Limbach-Oberfrohnaer Stadtwald soll sein Aussehen verändern

Stürme, Trockenheit und der Borkenkäfer setzen den Bäumen zu. Deshalb will der Revierförster robustere Arten pflanzen - und hat auch den Waldrand im Blick.

Limbach-Oberfrohna.

Wäre der Stadtwald Limbach-Oberfrohna ein Mensch, würde man ihm wohl einen drohenden Burn Out diagnostizieren. Denn die Bäume haben gleich an mehreren Fronten zu kämpfen: Stürme, Schneebruch, Trockenheit und Borkenkäferbefall. So lässt sich ein Vortrag zum Zustand des Stadtwaldes zusammenfassen, den Revierförster Wolfram Schmidt während der jüngsten Sitzung des Stadtrates gehalten hat. Bei allen Problemen gibt es aber auch eine gute Nachricht: Viele Wälder in der Region haben in den vergangenen Jahren stärker gelitten.

In der Vergangenheit zogen mehrere kräftige Stürme über die Stadt: "Friederike" im Januar 2018 sorgte vor allem im Hohen Hain für Schäden, im März 2019 folgte "Eberhard". Die Wirtschaftspläne für den Stadtwald werden so immer häufiger zur Makulatur. In den Konzepten hält Schmidt jährlich fest, wie viel Holz geschlagen und wo Bäume gepflanzt werden sollen, wie viel Geld der Holzverkauf einbringt und was für die Pflege ausgegeben wird. Doch von einer gewöhnlichen Bewirtschaftung kann derzeit keine Rede mehr sein. Denn durch die Stürme sind so viele Bäume umgefallen, dass keine weiteren gefällt werden müssen und für das Nachpflanzen kaum Zeit bleibt.


Schmidts Priorität liegt derzeit darauf, totes Holz aus dem Wald zu schaffen. "Wenn das nicht schnell genug geht, schwärmt der Borkenkäfer aus", erklärt der 63-Jährige. Die Schädlinge kriechen unter die Rinde, fressen sich voll, legen ihre Larven. Normalerweise können sich Bäume gegen den Eindringling wehren: Sie verkleben die Käfer mit Harz und verhindern so ihr Ausbreiten - ein natürliches Immunsystem. Doch hier kommt die Dürre ins Spiel: Nach zwei trockenen Sommern fehlt es den Bäume an Flüssigkeit und somit an Harz. Die Bekämpfung der Käfer leidet.

Dass der Schädling sich in Limbach-Oberfrohna noch nicht so stark ausgebreitet hat wie in anderen Kommunen, führt Schmidt auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung zurück. Weil das Rathaus gut mitspiele, seien schnelle Entscheidungen zum Abtransport des Holzes erfolgt. Und zweitens gibt es im Stadtwald etwas, das der Experte Borkenkäfer-Monitoring nennt: Ein Mitarbeiter des Bauhofes unternimmt regelmäßig Rundgänge im Wald, um bei einem eventuellen Borkenkäfer-Befall Alarm schlagen zu können.

Totes Holz zu entfernen, ist inzwischen aber sehr kostspielig. "Für die Aufarbeitung muss man jeden Preis bezahlen", stellt Schmidt fest. Erstens ist es ohnehin teurer, einzelne umgestürzte Bäume zu beseitigen, als planmäßig welche zu fällen. Zweitens können die Firmen, die jene Dienstleistung anbieten, wegen der hohen Nachfrage mehr Geld verlangen als zuvor. Drittens lassen sich die Kosten derzeit kaum refinanzieren. Weil das Angebot an Holz auf dem Markt derzeit fast unbegrenzt scheint, ist der Preis ins Bodenlose gefallen. Laut Schmidt wird für den Festmeter Fichte derzeit nur noch 20 Euro gezahlt - vor einigen Jahren sei es noch mehr als das Vierfache gewesen.

Wie kann dem Wald angesichts dieser komplexen Problemlage geholfen werden? Für Wolfram Schmidt ist die Sache klar: "Wir sollten den Wald fit machen für die Zukunft." Das bedeutet vor allem: keine Fichten mehr pflanzen. Sie wachsen zwar schnell, sind aber bei Stürmen anfällig. "Die Fichte ist im Hügelland nicht überlebensfähig", konstatiert der Revierförster. Zwar macht die Fichte schon jetzt nur einen Bruchteil des Limbach-Oberfrohnaer Stadtwaldes aus. Dieser besteht aus einem "bunten Gemisch", wie es Schmidt ausdrückt: Lärchen sind ebenso vertreten wie Birken. In den nächsten fünf Jahren sollen vor allem Eichen und Tannen gepflanzt werden, da ihre tieferen Wurzeln für Standfestigkeit sorgen und auch bei Trockenheit in oberen Bodenschichten Wassernachschub garantieren. Außerdem spricht sich der Förster dafür aus, am Waldrand Hecken und niedrigere Bäume zu pflanzen. "Jetzt ist der Platz dafür da." Eine solche "Abdichtung" an den Rändern stelle nicht nur einen wertvollen Lebensraum dar, sondern trage auch dazu bei, Sturmschäden zu verringern und starke Temperaturschwankungen zu vermeiden. (mit bjsc)


Von Limbach bis Wolkenburg

Der Wald im Besitz der Stadt Limbach-Oberfrohna umfasst eine Fläche von 191 Hektar - das entspricht etwa 270 Fußballfeldern. Zum Stadtwald gehören unter anderem der Hohe Hain und das Oesterholz in Limbach, der Gemeindewald in Oberfrohna und Rußdorf sowie das Gebiet Einsamkeit in Wolkenburg.

Da die Kommunen keine eigenen Förster beschäftigen, übernimmt diese Aufgabe der Staatsbetrieb Sachsenforst. Revierförster wie Wolfram Schmidt sind stets für mehrere Gemeinden zuständig. (jop)

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