Mehrjährige Haft für vorbestraften Räuber

Ein 33-Jähriger hatte drei Frauen überfallen, um mit der Beute Drogen zu finanzieren. Vor Gericht wurde vor allem seine Biografie zum Thema.

Weil er Anfang dieses Jahres mehrere Frauen überfallen hat, muss ein 33-Jähriger für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Dieses Urteil hat jetzt das Landgericht Chemnitz gefällt. Dem Angeklagten, der die tunesische Staatsbürgerschaft hat und mit einer Duldung in Deutschland lebt, waren drei Taten vorgeworfen worden. Anfang Januar hatte er eine Frau in der Nähe der Markuskirche überfallen und ihre Tasche sowie einen Beutel gestohlen. Mitte Februar bedrohte er eine Frau in einer Straßenbahn mit einem Klappmesser, um ihre Tasche zu erbeuten. Ein Zeuge ging jedoch damals dazwischen. Der dritte Vorfall passierte nur einen Tag später. In der Augustusburger Straße griff er eine Frau mit einem Messer an und verletzte sie an der Hand. Erneut hatte er es auf eine Tasche abgesehen, auch in diesem Fall konnten Zeugen jedoch eingreifen.

Der Angeklagte, der vor dem Prozessauftakt bereits in Untersuchungshaft saß, hatte die erste der drei genannten Taten direkt gestanden. Die anderen beiden bestritt er nicht, sagte jedoch, er habe keinerlei Erinnerungen daran, da er zu jenen Zeitpunkten unter starkem Drogeneinfluss gestanden habe. Er habe seine Diebesbeute verkaufen wollen, um damit seinen Drogenkonsum zu finanzieren.

Vor Gericht wurde zunächst die Biografie des Mannes rekonstruiert. Er sei in Tunesien in Armut aufgewachsen und als Jugendlicher als Flüchtling nach Europa gekommen. Während er in einem Kinderheim in Italien lebte, begann er erstmals Drogen zu nehmen und diese auch zu verkaufen. Wegen des Drogenhandels saß er in Italien bereits sechs Jahre lang im Gefängnis. Während seiner Haftzeit nahm er weiterhin Drogen und wurde auch danach wieder kriminell. Mehrfach wurde er bei Diebstählen erwischt, weshalb er auch in Deutschland bereits eine Haftstrafe verbüßte.

Die erste Zeugin, die vernommen wurde, schilderte, dass der Täter "äußerst professionell" vorgegangen sein soll. "Wie er sich heranschlich und wie er mir die Tasche weggezogen hat - da merkte man, dass er das nicht zum ersten Mal gemacht hat", sagte die 54-Jährige. Vom Überfall in der Straßenbahn wurden vor Gericht auch Videoaufnahmen gezeigt. Bei der Vernehmung der Zeugen ließ der Mann, der selbst kein Deutsch spricht, über seine Verteidigerin ausrichten, dass es ihm leid tue und er sich bei den Opfern entschuldigen wolle.

Letztlich hatte das Gericht keine Zweifel an der Schuld des 33-Jährigen. Der Staatsanwalt plädierte auf eine sechsjährige Haftstrafe, die Verteidigung forderte drei Jahre und sechs Monate. Mit dem Urteil orientierte sich das Gericht eher an der Forderung des Staatsanwaltes. Von einer angeordneten Suchttherapie wurde aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse des Verurteilten abgesehen.

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