Liveticker: Das Geschehen nach dem Tötungsdelikt in Chemnitz

Nach dem Tod eines 35-Jährigen am Rande des Stadtfestes in Chemnitz haben verschiedene Gruppierungen für den Montagnachmittag zu Demonstrationen aufgerufen. Auch die Politik nimmt das Geschehen zum Anlass für Diskussionen um innere Sicherheit und Fremdenfeindlichkeit.

23.10 Uhr: Auf Twitter teilt die Polizei mit, dass vier Teilnehmer der Versammlung von Pro Chemnitz von 15 bis 20 Angreifern verletzt worden sind. Zwei der Verletzten mussten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden. Mit dieser Nachricht verabschieden wir uns an dieser Stelle.

23.05 Uhr: Die Polizei ist in der Stadt weiter im Einsatz und teilt mit: Sie wird erst am Dienstag eine Bilanz zum Geschehen ziehen.

23 Uhr: In der Stadt heulen noch immer die Sirenen.

21.45 Uhr: Die Polizei hat die Wasserwerfer zum Bahnhofsvorplatz gefahren, um die Abreise der Linken abzusichern. Momentan ist die Lage ruhig.

21.40 Uhr: Sieben Einsatzfahrzeuge der Polizei fahren Richtung Schloßteich/Concordiapark, wohin sich die Linken zurückziehen wollten.

21.33 Uhr: Die Polizei hat den Zugang zur Bahnhofstraße abgeriegelt, weil dort die Linken in Richtung Bahnhof gehen. Einige Rechte versuchen, eine Abkürzung zu nehmen. Sie wollen den Linken offenbar auflauern.

21.27 Uhr: Einige Demonstranten sind wütend, weil die Polizei die Brückenstraße kurz vor der Kreuzung Bahnhofstraße abgeriegelt hat. In diese Richtung kommen sie nicht nach Hause.

21.26 Uhr: An der Ecke Zschopauer Straße/Bahnhofstraße gibt es Tumulte zwischen linken und rechten Gruppen.

21.19 Uhr: Die Demo löst sich auf, allerdings sind noch einige Böller-Detonationen zu hören.

21.13 Uhr: Die Demonstration ist beendet. Die Menge skandiert "Wir kommen wieder."

21:11 Uhr: Regisseurin Emily Atef hat ihre geplante Teilnahme bei den Filmnächten auf dem Theaterplatz abgesagt. In einer vor Beginn der Vorführung des Films "3 Tage in Quiberon" verlesenen Erklärung begründete die Künstlerin mit iranischen Wurzeln und Mutter ihre Entscheidung mit Sicherheitsbedenken im Ergebnis der Zusammenstöße am Vortag. Die Festivalleitung verurteilte im Namen der Mitarbeiter jede Form von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit und warb für Weltoffenheit.

21.10 Uhr: Die Teilnehmer der Pro-Chemnitz-Demonstration singen zum Abschluss die deutsche Nationalhymne.

21.05 Uhr: Die Abschlusskundgebung beginnt. Die Veranstalter sprechen von 10.000 Teilnehmern. Die Anzahl der Demonstranten schrumpft jetzt allerdings. Viele Gruppen gehen nach Hause. Ein Polizeisprecher bestätigt: "Wir waren mit zu wenig Beamten da." Der Zulauf auf beiden Seiten habe das erwartbare Maß überschritten. Die Polizei habe laut angekündigter Teilnehmerzahl geplant. Durch die Mobilisierung über soziale Netzwerke sei schwer nachvollziehbar, wieviele Leute tatsächlich kommen. Weitere Böller sind an der Kreuzung Straße der Nationen/Brückenstraße zu hören.

21.00 Uhr: Die Linken verlassen das Veranstaltungsgelände, werden zum Teil von der Polizei begleitet. 

20.56 Uhr: Der Zug hat die Innenstadt umrundet und den Marxkopf wieder erreicht. Einige Demonstranten posieren vor den Wasserwerfern der Polizei für ein Foto.

20.45 Uhr: Auf Höhe Zentralhaltestelle sind Sprechchöre von Linken zu hören. Die Polizei leitet den Demonstrationszug auf die Gegenseite der Bahnhofstraße.

20.36 Uhr: Die Spitze des etwa 300 Meter langen Zuges erreicht die Zentralhaltestelle, das Ende ist noch am Falkeplatz. Sprechchöre sind zu hören: "Hier marschiert der nationale Widerstand", "Frei, sozial und national". Wenige Fahrgäste warten vergeblich auf Bus und Bahn. Die Straßen-Zugänge zur Innenstadt sind von der Polizei abgeriegelt. 

20.28 Uhr: Aus einem schlecht einsehbaren Grundstück auf Höhe Getreidemarkt fliegen Glasflaschen auf die Demonstranten. Eine Gruppe aus den Teilnehmern stürmt das Gelände. "Holt sie euch", rufen einige aus der Menge.

20.26 Uhr: Der Demo-Zug erreicht in Kürze den Falkeplatz, der nahezu voll gesperrt ist. Mehrere Straßenbahnen stehen still, auch an der Annaberger Straße. Der Innenstadtring ist komplett gesperrt. Über der Stadt kreist ein Polizei-Hubschrauber.

20.18 Uhr: Die Demonstranten ziehen durch die Theaterstraße. Anwohner schauen aus den geöffneten Fenstern zu. Die Menge skandiert "Schließt euch an" und "Auf die Straße".

20.12 Uhr: Die Polizei hat den Wall abgeriegelt, um Konfrontationen zwischen beiden Lagern zu vermeiden. Die Situation ist wieder etwas beruhigt. 20.10 Uhr: Einige Rechte stürmen die Terrasse des Terminal 3, um Gegendemonstranten Angst einzujagen. Diese flüchten, es kommt zu kürzen Handgreiflichkeiten. Polizei ist nicht in der Nähe. 20.06 Uhr: Nicht alle Teilnehmer der von Pro Chemnitz angemeldeten Demonstration sind zum Rundgang unterwegs, ein Teil ist am Marx-Monument geblieben und sucht die Konfrontation. 20 Uhr: Rechte werfen Böller in die Reihen der Linken. Wasserwerfer rücken an der Zufahrt am Terminal 3 an. Die Polizei versucht, die Rechten abzurängen. Raketen und bengalische Feuer fliegen in Richtung der linken Gegendemonstration. Mehrere Böller sind zu hören. Die Polizei fordert einige Linke auf, sich Richtung Stadthalle zurückzuziehen, was von den Rechten gefeiert wird. Die Polizei versucht, für Ruhe zu sorgen und droht mit dem Einsatz des Wasserwerfers. 19.55 Uhr: Es kommt zu Scharmützeln zwischen Linken und Rechten. Es werden Gegenstände auf die Demonstration des rechten Lagers geworfen. Die Polizei geht dazwischen. 19.52 Uhr: Kohlmann fordert die Chemnitzer auf, Bürgerwehren in den Stadtteilen zu bilden.  Jetzt beginnt der Rundgang durch die Stadt. Kohlmann: "Denn das ist unsere Stadt". 19.45 Uhr: Kohlmann behauptet, seit 1989 habe es in Chemnitz keine größere Kundgebung gegeben. "Und es wird nicht die letzte sein." Zudem fordert er, Sachsen müsse aus der Bundesrepublik austreten, wenn sich nichts ändert.

19.40 Uhr: Kohlmann kündigt weitere Protestaktionen für Donnerstag am Rande des Sachsengesprächs an. Dann sind Ministerpräsident Michael Kretschmer und mehrere Minister sowie Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig im Stadion zu Gast.

19.37 Uhr: Sprecher Martin Kohlmann, im Chemnitzer Stadtrat für die rechtspopulistische Vereinigung Pro Chemnitz, fordert, Ausländer abzuschieben, die sich nicht an "unsere Regeln" halten. "Einen Fuchs kann man nicht im Hühnerstall integrieren." Er kritisiert Angela Merkel und Barbara Ludwig für ihre Migrationspolitik scharf.

19.25 Uhr: Ein Redner sagt, man könne sich abends in Chemnitz nicht mehr sicher fühlen. Früher habe niemand ein Messer gezogen. Er ruft die Zuhörer auf, im nächsten Jahr bei der Kommunalwahl für Pro Chemnitz oder ähnliche Gruppierungen zu kandidieren.

19.20 Uhr: Auf der Kundgebung des rechten Lagers halten Martin Kohlmann und Robert Andres von der rechtspopulistischen Vereinigung Pro Chemnitz erste Ansprachen. Der Platz vor dem Marx-Monument ist überfüllt. Beobachter sprechen von der größten Demonstration des rechten Spektrums seit vielen Jahren in Chemnitz. Linke und Rechte liefern sich Wortscharmützel.

19.00 Uhr: Wegen der großen Zahl der Demonstranten am Marx-Kopf - inzwischen dürften es mehrere Tausend sein - brauchen die Organisatoren mehr Ordner als gedacht. Erst, wenn sich weiterer 50 Ordner melden, kann die Demonstration offiziell beginnen. 

18.50 Uhr: Etwa 30 Personen ziehen aus Richtung Theaterstraße über die Brückenstraße am Marx-Kopf vorbei. Sie tragen Deutschland-Fahnen und wollen offenbar ein großes Blumengesteck am Tatort ablegen. Lauter Applaus und Wir-sind-das Volk-Rufe sind zu hören. Ein Teil der Versammlungs-Teilnehmer schließt sich an und will in Richtung Straße der Nationen ziehen. Sie werden aber von den Organisatoren zurückgepfiffen. Die Kundgebung hat noch nicht begonnen. 

18.40 Uhr: Die zwei Gruppen versuchen, sich mit Sprechchören zu übertönen. "Nazis raus und Nationalismus raus aus den Köpfen" tönt es aus dem Stadthallenpark. "Merkel muss weg" und "Lügenpresse" vom Marx-Kopf.

18.30 Uhr: Der Generalstaatsanwalt des Freistaates Sachsen, Hans Strobl, hat die Ermittlungen im Zusammenhang mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rande des Stadtfestes in Chemnitz an sich gezogen. Die Sondereinheit "Zentralstelle Extremismus Sachsen" führt die Ermittlungen. "Wir wollen die Ermittlungen konzentriert und beschleunigt führen, damit die mutmaßlichen Täter schnellstmöglich vor Gericht gestellt werden können", sagte Strobl am Montagabend.

 

 

18:25 Uhr: Am Marx-Monument stehen aktuell mehrere Hundert Personen. Wie viele genau es sind, ist schwer zu sagen. Darunter können Anhänger der Afd, des III. Wegs und der NPD auch anhand ihrer Plakate und T-Shirts ausgemacht werden. Die Atmosphäre ist aufgeheizt. Es hängt eine rund 100 Meter lange Wäscheleine, an der ausgedruckte Presseberichten aufgehängt sind, die Verbrechen von Migranten dokumentieren sollen. 18 Uhr: Es kommt zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten am Marx-Monument. Linke haben versucht, ein Transparent vom Marx-Kopf runterzureißen. Drauf steht das Zitat des Erzgebirgsdichters Anton Günther: "Deutsch und frei wolln mer sei". Die Polizei ist eingeschritten, das Transparent hängt wieder. Beamten stellen eine Mauer zwischen Stadthallenpark und Marx-Monument.

17:30 Uhr: Am Bahnhof ist die erste größere Gruppe von Demoteilnehmern aus der linken Szene aus Richtung Leipzig angekommen. Die Bundespolizei spricht von rund 250 Personen, von denen rund 50 der gewaltbereiten Szene zugerechnet werden. Antifaschistische Sprechchöre werden gesungen. Die Polizei begleitet die Gruppe nun in Richtung Innenstadt.

Tim Detzner, Stadtchef der Links-Partei, spricht vor mindestens 1000 Teilnehmern an der Veranstaltung im Stadthallenpark. Er verurteilt die Gewalttat gegen den 35-Jährigen aufs Schärfste und erhält dafür Applaus. Laut Deztner habe Chemnitz eine seit Jahrzehnten gefestigte Naziszene, aber die Ereignisse vom Sonntag hätten eine neue Qualität gezeigt. Die Leipziger werden mit Applaus am Stadthallenpark begrüßt.

17.16 Uhr: Im Stadthallenpark haben sich mehrere hundert, überwiegend junge Leute, versammelt. Die Stimmung ist ruhig, friedlich. Mehr als ein Dutzend Polizeiautos haben am Park Stellung bezogen. Am Marx-Monument sind bislang etwa drei Dutzend Leute versammelt. An der Stelle, wo sich die Messerstecherei ereignet hat, werden immer mehr Blumen niederlegt und Kerzen angezündet. Trauernde, darunter Arbeitskollegen des Opfers, legen schweigend Blumen nieder.

17.15 Uhr: Die Polizei sieht sich für die angekündigten erneuten Demonstrationen gut vorbereitet. Es seien ausreichend Kräfte herangezogen worden, sagte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel. Die Polizei werde nicht zulassen, dass die Stadt von den Demonstranten für deren Zwecke vereinnahmt werde. Für den Montagabend waren laut Stadtverwaltung Chemnitz zwei Demonstrationen angemeldet: Eine vom Bündnis "Chemnitz nazifrei" und eine weitere von einer Privatperson.

17.08 Uhr: Rund 50 gewaltbereite Menschen waren laut Polizei unten den Demonstranten, die sich am Sonntag in Chemnitz nach dem Tod eines 35-Jährigen versammelt haben. Diese hätten in dem Aufzug mit rund 800 Teilnehmern den Ton angegeben, sagte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel am Montag. Polizisten seien mit Flaschen und Steinen angegriffen worden. Drei Geschädigte, ein Afghane, ein Syrer und ein Bulgare, hätten bislang Anzeige erstattet. Penzel rief Zeugen dazu auf, eventuell vorhandene Videos von den Ausschreitungen an die Behörden zu übergeben.

Sachsens Innenminister Roland Wöller erklärt auf der Pressekonferenz, man werde am Montag in Chemnitz durch starke Polizeipräsenz zeigen, dass "wir den Chaoten die Straße nicht überlassen werden." Zudem sprach er nach den Ereignissen vom Sonntag von einer neuen Eskalation, die in Chemnitz erreicht worden sei. «Das Gebot der Stunde ist Besonnenheit und Ruhe», sagte er am Montag in Chemnitz. «Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass im Netz Fehlinformationen, Gerüchte, Spekulationen bis hin zu Lügen die Runde machen», sagte der Minister. Das alles sei nicht dazu angetan, die Bevölkerung zu informieren. Wöller erinnerte an den schwierigen Auftrag der Polizisten. Die Beamten seien mitunter rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche im Einsatz. Sie würden angefeindet und angegriffen. Andere meinten, Polizei spielen zu müssen. All das hinterlasse Spuren.

16.40 Uhr: Im Hauptbahnhof schließen aus Sicherheitsgründen einige Geschäfte, unter anderem ein Bäcker und ein Imbiss. Die ersten Rollläden sind bereits heruntergelassen. Die Entscheidung darüber ist den Inhabern aber freigestellt.

16.29 Uhr: Gleich beginnt die Pressekonferenz mit Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) und der Chefin der Polizeidirektion Chemnitz, Sonja Penzel in der Polizeidirektion Chemnitz.

16.27 Uhr: Im Verein zur Beruflichen Förderung und Ausbildung (VBFA) herrscht Trauer und Fassungslosigkeit, sagt Yvonne Kilian vom Geschäftsführenden Vorstand. Das 35-jährige Opfer hatte in dem Verein von 2011 bis 2014 eine Tischlerlehre absolviert und blieb auch danach mit der Einrichtung verbunden, so Kilian. Er habe stets an Absolvententreffen teilgenommen. Seine Ausbildung schloss er laut Kilian mit Bestnoten ab. Für das Gesellenstück sei der 35-Jährige von der Handwerkskammer ausgezeichnet worden. "Er war ein sehr zuverlässiger, hilfsbereiter Azubi, der herausgestochen hat", sagt Kilian. Den Angehörigen des 35-Jährigen hat der VBFA sein Beileid bekundet. "Die Geschehnisse sind für uns alle unfassbar. Im Verein herrscht tiefe Betroffenheit."

16.15 Uhr: Ein Sprecher der Bundespolizei am Bahnhof sagt, es gebe keine genauen Erkenntnisse darüber, wie viele Demonstranten anreisen könnten, man werde je nach Situation entscheiden müssen. Man gehe nicht davon aus, dass es zu größeren Behinderungen oder Zugausfällen kommt. Mittlerweile stehen vier Mannschaftswagen auf dem Bahnhofsvorplatz. Bundespolizisten mit Schlagstock und Helm patrouillieren. Die Verkehrsbetriebe CVAG kündigen Behinderungen im Nahverkehr an.

16.14 Uhr: Ein Ermittlungsrichter hat auch gegen den zweiten Tatverdächtigen, einen 22-jährigen Iraker, Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags erlassen. Beide befinden sich in Untersuchungshaft, teilte die Polizei am Nachmittag mit.

16.04 Uhr: Nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen in Chemnitz machen zahlreiche Gerüchte die Runde. Zugleich sind noch viele Fragen offen. "Freie Presse" fasst zusammen, was wir bislang wissen und was nicht.

15.56 Uhr: Gegen einen 23-jährigen Syrer ist Haftbefehl wegen gemeinschaftlichem Totschlags erlassen worden. Ein zweiter tatverdächtiger 22-jährigen Iraker wird am Montagnachmittag noch vernommen.

15.51 Uhr: Mehr als 100 Menschen nehmen zur Stunde an einem ökumenischen Gottesdienst in der Chemnitzer St. Jakobikirche teil, darunter Stadträte und Abgeordnete von Bundestag und Landtag. Superintendent Frank Manneschmidt sagte mit Blick auf die angespannte Situation in der Stadt, man bitte um Gottes Beistand und sei mit denen, die trauern. "Wir sind zornig, aber auch erschrocken", äußerte ein anderer Geistlicher.

15.44 Uhr: Die Stadt Chemnitz hat beide angemeldeten Demonstrationen genehmigt. Um 17 Uhr beginnt eine Kundgebung im Stadthallenpark. Anmelder ist das Bündnis "Chemnitz nazifrei". Für 18:30 Uhr ist eine Kundgebung am Karl-Marx-Monument durch eine Privatperson angemeldet, dem Vernehmen nach kommt sie aus dem Spektrum der rechtspopulistischen Partei Pro Chemnitz. Diese Anmeldung umfasst auch einen Aufzug durch den Innenstadtbereich. Die durch das Stadtfest ohnehin eingerichtete Sperrung der Brückenstraße bleibt weiterhin bestehen. Im Zuge des Aufzuges wird es weiterhin zu operativen und kurzfristigen Sperrungen im Innenstadtbereich kommen, kündigt die Verwaltung an. Bis zunächst 18 Uhr ist die Stadtverwaltung über die Telefonnummern 488-0 und Behördenrufnummer 115 für Nachfragen erreichbar.

15.17 Uhr: Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hat nach den Ereignissen in Chemnitz Hetze und Selbstjustiz angeprangert. «Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird», sagte er am Montag in Dresden der Deutschen Presse-Agentur.

14.30 Uhr: Aufgrund der angekündigten Demonstrationen werden einige Geschäfte früher als geplant schließen. So haben der türkische Imbiss sowie der Biomarkt an der Straße der Nationen einen früheren Ladenschluss angekündigt. Auch der Spirituosenhandel, die Filiale des Telekommunikationsdienstleisters Pyur und das Tabakwarengeschäft Chillhouse halten sich diese Option offen. Die Leiter des Sportgeschäfts Decathlon und der Galeria Kaufhof beraten zur Stunde noch über eine frühere Ladenschließung. In der Galerie Roter Turm wird hingegen an der regulären Öffnungszeit bis 20 Uhr festgehalten. Laut einer Sprecherin habe man aber das Sicherheitspersonal aufgestockt. Auch das Friseurgeschäft Stilbruch in der Brückenstraße wird am Montag nicht früher zumachen. "Ich erwarte, dass der Staat uns schützt und sehe nicht ein, meinen Laden zu schließen", sagte Inhaberin Corinna Knorr auf "Freie Presse"-Anfrage.

14.20 Uhr: Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping kündigt ihre Teilnahme an der im Stadthallenpark geplanten antirassistischen Kundgebung des Bündnisses "Chemnitz Nazifrei" an.

14 Uhr: Die Grünen geben den sächsischen Regierungen eine Mitschuld an der Eskalation in Chemnitz. Es fehle seit Jahren eine klare Haltung, und man habe jene gewähren lassen, die hetzten und zündelten, erklärte Parteichefin Christin Melcher in Dresden. Vorfälle wie in Heidenau oder Clausnitz und das teils zögernde Eingreifen von Polizeibeamten dort hätten ein Signal gegeben, dass solche Gewaltexzesse nicht durchgreifend geahndet werden. "Nicht ohne Grund wurde immer wieder von dem Mob gebrüllt, Chemnitz sei seine Stadt." Die erschreckenden Bilder aus Chemnitz zeigten ein neues Ausmaß von Gewalt und Kontrollverlust.

13.58 Uhr: Nach dem Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz gegen einen 23-jährigen Syrer und einen 22-jährigen Iraker Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags beantragt. Das teilte die Polizei am Montagnachmittag mit. Die beiden Männer wurden am Mittag dem Haftrichter vorgeführt.

13.54 Uhr: Chemnitz wird nach den Worten von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an der Tradition der Stadtfeste festhalten. Nach den Erfahrungen vom Wochenende gehe sie allerdings davon aus, dass die Polizei sich in Zukunft anders aufstellen werde, sagte das Stadtoberhaupt am Montagmittag vor Medienvertretern. Nach einem tödlichen Streit in der Nacht zu Sonntag hatte das Stadtfest am Sonntagnachmittag vorzeitig beendet werden müssen. Nach einem Aufruf rechter Fußballfans waren mehrere Hundert Menschen Parolen skandierend durch die Innenstadt gezogen. Mehrfach kam es zu Angriffen. Die Schnelligkeit der zum Teil auf Gerüchte zurückgehenden Mobilisierung habe überrascht, so Ludwig. Angesichts weiterer für den Abend angekündigter Demonstrationen rief die Oberbürgermeisterin alle Seiten zur Besonnenheit auf.

Unterdessen hat Oberbürgereisterin Barbara Ludwig den Angehörigen des Opfers der tödlichen Messerattacke ihre Anteilnahme und ihr Mitgefühl ausgesprochen. Sie setze auf eine transparente Aufklärung, sagte das Stadtoberhaupt am Montag vor Medienvertretern aus ganz Deutschland. Es sei aber wichtig, der Polizei die nötige Zeit zu gründlichen Ermittlungen zu geben, so Ludwig.

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8Kommentare
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  • 2
    3
    Divna
    28.08.2018

    Schade! war meine Meinung Ihnen zu krass um alles abzudrucken? Ich werde es überleben! ????

  • 0
    4
    Divna
    27.08.2018

    @872889 um kultiviert zu sein (so wie ich es als Gastarbeiterkind von >>damaligen

  • 12
    4
    j35r99
    27.08.2018

    Zum Stadtfest wird gemeinsam von der Landespolizei und von der Ortspolizeibehörde(Stadt Chemnitz)im Voraus ein Sicherheitskonzept erstellt, um so eine Großveranstaltung abzusichern.
    Wenn Frau OB Ludwig sagt, "sie gehe davon aus, dass sich die Polizei in Zukunft anders aufstellen muss, hat sie bisher wohl keine Ahnung davon, wie Großveranstaltungen abgesichert werden.
    Es ist sicher der falsche Weg, die Schuld der Polizei vorzuwerfen.
    Frau OB, erlassen Sie als Leiterin der Ortspolizeibehörde doch einfach den Erlass, dass in der Innenstadt keine Hieb-Stich und Schusswaffen getragen werden düfen.
    Und es müssten sich auf der Bekleidungskammer sicher noch Ausrüstungen befinden, um mal die "Besserwisser"(Linke,Grüne,Redakteure u.a.) in so eine Uniform zu stecken und in erster Reihe mit der Polizei für Ordnung zu sorgen.

  • 16
    22
    872889
    27.08.2018

    Ich schäme mich heute, Chemnitzer zu sein...

  • 38
    18
    HHCL
    27.08.2018

    "Die Grünen geben den sächsischen Regierungen eine Mitschuld an der Eskalation in Chemnitz."

    Ausgerechnet die Partei, deren Mitglieder am liebsten ganz Afrika ohne Prüfung der Dokumente nach Deutschland holen möchte. An deren Stelle würde ich die Füße still halten und endlich mal anfangen über eine Flüchtlingspolitik nachzudenken, die die innere Sicherheit nicht weiter gefährdet.

  • 16
    1
    ths1
    27.08.2018

    Das "Rauchwarengeschäft Chillhouse" ist wohl doch eher ein Tabakwarengeschäft.

  • 18
    30
    fschindl
    27.08.2018

    "Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen."
    wenn die Antifa im gleichem Ausmass mobil macht, dann ist das in Ordnung und Petra Köpping reiht sich da sogar noch mit ein...

  • 60
    12
    Höseldet
    27.08.2018

    Wir sind das Volk haben 1989 keine Chaoten gerufen. Der 2. RUF war san immer : KEINE GEWALT !
    Und es wurden auch keine Genossen oder Andersdenkende gejagt.
    Das sollten Alle wissen.
    "Wir sind das Volk" hätte man doch vor Missbrauch schützen müssen.



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