Lerninseln hinter Glaswänden

Eine Oberschule hat für 135.000 Euro neue Räume geschaffen, die Kindern Rückzug bieten sollen - obwohl sie umzieht.

Reitbahnviertel.

Die Annenschule hat Grund zum Feiern: Mit Sekt und Schülerband nahm sie am Mittwochnachmittag die neuen sogenannten Lerninseln in Betrieb. Dabei handelt es sich um zwei aneinander grenzende Räume, die sich im ersten Stock des Schulgebäudes befinden. Eine Glasfront separiert sie vom Flur, "sorgt aber auch für viel Licht, damit die Räume keinen Kabuff-Charakter bekommen", sagte die stellvertretende Schulleiterin Heike Steinert.

An der Schule lernen derzeit rund 300 Kinder, von denen knapp 40 Prozent einen Förderbedarf haben. Einige müssten noch Deutsch lernen, während andere durch Legasthenie oder Schwerhörigkeit eingeschränkt sind, so Steinert. Außerdem gebe es Mädchen und Jungen, die als Förderschüler inklusiv unterrichtet würden - darunter auch Autisten. Eine Betreuung in kleinen Gruppen habe vorher nicht stattfinden können - höchstens im Hausflur. Bei Unterricht in großer Gruppe aber werden Mitschüler gestört, berichtet Steinert.

Die zusätzlich geschaffenen Räume sollen dieses Problem nun beheben. Die beiden Zimmer sind zwar miteinander verbunden, erfüllen aber einen unterschiedlichen Zweck. Während ein Raum mit einer Tafel, Tischen und Stühlen ausgestattet ist und so eine Lernatmosphäre schaffen soll, sei der andere zum Entspannen gedacht, erklärte Jirka Meyer, der das Schulamt der Stadt Chemnitz leitet. Dieses Zimmer ist außerdem mit Kunstarbeiten der Schüler dekoriert, damit Gemütlichkeit entstehe. Jungen und Mädchen haben auf einer kleinen Liegefläche die Möglichkeit, "den Kopf frei zu bekommen und auch mal am Tablet zu spielen", so Steinert.

Die Stadt Chemnitz habe in Bau und Ausstattung der zusätzlichen Zimmer etwa 135.000 Euro investiert, berichtete Meyer. Das generelle Platzproblem der Oberschule löst das nicht: Sie wird in vier Jahren in einen Neubau an die Vettersstraße umziehen. Das habe aber bei der Bewilligung des Vorhabens keine wesentliche Debatte ausgelöst, sagte der Leiter des Schulamts. Die Räume seien so erdacht worden, dass sie auch durch die Grundschule, die an dem Standort Annenstraße bleibt, genutzt werden könnten.

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