr genug vorgesorgt und hatten bisher keinen Notstand." Nicolle Schwabe, Geschäftsführerin der Brauerei, aus der das Marx-Städter Bier kommt, fehlen hingegen noch die Vergleichswerte. "Uns gibt es ja erst seit März. Anfangs hatten wir aber tatsächlich das Problem, dass uns die Kästen ausgegangen sind." Das habe aber daran gelegen, dass man nicht genug produziert habe. Inzwischen sei die Anzahl der Produzenten erhöht worden. "Stand jetzt kommen wir gut durch den Sommer", so Schwabe.

0Kommentare Kommentar schreiben