Meisterbrief mit vier Jahren Verspätung

Seit 62 Jahren betreibt eine Familie ein Friseurgeschäft in Hartmannsdorf. Jetzt wurde dem Gründer eine besondere Ehrung zuteil.

Hartmannsdorf.

Die Handwerkskammer Chemnitz ehrt am 19. November Handwerksmeister, die vor 70, 60, 50 oder 25 Jahren ihren Meister gemacht haben. Die Jubiläumsmeisterbriefe werden zu einer alljährlich stattfindenden Feierstunde übergeben. Eine Einladung hat auch Friseurmeister Lothar Geigenmüller aus Hartmannsdorf erhalten. Doch aus gesundheitlichen Gründen hat Romy Weisbach von der Handwerkskammer die Auszeichnung eher überreicht.

"Doch eigentlich ist es vier Jahre zu spät", sagt der heute 89-Jährige. Denn Geigenmüller hatte bereits 1955 erfolgreich seinen Meisterabschluss absolviert. Zwei Jahre später, am 15. Oktober 1957, eröffneten er und seine Frau Ruth Geigenmüller ihren Friseursalon an der Unteren Hauptstraße in Hartmannsdorf.

Die späte Ehrung ist schnell aufgeklärt. "Erst seit 2018 überreichen wird Diamantene Meisterbriefe für 60-jährige Meisterschaft", sagt auf Anfrage Robert Schimke von der Handwerkskammer Chemnitz. Traditionell werde auf Antrag der Goldene Meisterbrief anlässlich des 50-jährigen Jubiläums verliehen. Neu sei seit vorigem Jahr, dass auch 60 (Diamantene), 70 (Platin) und 25 Jahre (Silber) gefeiert werden. Deshalb bekäme Geigenmüller verspätet die Ehrung für 60 Jahre, auch wenn es bereits 64 Jahre sind. Ob der Friseurmeister dann im Jahr 2025 eine Ehrung für 70-jährige Meisterschaft erhalte, müsse noch geprüft werden, so Schimke.

Geigenmüller freut sich trotz der späten Ehrung über die Auszeichnung, sagt seine Tochter Kerstin Kreller, die seit 1975 bei ihren Eltern arbeitet und seit 1993 den Salon weiterführt. Der 64-Jährigen zur Seite steht Tochter Janine Kreller, die das Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Seit 2006 arbeitet sie im Familienunternehmen mit. Die 38-Jährige wird den Salon weiterführen, wenn ihre Mutter in Rente geht.

Seit gut anderthalb Jahren hat sich Geigenmüller wirklich in den Ruhestand zurückgezogen. Im Geschäft arbeiten zurzeit zwei Mitarbeiterinnen und eine Auszubildende. Eine Friseurin ist bereits seit 42 Jahren bei den Geigenmüllers: Ellen Hallbauer. Sie gehört zu den 28 Lehrlingen, die im Friseurgeschäft gelernt haben. Und sie ist dabei geblieben. Viele Kunden hat sie seit dem Beginn am 1. September 1977 schon die Haare geschnitten und gefärbt. Auch ist der Salon nach der Wende umfassend modernisiert worden. Insgesamt beschäftigten Geigenmüllers 51 Mitarbeiter.

Auch wenn Lothar Geigenmüller inzwischen die Ruhe seiner Wohnung über dem Salon schätzt, ist er doch stets präsent. Der Diamantene Meisterbrief hängt gut sichtbar im Eingangsbereich des Friseursalons. Und für kleinere Reparaturen, wie das Auswechseln einer Glühbirne, ist er immer noch erster Ansprechpartner für die Frauen im Salon.

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