Maschinist stimmt Königin der Instrumente

Ein Altmittweidaer hat besondere Fertigkeiten, die beim Orgelspiel gefragt sind. Dabei kann er keine Noten lesen.

Altmittweida/Augustusburg.

Für den 1. Augustusburger Musiksommer ist Sandro Vogel unverzichtbar. Dabei spielt der Altmittweidaer kein Instrument, kann auch keine Noten lesen. Doch als Orgelstimmer kommt es auf ihn an. Das Besondere: Er hat sich die Fertigkeiten selbst beigebracht, ist Autodidakt. Vogel liebt die Orgel und habe ein Gehör für "gerade oder schiefe Töne", sagt er. Als Maschinenbediener im Ofenbau arbeitet er an tonnenschweren Biegepressen, schneidet mit der Lasermaschine Teile zu und fertigt Heizeinsätze. In seiner Freizeit jedoch bewegt er sich - ausgerüstet mit einem Stimmeisen - oft in gebückter Haltung im Orgelinneren.

Seit zwei Jahren ist er ehrenamtlicher Küster in der Mittweidaer Stadtkirche. "Ich wohne direkt neben der Kirche in Altmittweida und habe gehört, wenn die Glocken durch Abnutzung oder Schleifgeräusche nicht sauber klangen", sagt Vogel. Was ihn von Anfang an aber besonders faszinierte, war die Orgel. Die Tätigkeit ist kein eigener Beruf, erfordert aber viel praktische Erfahrung. Sie ist Teil der Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer. Mittlerweile hat Vogel seine Kenntnisse an acht Orgeln unter Beweis gestellt: so etwa in Mittweida, Altmittweida, Geithain, Augustusburg, Erdmannsdorf und Hohenfichte. "Das Pfeifenmaterial ist teilweise bis zu 150 Jahre alt. Man muss sehr sorgsam mit der Königin umgehen - ähnlich wie mit einer Frau -, um nichts kaputtzumachen", sagt er fast liebevoll.


Als Königin der Instrumente bezeichnete Wolfgang Amadeus Mozart die Orgel - nicht nur wegen des beeindruckenden Äußeren und des gewaltigen Klanges. Mit tausenden Pfeifen, mehreren Manualen und Registern kann ein Orchester nachgeahmt werden. Wechselnde Luftfeuchte und schwankende Temperaturen lassen Orgeln verstimmen.

"Die Jehmlich-Orgel der Stadtkirche hat circa 2500 Pfeifen. Der überwiegende Teil besteht aus Zinn, etwa ein Drittel aus Fichtenholz", sagt der Kantor, Organist und Leiter des Musiksommers, Pascal Kaufmann. Etwa 20 Prozent, sogenannte Zungenpfeifen, seien von seltener Machart, die vor jedem Konzert gestimmt werden müssten - für diesen Job bewarb sich Vogel bei ihm.

Musik für Orgel und Fagott erklingt am 20. Juli in der Augustusburger Stadtkirche. Beginn jeweils 15 und 17 Uhr, Dauer: 30 Minuten. Eintritt: 5, ermäßigt 3 Euro.

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