Linke wollen weniger Steuern für Hunde aus dem Tierheim

Die Halter sollten für zwei Jahre von der Abgabe befreit werden, fordert die Ratsfraktion. Doch es gibt nicht nur Befürworter.

Hundehalter wissen es nur zu gut: Die Liebe zum Tier, sie kostet. Unter anderem Hundesteuer. 100 Euro werden aktuell in Chemnitz pro Tier und Jahr fällig. Der zweite Hund kostet bereits 135 Euro, jeder weitere 165Euro. Tiere, die aufgrund ihrer Rasse oder ihres Verhaltens als besonders gefährlich gelten, schlagen sogar mit 750 Euro zu Buche. Die Stadt rechnet in diesem Jahr mit Einnahmen von 830.000 Euro, bei aktuell 8750 angemeldeten Hunden.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Blindenführhunde etwa sind ebenso von der Steuerpflicht befreit, wie Hunde, die ausschließlich dem Schutz und der Hilfe schwer beeinträchtigter Menschen dienen. Und wer sich einen Hund aus einem Chemnitzer Tierheim holt, kann sich auf Antrag ebenfalls von der Steuer befreien lassen - allerdings nur für ein Jahr.

Geht es nach den Linken im Stadtrat, soll diese Befreiung künftig auf zwei Jahre ausgedehnt werden - sofern die Vierbeiner aus einem Heim stammen, das einen Vertrag mit der Stadt über die Verwahrung von Tieren abgeschlossen hat. "Angesichts steigender Zahlen von Tieren im Tierheim sollten Mittel und Wege gefunden werden, die Weitervermittlung attraktiver zu machen", erläutert Fraktionschefin Susanne Schaper. Mit der Ausdehnung der Steuerbefreiung auf 24Monate, so ihre Überlegung, wären vielleicht mehr Chemnitzer bereit, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen. Andere Kommunen hätten damit jedenfalls gute Erfahrungen gesammelt,so Schaper. "Die Aufenthaltsdauer der Tiere wird verkürzt, die Kosten für die Heime verringern sich."

In anderen Fraktionen des Stadtrats stößt die Initiative jedoch auf ein geteiltes Echo. Unter den CDU-Vertretern etwa gebe es sowohl Befürworter als auch Gegner, erläutert Stadträtin Ines Saborowski. "Ich finde das gut, andere Fraktionsmitglieder sind da halt anderer Meinung."

Manuela Tschök-Engelhardt, führende Finanzpolitikerin der Grünen im Stadtrat, hielte die Regelung für sinnvoll. "Wenn es damit gelingt, mehr Tiere zu vermitteln, wäre das schon gut", sagte sie. "Vielleicht aber sollte man nach zwei Jahren schauen, wie sich das entwickelt hat."

Die AfD hingegen lehnt den Vorstoß nach den Worten von Stadtrat Nico Köhler grundsätzlich ab. Für problematisch erachte die Fraktion vor allem die Ungleichbehandlung sowohl gegenüber Hundebesitzern, die sich ihre Tiere anderswo besorgten, als auch gegenüber beispielsweise Katzenhaltern. "Die zahlen keine Steuern und werden somit auch nicht entlastet, wenn sie eine Katze aus dem Tierheim aufnehmen", argumentiert Köhler.

Jens von Lienen, Leiter des Tierheims auf dem Pfarrhübel, glaubt durchaus, dass die vorgeschlagene Steuerbefreiung helfen könnte. Derzeit betreut das Heim 34Hunde aus Chemnitz und einigen wenigen Nachbargemeinden. Fast jedes dritte der Tiere, so von Lienen, werde nach außerhalb vermittelt.

4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Zeitungss
    12.12.2019

    Vorschlag: Ich bin für die Einführung von Schadstoffklassen für alle Hunde und das übrige Getier. Für die Bürokratie in Deutschland dürfte das eine der leichtesten Übungen sein und den Bürger würde es nicht sonderlich wundern. Es ins EU-Recht zu übernehmen sollte keine Hürde sein. Die Viecher mit einem besonderen Aufkleber zu versehen und einige hochbezahlte Kontrolleure auf die Beine stellen, daran sollte es auch nicht scheitern. Es wäre ein Lichtblick für die marode Stadtkasse.

  • 4
    1
    cn3boj00
    11.12.2019

    Lieber Herr Köhler, zahlen Sie Einkommenssteuer? Und nehmen sie dabei steuermindernde Werbungskosten in Anspruch? Wieso? Leute die so arm sind dass sie keine Steuern bezahlen können Werbungskosten auch nicht absetzen. Wo ist da die Gleichbehndlung? Nun ja, wer heute so alles glaubt er sei fähig im Sinne des Gemeinwohls Entscheidungen zu treffen ist schon nicht mehr tragbar.

    Abgesehen davon: Leider haben einige Tierheime die Vermittlung von Tieren schon als Geschäftsmodell entdeckt. Und statt die eigenen Tiere zu vermitteln holen sie welche aus dem Ausland, um sie hier an Herrchen oder Frauchen zubringen.Deshalb sehe ich das ganze skeptisch!

  • 16
    5
    Distelblüte
    11.12.2019

    "Die AfD hingegen lehnt den Vorstoß nach den Worten von Stadtrat Nico Köhler grundsätzlich ab. Für problematisch erachte die Fraktion vor allem die Ungleichbehandlung sowohl gegenüber Hundebesitzern, die sich ihre Tiere anderswo besorgten, als auch gegenüber beispielsweise Katzenhaltern. "Die zahlen keine Steuern und werden somit auch nicht entlastet, wenn sie eine Katze aus dem Tierheim aufnehmen", argumentiert Köhler."
    O my. Vielleicht sollte Herr Köhler mal jemanden fragen, was eine Gleichung ist. Einen Schüler vielleicht.Oder einen Lehrer. Oder jemand, der sich noch an den Mathematikunterricht erinnert.

  • 6
    17
    ArndtBremen
    11.12.2019

    Steuern für alle Tiere, einschliesslich der kommunalen Tauben, Krähen und sonstiger kotwütigen Flugobjekte, oder eben KEINE Steuern für alle Tiere. Letzteres wäre anstrebenswert.



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