Mehr als 3000 Teilnehmer bei Demo von Pro Chemnitz

Teilnehmerzahl gegenüber Vorwoche gestiegen - Keine Gegenkundgebung

Chemnitz.

Rund drei Wochen nach der Tötung des 35-jährigen Daniel H. hat die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz am Freitagabend erneut eine Kundgebung am Karl-Marx-Monument abgehalten. Laut Polizeiangaben vom späten Freitagabend kamen zirka 3500 Menschen zusammen, wobei vor allem während der Demonstration durch die Innenstadt verstärkt ein Zustrom von Teilnehmern zu verzeichnen gewesen sei. In der Vorwoche nahmen etwa 2300 Menschen an der Pro-Chemnitz-Demo teil.

Im Einsatz waren 900 Polizisten. Während der Veranstaltung gab es keine Zwischenfälle. Im Anschluss kam es gegen 21.15 Uhr allerdings zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen auf der Schlossteichinsel. Ersten Informationen der Polizei zufolge wurde eine Person verletzt. Die Polizei stellte mehrere Beteiligte. Die Ermittlungen dauerten am Abend an. Die Polizei wollte am Samstag weitere Angaben zum Geschehen machen.

Während der Demonstration selbst wurden 18 Straftaten angezeigt, vorwiegend wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie das Waffengesetz. Mehrere Versammlungsteilnehmer führten Schutzbewaffnung wie Quarzhandschuhe mit sich oder Vermummungsgegenstände. Zudem trug ein 26-Jähriger eine Kette mit einem Hakenkreuz-Anhänger. Überdies wird gegen eine Person ermittelt, die den Hitlergruß gezeigt haben soll.

Eine Gegenkundgebung gab es diesmal nicht. Das Bündnis Chemnitz Nazifrei, das die Gegendemos der Vorwochen organisiert hatte, begründete dies auf seiner Facebook-Seite mit den Anstrengungen der vergangenen Wochen. Man benötige Zeit, um sich besser aufzustellen.

Eröffnungsredner war erneut Martin Kohlmann, Fraktionschef von Pro Chemnitz im Stadtrat. Der Mitbegründer der Bewegung ging in seiner Rede insbesondere auf die polizeilichen Durchsuchungen fünf verschiedener Objekte am Montag ein, die in Bezug zu Pro Chemnitz stehen. Hintergrund der Durchsuchung war die Veröffentlichung eines Haftbefehls gegen einen der Tatverdächtigen im Fall Daniel H. Kohlmann sagte in seiner Rede, es finde eine "Hetzjagd gegen die, die für Klarheit und Aufklärung sorgen" statt. Damit griff Kohlmann den umstrittenen Begriff "Hetzjagd" auf, mit dem vor allem in der überregionalen Berichterstattung die Ereignisse am 26. August beschrieben wurden. Auch der Fall eines im sachsen-anhaltischen Köthen ums Leben gekommenen 22-Jährigen wurde von Kohlmann thematisiert. Der Verdacht lautet Körperverletzung mit Todesfolge, zwei Afghanen sitzen deshalb in Untersuchungshaft.

Zweiter und letzter Redner, bevor der Demonstrationszug die Innenstadt auf der Theaterstraße und Bahnhofstraße umrundete, war ein Mann, der sich als israelischer Christ namens Israel Auerbach vorstellte. Seine Tochter sei bei einem islamistischen Anschlag ums Leben gekommen. Er sprach davon, dass Chemnitz ein "schicksalhafter, von Gott erwählter Ort" sei. Die Demonstranten hätten Gott auf ihrer Seite. Am Kundgebungsende skandierten die Teilnehmer "Wir sind mehr" und griffen damit ein Motto früherer Gegenveranstaltungen auf. Für kommende Woche Freitag wurde eine neue Demo angekündigt.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 8 Bewertungen
10Kommentare
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    0
    voigtsberger
    15.09.2018

    @Hankmann: Sie meinen doch bestimmt nicht das Chemnitz vor 2015, sondern das Chemnitz vor den 26.08.18 und die in der FP berichteten fast täglichen sexuellen Übergriffe, den Drogenhandel und die Diebstähle und das dies von ihnen und den so Toleranten immer schön alles bagatellisiert werden kann und der mündige Bürger, alles schön nur "hinter vorgehaltener Hand" diskutieren und ihre Ängste und Nöte über die negative Veränderung unseres Landes, schön für sich behalten, ist das ihr Chemnitz, dann aber "prost Mahlzeit".

  • 1
    0
    Blackadder
    15.09.2018

    Da mein vorheriger Kommentar nicht freigeschalten wurde (warum?), hier nun der aktuelle Polizeibericht: die "Demonstranten" zogen zur Schlossteichinsel, spielen sich als Bürgerwehr auf und greifen junge Leute an. So weit ist es schon gekommen. GsD hat die Polizei durchgegriffen. Äußern Sie sich doch mal dazu, ArndtBremen!

    https://www.polizei.sachsen.de/de/MI_2017_59631.htm

  • 5
    7
    ArndtBremen
    15.09.2018

    @Blackadder: Im rote Daumen sammeln sind Sie meisterlich.

  • 6
    13
    Blackadder
    15.09.2018

    @ArndtBremen: Wirklich nette Leute, mit denen Sie da mitlaufen: im Polizeibericht steht was von 18 Straftaten u.a. Bewaffnung und ein Hakenkreuzanhänger und eine verletzte Person am Schlißteich nach dem Aufmarsch durch dessen Teilnehmer.

    https://www.polizei.sachsen.de/de/MI_2017_59625.htm

  • 4
    1
    Distelblüte
    15.09.2018

    @aussaugerges: Ich habe Herrn Kretschmer auch gehört, als er das gesagt hat. Er meinte nicht Frau Merkel, sondern die Berichterstattung der Presse über Chemnitz. Aber das wissen Sie ja schon.

  • 9
    3
    aussaugerges
    15.09.2018

    Ich bin nur etwas zufrieden das der MP nicht in das Merkelsche Rohr geblasen hat.
    ,,,,Die von Weit weg,erlauben sich falsche Urteile über Sachsen. "" So ungefähr.

  • 17
    8
    Hankman
    15.09.2018

    Ach, @ArndtBremen, glauben Sie wirklich, dass das Patrioten waren, die da marschiert sind? Wenn dem so wäre, müsste mir um mein schönes Vaterland bange sein. Aber gut, vielleicht waren auch ein paar Patrioten dabei. Die Selbstermunterungen wie "Wir sind die Wende", "Lügenpresse" und "Widerstand" habe ich zur Kenntnis genommen. Sagt mir aber nichts. Ich habe zwar nichts gegen Kundgebungen oder Demonstrationen, wenn sie friedlich bleiben und vielleicht irgendwann auch mal ohne Hitlergrüßer auskommen. Aber inzwischen hätte ich gern mein ganz normales Chemnitz zurück.

  • 14
    15
    CPärchen
    14.09.2018

    Hmm... "wir sind das Volk", "wir sind mehr", besonders kreativ sind die aber nicht besonders. Die können ja besser Sprüche klauen, als (Klischee-)Polen unverschlossene Autos.

  • 20
    25
    ArndtBremen
    14.09.2018

    @mathausmike: da hat aber ein Nichtwutbürger aber ganz schön Wut. Verständlich, wenn 3500 Patrioten Nichtwutbürger aufwecken. Eine geile Demo!

  • 27
    22
    mathausmike
    14.09.2018

    Schon "lustig", wenn ca.2000 Wut-bzw.Hutbürger ein Transparent dabei haben,mit dem Spruch:" Wir sind das Volk!"
    Hoffentlich machen sie Ihre
    Drohung:"Wir kommen wieder!",
    nicht wahr!



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