Mehrere Hundert Menschen gedenken Novemberpogromen an ehemaliger Chemnitzer Synagoge

Auch der Ministerpräsident war dabei und versprach, ein neues Amt einzurichten.

So viele waren es noch nie. Mehrere Hundert Menschen, darunter mehrere Schulklassen, haben sich am Freitagmittag am Stephanplatz versammelt, um dort der Novemberpogrome vor 80 Jahren zu gedenken. An dem Platz stand die Chemnitzer Synagoge. Sie war die erste in Sachsen, die am 9. November 1938 in Brand gesetzt worden war.

Ministerpräsident Michael Kretschmer, Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Stadträte, Abgeordnete verschiedener Parlamente, die jüdische Gemeinde und verschiedene christliche Gemeinden legten Kränze und Blumen an der Stele ab, die heute an den Standort der Synagoge erinnert.

"Jetzt vor 80 Jahren stand hier noch eine Synagoge", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wenige Minuten nach 12 Uhr. Die Synagoge war am 9. Nevember 1938 um 19 Uhr in Brand gesetzt worden. Damals habe der Anteil der Juden an der Stadtbevölkerung nicht einmal ein Prozent ausgemacht. Und trotzdem hätten es die Nationalsozialisten geschafft, Angst zu verbreiten vor dieser Minderheit.

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Ruth Röcher, sagte, "wer seine Geschichte nicht kennt, ist in Gefahr, sie wieder zu erleben". Das stehe im Talmud. Sie ging auch auf den gewaltsamen Tod von Daniel H. Ende August am Rande des Stadtfestes ein, eine Tat, die sie als schlimm und verachtungswürdig bezeichnete. Die Ereignisse, die folgten, die Stimmung und die Angriffe gegen Ausländer, hätten schlimme Assoziationen bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde hervorgerufen. "Aber der Vergleich mit der Pogromnacht von 1938 ist historisch falsch", sagte sie. Die Mehrzahl der Chemnitzer sei weder ausländerfeindlich noch antisemitisch. "Wir, die jüdische Gemeinde, bekennen uns zu unserer Stadt. Hier wollen wir leben."

Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, wir seien es den Opfern schuldig, ihnen Namen, Würde und Identität zu geben. Die Opfer des Holocaust seien nicht nur sechs Millionen Juden, sondern Individuen gewesen. Es sei ein Wunder und wohltuend, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt. Um das zu stärken, habe die Landesregierung, auch aufgrund der Bitten von jüdischen Gemeinden in Sachsen, entschieden, einen Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in Sachsen einzusetzen.

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