"Man weiß, man hat etwas Sinnvolles gemacht"

Die Feuerwehr Chemnitz feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Mit dabei beim Festumzug am Samstag war ein 29-Jähriger, der ganz neu dabei ist. Eigentlich hatte er ganz andere Berufspläne.

Späßchen mit Kindern und geduldige Antworten auf technische Fragen der Eltern: Die Besucher der Feuerwehr-Technikschau auf dem Markt am Samstagnachmittag, die sich an den Festumzug anschloss, erlebten gut gelaunte Feuerwehrleute. Für Philipp Dude ist die gute Stimmung kein Zufall. Er und seine Kollegen gingen gern zur Arbeit und der Zusammenhalt im Team sei groß.

Dude ist 29 Jahre alt und seit Januar 2015 Anwärter zum Brandoberinspektor. Seine Ausbildung wird er im März 2017 beenden. Dass er einmal zur Feuerwehr möchte, war dem gebürtigen Plauener nicht sofort klar. Er legte ein Fachabitur in Gestaltung ab, wollte Grafikdesigner werden oder in der Werbebranche arbeiten. Es folgte ein Medien-Management-Studium in Mittweida, das er 2012 mit einem Bachelor abschloss. Er arbeitete bei Firmen in Chemnitz, unter anderem in der Unternehmenskommunikation. Aber dort habe er Dinge geschaffen, "die morgen schon wieder in Vergessenheit geraten waren", sagt er. Das sei nur wenig erfüllend, ja frustrierend gewesen. Das Thema Familienplanung stand an, er habe nach einem Beruf gesucht, der beständig ist und von dem man gut leben kann. Da er zehn Jahre Erfahrung beim Technischem Hilfswerk gesammelt hatte, sei er dem Feuerwehr-Beruf gegenüber nie abgeneigt gewesen. Trotzdem kam die Entscheidung, nun doch auf dieses Pferd zu setzten, nicht über Nacht. Viel habe er darüber mit seiner Frau gesprochen, schließlich bedeute die Ausbildung auch, dass er oft nicht zu Hause ist.

Bei der Feuerwehr werden generell Menschen mit Lebenserfahrung gesucht. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist Voraussetzung, das maximale Aufnahmealter liegt bei 32 Jahren. 2016 hat die Feuerwehr Chemnitz 16 junge Männer und Frauen eingestellt. "Wir könnten mehr brauchen und nehmen", sagte Feuerwehrchef Bernd Marschner. Doch die Plätze bei der Landesfeuerwehrschule seien begrenzt.

Jeweils drei Monate lang war Philipp Dude bei Wachen in Bochum und Karlsruhe, absolvierte den Grundlehrgang sowie den Gruppenführerlehrgang an der Feuerwehrschule in Nardt. Aktuell ist er in Chemnitz eingeteilt, absolviert 24-Stunden-Dienste. Nach einer solchen Schicht "weiß man, man hat was Sinnvolles gemacht", sagt Dude. Gemeinsam mit den Kollegen erlebe man gute, aber auch unschöne Einsätze, die gemeinsam ausgewertet werden. "Das schweißt zusammen." In erster Linie seien Feuerwehrleute Teamplayer, das sei das Wichtigste. Da habe sich auch seine Lebenseinstellung verändert. Früher habe er manchmal darüber nachgedacht, was er sich noch kaufen möchte. Das sei jetzt nicht mehr so wichtig. Vielmehr zähle, morgens gesund aufzuwachen und die schönen Momente im Leben zu genießen.

Erlebt hat Dude schon Schwieriges, wie drei Tote in einer Woche, aber auch schöne Einsätze, wenn eine Rettung gelingt. So habe man in Karlsruhe eine Stunde lang erfolgreich versucht, eine Person aus einem Auto zu befreien, das unter eine Straßenbahn geraten war. "Das setzt dann schon Endorphine frei."

Die Berufsfeuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen noch bis Freitag an der Saschen-Allee mit Vorführungen, Vorträgen und der Möglichkeit für Besucher, sich abzuseilen.


"Der kurioseste Einsatz war die Ochsenjagd im Zeisigwald"

Steffen Süß (57) erhielt am Freitag das Feuerwehr-Ehrenabzeichen in Gold, die höchste Auszeichnung in Sachsen. Jana Peters sprach mit ihm.

Freie Presse: Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Steffen Süß: Menschen helfen zu können. Außerdem ist der Alltag sehr abwechslungsreich.

Was ist das Schwerste?

Täglich seinen Idealen treu zu bleiben. Das muss man sich jeden Tag neu erwirtschaften und umsetzen.

Welche sind Ihre Ideale?

Ich bin verantwortlich für 15 freiwillige Feuerwehren. Ich möchte alle gleich behandeln, das Ehrenamt achten und die Feuerwehr voranbringen.

Sie sind seit 1980 bei der Berufsfeuerwehr. Welcher war der größte Einsatz für Sie?

Das war der Brand in der Produktionsanlage für Ersatzbrennstoffe des Chemnitzer Entsorgungsdienstes CED am Fischweg im Juli 2007. Es war der größte Einsatz der Feuerwehr Chemnitz nach der Wende, von den Hochwassereinsätzen abgesehen. Er begann Montag früh um 5 Uhr und endete am Donnerstag um 15 Uhr. Bis zu 198 Einsatzkräfte waren vor Ort.

Erinnern Sie sich an einen besonders kuriosen Einsatz?

Ja, das war die Ochsenjagd im Zeisigwald 2008. 12 bis 14 Rinder waren abgehauen, weil sie geimpft werden sollten. Fast eine Woche waren die im Zeisigwald. Es waren vor allem Jungbullen. Schließlich kam der Chef der freiwilligen Feuerwehr Mittelbach, der sich gut mit Rindern auskennt, auf die Idee, zwei Mutterkühe hinzubringen, denen wir die Kälber weggenommen hatten. Die riefen nach ihren Kindern, und die Jungbullen kamen.

Gibt es Momente, die Ihnen besonders nahe gehen?

Wenn man Kinder rettet oder ihnen einfach etwas Gutes tun kann, ohne dass es spektakulär ist, dann rührt das schon ans Vater- oder Opaherz.

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