Leser helfen: Die ersten Spenden sind schon eingegangen

Ein behindertengerechtes Zuhause für eine 18-Jährige und Unterstützung für einen Treff von Menschen mit Handicap: Bereits fast 5000 Euro wurden dafür in den vergangenen Tagen eingezahlt. Mitunter aus sehr persönlichem Grund.

Da haben die Kinder in Deutschland aber Glück: Während ihnen zu Nikolaus allerlei Überraschungen in Stiefel und Schuhe gesteckt werden, kann ihren Altersgenossen im Nachbarland Tschechien am 6. Dezember schon mal Ungemach drohen. Denn dort kommt der Heilige Nikolaus nicht unbegleitet: Für die braven Kinder hat er einen Engel im Schlepptau, für die anderen einen Teufel. Und dessen Botschaft lautet in der Regel: "Wenn das so weitergeht mit Dir, mein Freund, dann nehme ich Dich nächstes Jahr mit."

Lenka Tomašova sind derlei Gebräuche gut vertraut. Sie stammt aus dem tschechischen Komotau, wo sie viele Jahre als Sozialpädagogin in einer Einrichtung für junge Menschen mit Behinderungen gearbeitet hat. Seit einigen Monaten lebt sie in Chemnitz. Im "Club Heinrich", einem stadtweit einzigartigen, weil in erster Linie auf Menschen mit Handicap ausgerichteten Treff an der Heinrich-Schütz-Straße, betreut sie ein neu ins Leben gerufenes Angebot speziell für Schüler des Wohnheims der benachbarten "Entdeckerschule", dem neuen Förderzentrum für Körperbehinderte.

Jeden Mittwoch sind im "Club Heinrich" mal ältere, mal jüngere Schüler zu Gast, um mit Lenka Tomašova ein, zwei Stunden Abwechslung zu erleben. Es wird gemeinsam gelernt, gebastelt und gesungen, zum In-Schwung-Kommen gibt es ein wenig Bewegung mit Musik. "Eine gute Sache", findet Heilerziehungspflegerin Juliane Eulenberger, die in dieser Woche mit sechs Kindern im Alter von acht bis 13Jahren im "Club Heinrich" zu Gast war. "Die Kinder kommen mal raus aus ihrem gewohnten Umfeld und lernen ganz neue Leute kennen." Die örtliche Nähe zum Wohnheim auf der gegenüberliegenden Straßenseite sei ein wichtiger Vorteil. "Da geht nicht so viel Zeit verloren."

Was für das neue Angebot noch fehlt, ist passendes pädagogisches Material. Denn nicht nur Spaßhaben ist angesagt, den Kindern soll nicht zuletzt auch Förderung zuteil werden. Die Aktion "Leser helfen" will in den kommenden Wochen dazu beitragen, die notwendigen Anschaffungen zu tätigen, damit der Freizeitklub möglichst bald schülergerecht ausgestattet ist.

Ein zweites Projekt, das auf Spenden von Lesern der "Freien Presse" setzt, widmet sich der Unterstützung einer Familie in Wittgensdorf. Zu ihr gehört die 18-jährige Johanna, die aufgrund einer seltenen Stoffwechselerkrankung schwerst mehrfach behindert ist. Sie kann sich nicht bewegen, ist auf den Rollstuhl angewiesen und benötigt rund um die Uhr Betreuung. Um den von der Fürsorge um Johanna geprägten Alltag zu erleichtern, will die Familie 2017 in das Eigenheim der Großeltern umziehen. Das allerdings muss zunächst behindertengerecht umgebaut werden. Über den Verein "Leser helfen" soll die Finanzierung eines speziellen Bades und eine Rollstuhlrampe gesichert werden.

Die ersten Unterstützer haben sich bereits gemeldet, auch aus Wittgensdorf selbst. "Ich spende sehr gern für Johanna", schildert etwa Kathrin Birke. "Wir treffen uns öfters, wenn sie von ihrer Betreuerin im Rollstuhl ausgefahren wird und ich mit meinem Golden Retriever ,Kenny' spazieren gehe", erzählt sie. "Wir legen dann Johannas spastisch gelähmten Arm auf sein weiches Fell und sie lächelt auf ihre Weise. Dann überkommt auch mich Freude und tiefste Demut, weil ich weiß, dass wir für einen kurzen Moment Herrlichkeit in ihren Alltag gebracht haben." Johanna und ihre Familie hätten es verdient, unterstützt zu werden, meint Kathrin Birke. "Sie alle leisten jeden Tag einen wahren Kraftakt", findet sie. "Schade ist nur, dass eine solche Person nicht mehr Unterstützung vom Staat bekommt und auf Spenden angewiesen ist."

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