Mädchen und Jungen schließen die Kinderstadt ab

Sechs Wochen war die Siedlung für die jungen Bewohner geöffnet. Auch im nächsten Jahr soll es das Projekt geben. Doch die Stadt wird an einem anderen Ort aufgebaut.

Schloßchemnitz.

Drei Wochen hat Freya in den Sommerferien die Kinderstadt im Küchwald besucht. Die Siebenjährige war die jüngste Bewohnerin der Siedlung aus Pappe, Holz und Zelten auf dem Gelände des Schullandheims und trug trotz ihres jungen Alters große Verantwortung: Als Gastwirtin verteilte sie das Essen an ihre Mitbewohner. Doch traurig, dass die Kinderstadt nun schließt und die Sommerferien zu Ende sind, ist das Mädchen trotzdem nicht. "Ich freue mich, dass die Schule wieder losgeht. Der Ranzen ist schon gepackt", sagt Freya, die ab Montag als Zweitklässlerin die Obere Luisenschule besucht.

Aber natürlich hat ihr das Projekt Kinderstadt gefallen. "Es war immer was los", sagt Freya. Sie meldete sich freiwillig für die Arbeit als Gastwirtin. "Meine Oma hat das beruflich gemacht und ich esse gern", erklärte sie. Durch den Verkauf von Mittagessen an die anderen Bewohner hat sie viel Geld eingenommen - und für andere wieder ausgegeben. "200 Unicorncent habe ich für den Bau neuer Häuser gespendet", erklärte sie. Unicorncent war die Währung der Kinderstadt, die sich die jungen Bewohner selbst gegeben haben. Weil Freya so großzügig gewesen sei, habe man ihr zu Ehren eine Straße benannt, erzählt Jörg Theile vom Verein Auxilium Chemnitz, der die Kinderstadt organisiert hat.

Etwa 600 Kinder im Grundschulalter haben die Stadt auf Zeit in den Sommerferien besucht. "Von dieser Zahl waren wir selbst überrascht", sagt Theile. Dabei habe es zunächst Zweifel gegeben: "Wir standen am ersten Tag morgens gegen halb Acht da und hofften, dass Kinder kommen", erinnert er sich. Eine Besucherin der ersten Stunde war Melissa. Nachdem sich die Bewohner für die Demokratie als Form des Zusammenlebens entschieden hatten, wurde die Schülerin zur ersten Bürgermeisterin gewählt. "Das war schon anstrengend", blickt die Zehnjährige zurück. Schwierig sei vor allem gewesen, sich Gesetze auszudenken und dafür zu sorgen, dass jeder ihrer Mitbewohner einen Job hat. "Vor allem einige Jungs wollten lieber Fußball spielen statt arbeiten", sagt Melissa. Sie sei froh gewesen, das Amt der Bürgermeisterin nach einer Woche wieder abzugeben, sagt sie. Drei Wochen hat sie die Kinderstadt besucht. Am Donnerstag war sie beim Abschlussfest dabei - und traf bei einer Art Gipfeltreffen auf Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Die junge Bürgermeisterin führte die "echte" durch die Kinderstadt und erklärte ihr, wie das Zusammenleben dort funktionierte.

Stadt und EU fördern das Projekt Kinderstadt in diesem und im nächsten Jahr mit insgesamt 200.000 Euro, so Jörg Theile. Fünf Prozent der Summe soll der Verein als Eigenmittel aufbringen. Vor allem Firmen haben bisher Geld gegeben, andere mit Sachspenden geholfen, die Chemnitzer Handwerkerschaft hat die Kinderstadt ebenfalls unterstützt, so Theile. Schon im September beginnen die Vorbereitungen für 2019, kündigte Vereinschef Ulrich Hertel an. Fest steht bereits, dass die Kinderstadt an einem anderen Ort aufgebaut wird. Der Kaßberg und die Gegend am Schloßbergmuseum kommen in Frage, so Hertel.

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