Mehr als fünf Jahre Haft für Trickdieb

Der Täter nutzte die Gutgläubigkeit seiner betagten Opfer aus. Ihr Geld hat er zum großen Teil verspielt.

Selbst auf der Anklagebank wirkt der kräftige Mann mit der tiefen Stimme seriös. Seine Worte, wonach er seine Taten bereut und sich bei den Opfern entschuldigen will, klingen glaubwürdig. Doch genau mit dieser Überzeugungskraft hat der jetzt 45-Jährige in den vergangenen Jahren immer wieder Senioren um ihre Ersparnisse gebracht. Insgesamt 14 Jahre hat der gebürtige Weißwasseraner, der die Schule nach der 8. Klasse verlassen und keinen Beruf erlernt hat, bisher in Gefängnissen eingesessen.

Zuletzt hatte ihn das Landgericht Gera am 1. Juli 2013 wegen mehrfachen Diebstahls zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Als er 2016 ein Jahr vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, nahm er sein kriminelles Treiben noch während der Bewährungszeit wieder auf. Insgesamt 13 meist hochbetagte Rentner in Chemnitz, Freiberg, Großschirma, Dresden, Leipzig und Kyritz in Brandenburg wurden zwischen August 2016 und Juni 2017 von ihm bestohlen. Dabei erbeutete er fast 31.000 Euro. In weiteren Fällen scheiterte er, weil potenzielle Opfer Verdacht schöpften oder den Verlust ihrer Geldkarten schnell genug bemerkten und diese sperren ließen.

Bei seinen Taten ging der Mann, der zu der Zeit bei seinen Eltern in Dresden wohnte und seit März dieses Jahres in Haft ist, mit zwei unterschiedlichen Maschen vor. Entweder er gab sich als Mitarbeiter der Gebühreneinzugszentrale(GEZ) aus, der nachprüfen müsse, ob Rundfunk- und Fernsehgebühren überwiesen wurden. Offenbar bereitwillig breiteten seine Opfer ihre Kontoauszüge vor ihm aus, die sie oft zusammen mit Geldkarten, den dazugehörigen Geheimzahlen sowie Brieftaschen oder Umschlägen mit großen Bargeldsummen aufbewahrten. Oder er behauptete, die korrekte Einstellung des Fernsehempfangs kontrollieren zu wollen. Dazu schickte er die arglosen Senioren in deren Badezimmer - einige sollten sich sogar in ihre Wannen stellen - , um dort an Armaturen zu drehen. Während die rechtmäßigen Eigentümer abgelenkt waren, steckte er Bargeld und Geldkarten mit Geheimzahlen ein und verschwand. Mehrfach hob er unmittelbar danach an Geldautomaten mit den fremden Karten 500 oder 1000 Euro ab. Einem 83-Jährigen stahl er eine Plastikbox mit 10.500 Euro - die komplette Altersvorsorge des alleinstehenden Rentners.

Das Geld habe er gebraucht, um als Hartz-IV-Empfänger seine Spiel- und Alkoholsucht finanzieren zu können, begründete der Angeklagte. "Manchmal waren 4000 oder 6000 Euro innerhalb von zehn Minuten alle", so der 45-Jährige, der zudem kostspielige Barbesuche und teure Mietwagen bis hin zum Rolls Royce mochte. Seine Kenntnisse, leichte Opfer zu finden und deren Gutgläubigkeit auszunutzen, stammen laut eigener Aussage aus der Ausbildung zum Zeitschriften-Abo-Werber, als der er von 1990 bis 2013 tätig gewesen sei. "Teilweise bin ich stundenlang in Neubaugebieten rumgelaufen und habe bei Leuten geklingelt", berichtete er.

Das Landgericht Chemnitz verurteilte ihn am Mittwoch zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis. Zwei Jahre davon soll er zur Alkoholtherapie in einer geschlossenen Klinik verbringen. Wertsachen, die er noch besitzt, sollen als Schadenersatz eingezogen werden. Bei dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, hielt ihm das Gericht sein volles Geständnis zugute. Denn damit ersparte er seinen betagten Opfern, als Zeugen aussagen zu müssen.

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