Lieber Chemnitz als türkische Riviera

Ein Fußballverein aus Mecklenburg hätte sein Trainingslager am Mittelmeer absolvieren können - doch die Spieler entschieden sich für Sachsen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Wenn Amateurfußballer schon einmal die Gelegenheit bekommen, ihr Wintertrainingslager in der Türkei zu verbringen, gibt es im Normalfall nur eine logische Konsequenz: Die Kicker jubeln über das Angebot des Vereins, rennen nach Hause, versprechen der Liebsten noch, dass sie brav bleiben, und packen die Badehose ein. Nicht so beim SV Pastow. Die Spieler des Verbandsligisten aus Mecklenburg-Vorpommern hatten in diesem Jahr die Chance, bei geringem Eigenanteil in die Wärme zu fliegen, nach Belek an die Türkische Riviera, um dort ein paar Tage lang den Mannschaftsgeist zu stärken - doch sie haben abgelehnt. Viel lieber wollten die Kicker nach Chemnitz. Minusgrade in Sachsen statt Sonne am Mittelmeer - wie konnte das passieren?

Aufklärung gibt Gerald Worzfeld, beim SV Pastow Abteilungsleiter Fußball. "Wir sind nach Chemnitz gereist, weil wir dort sehr gute Freunde haben, speziell beim VfB Fortuna", sagt er und ergänzt: "Und weil Fußballer abergläubisch sind." Worzfeld organisiert die Trainingslager in Chemnitz bereits im vierten Jahr. "Wir kommen gern hierher, weil einfach alles passt. Sogar der Schnee, der bis zu unserem Eintreffen immer fehlt, ist auch in diesem Jahr wieder pünktlich gefallen."

Von Mittwochabend bis Sonntag weilten die Kicker aus der Nähe von Rostock in Chemnitz. Am Donnerstag standen Trainingseinheiten auf dem Gelände des VfB Fortuna und in der Soccerhalle in Röhrsdorf auf dem Programm. Vor dem ersten Testspiel gegen den BSC Freiberg am Freitag auf dem Kunstrasenplatz an der Beyerstraße musste das Feld erst einmal freigeschippt werden, was die Mecklenburger selbst übernahmen. "Das kennen wir ja schon", sagt Gerald Worzfeld. "Wenn wir kommen, dann liegt Schnee."

Von der Räumaktion der Norddeutschen profitierte am Samstag übrigens auch Regionalligist Chemnitzer FC, der sein Testspiel gegen Halle auf eben diesem Platz austragen konnte - womit sich gewissermaßen der Kreis schließt. Denn daran, dass die Kicker aus Pastow seit vier Jahren immer nach Chemnitz kommen, hat auch der CFC einen großen Anteil. "Wenn die Chemnitzer in der Dritten Liga Punktspiel bei Hansa Rostock hatten, haben sie die letzte Einheit bei uns auf dem Gelände absolviert", erklärt Worzfeld. "Geschlafen haben sie in einem Hotel, in dem einer unserer Sponsoren Direktor ist. Er stammt aus der Chemnitzer Ecke und ist großer Fan des CFC." So kam der Kontakt zustande, schnell wurde ein Trainingslager in Chemnitz vereinbart. Als Gegner für ein Testspiel wurde den Mecklenburgern vom CFC der VfB Fortuna empfohlen. "So kamen wir mit Ronny Weigel von Fortuna in Kontakt, der für uns bis heute alles möglich macht, wenn wir kommen", sagt Worzfeld.

Neben der Gastfreundlichkeit gibt es einen weiteren Grund für Chemnitz. "Vor den Trainingslagern in Chemnitz haben wir eine schlechte Hinrunde gespielt und sogar gegen den Abstieg gekämpft - in der Rückrunde lief es dann immer besser", sagt Worzfeld. In diesem Jahr ist die Mannschaft nach der Hinrunde Tabellenzweiter. Worzfeld: "Also haben wir die Spieler gefragt, ob wir mal was anderes machen wollen. Die Antwort war: "Wenn die Rückrunde wieder besser laufen soll als die Hinrunde, müssen wir nach Chemnitz."

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