Limbach-Oberfrohna erhält von Radfahrern schlechtes Zeugnis

Fehlende Verbindungen, mangelnde Sicherheit und unpraktische Abstellmöglichkeiten als Kritikpunkte

Limbach-Oberfrohna.

Die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna hat Bürger befragt, wie sie Bedingungen für Radfahrer bewerten. Die Ergebnisse sind eindeutig. Die "Freie Presse" fasst das Thema in Fragen und Antworten zusammen.

Wie lief die Befragung ab?

Alle Limbach-Oberfrohnaer konnten von Ende Mai bis Ende Juni an der Aktion teilnehmen. Interessierte füllten entweder einen Fragebogen aus, der im Stadtspiegel abgedruckt war, oder beantworteten die Fragen online. Teilnehmer sollten darüber Auskunft geben, wie oft und zu welchem Zweck sie das Fahrrad nutzen, woran sie sich stören und welche Verbesserungen sie vorschlagen. Den vierseitigen Fragebogen hatte ein Dresdner Ingenieurbüro ausgearbeitet. 530 Personen beteiligten sich, was die Stadtverwaltung als zufriedenstellendes Ergebnis betrachtet. Einige Teilnehmer riefen zudem im Rathaus an, um Anregungen zu geben.

Welche sind die größten Kritikpunkte?

Fehlende Radwege. Das ist keine Überraschung, weil es in Limbach-Oberfrohna kaum welche gibt. Laut Tino Müller, dem Leiter der Verkehrsbehörde im Rathaus, werden vor allem schlechte Bedingungen auf den viel befahrenen Ausfallstraßen beklagt. So fehle auf der Chemnitzer Straße nicht nur ein Radweg, erläutert Müller. Dort seien auch zahlreiche Lastwagen unterwegs. Auf der Hohensteiner Straße sei die Situation ähnlich. "Und auf der Weststraße kommt es durch parkende Fahrzeuge zusätzlich zu Behinderungen." Nach Angaben der Befragten ist es deshalb kaum möglich, schnell durch die Stadt, aus ihr hinaus oder in sie hinein zu radeln.

Wie wird die Lage auf den Nebenstraßen bewertet?

Als weniger problematisch. Zwar gibt es auch dort kaum Radwege. Aber wegen der geringeren Verkehrsdichte ist das Radfahren dort wesentlich angenehmer, so der Tenor.

Wie steht es um Verbindungen zwischen den Ortsteilen und zu anderen Kommunen?

Auch in dieser Hinsicht sind die Radfahrer unzufrieden. Müller nennt ein Beispiel: Es müsse eine attraktive Verbindung von Limbach-Oberfrohna nach Wolkenburg geschaffen werden, nicht zuletzt als Anbindung zum beliebten Mulderadweg. Auch fehlende Radwege am Ostring in Richtung Hartmannsdorf und an der Hohensteiner Straße in Richtung Wüstenbrand werden als Manko genannt.

Was stört Radfahrer außerdem?

Die Beschaffenheit der Fahrradständer in Limbach-Oberfrohna. Vielfach wird bemängelt, dass es nur solche gibt, in die man das Vorderrad hineinschieben kann. Dabei riskieren die Eigentümer nicht selten Schäden an den Speichen. Zudem ist es kaum möglich, den Rahmen mit anzuschließen, wie Sicherheitsexperten es empfehlen. Laut Müller wünschen sich viele Befragte deshalb Bügel aus Metall, wie es sie in Großstädten wie Chemnitz und Leipzig seit Jahren gibt.

Sind die genannten Probleme neu?

Nein. Dass Limbach-Oberfrohna für Radfahrer ein schwieriges Pflaster darstellt, ist seit Jahren bekannt. Bei einer deutschlandweiten Befragung des Radfahrerclubs ADFC zur Radlerfreundlichkeit war die Kommune 2017 sogar unter 364 Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern auf dem letzten Platz gelandet. Damals hatten allerdings nur 60 Personen den entsprechenden Fragebogen für Limbach-Oberfrohna ausgefüllt. Die Ergebnisse der jetzigen Befragung sind belastbarer, weil sich fast neunmal so viele Bürger beteiligt haben. Tino Müller schätzt ein, dass die Befragten sich größtenteils kritisch geäußert haben - "aber nicht ganz so schlecht wie bei der ADFC-Befragung", sagt er.

Welche Schlussfolgerungen zieht die Stadt aus der Befragung?

"Bei den Hauptrouten müssen wir etwas tun", betont der Leiter der Verkehrsbehörde. Die Schwierigkeit dabei: Bei Ostring, Hohensteiner und Weststraße handelt es sich um Staatsstraßen, bei denen das Rathaus folglich auf die Mithilfe des Freistaates angewiesen ist. Der Stadtrat hat sich beispielsweise schon 2016 für Radfahrer-Schutzstreifen auf der Weststraße ausgesprochen. Der Beginn des geplanten Ausbaus der Straße ist aber schon mehrfach verschoben worden. Werden Nebenstraßen saniert, lässt die Stadt dort, wo es räumlich möglich ist, ebenfalls Schutzstreifen anlegen. Aktuelles Beispiel ist die Lindenstraße, die Schröderstraße soll demnächst folgen. Was die Abstellmöglichkeiten betrifft, will die Stadtverwaltung prüfen, ob Bügel aufgestellt werden können.

Die Befragung fand im Rahmen der Überarbeitung des Generalverkehrsplanes statt. Wie ist der aktuelle Stand dabei?

Im Generalverkehrsplan werden grundsätzliche Ziele für die Entwicklung der innerstädtischen Verkehrsströme festgelegt. Bislang wurden unter anderem Fahrzeuge gezählt und Bürger bei einer Infoveranstaltung um Vorschläge gebeten. Zudem wurden Einwohner per Fragebogen zu ihrem generellen Verkehrsverhalten um Auskunft gebeten. Die Auswertung dieser Befragung liegt laut Tino Müller noch nicht vor. Im Dezember soll es eine weitere Infoveranstaltung im Esche-Museum geben, bei der erste Leitlinien des Generalverkehrsplanes vorgestellt werden. Aber auch Anregungen können noch eingebracht werden, so Müller. Der Prozess endet im nächsten Jahr, wenn der Verkehrsplan dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird. jop

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    cn3boj00
    16.10.2019

    Das Ergebnis war vorhersehbar. Und die Kritik ist auch nicht neu. Dass es keine Anbindung nach Wolkenburg an den Muldetalweg gibt, keine über den Ostring nach Wittgensdorf an den Chemnitztalradweg und keine nach Wüstenbrand zum Kohlebahnradweg ist eigentlich ein Unding. Aber es ist seit Jahren bekannt, seit Jahren ist nichts gemacht, und auch in Jahren wird sich nichts ändern. Verantwortlich dafür ist die deutsche Bürokratie, welche die Verantwortung für Radwege an Straßen dem für die Straße zuständigen Amt in die Schuhe schiebt. Und das ist seit der Kreisgebietsreform weit weit weg. Und Wittgensdorf gehört dann auch noch wo anders hin, es ist vorprogrammiert, dass das nichts wird.
    Wenn unsere Enkel trainieren wollen müssen sie mit dem Auto nach Chemnitz gefahren werden. Bis es Radwege gibt sind sie nicht mehr aktiv. Ein Hoch auf die Bürokratie.



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