Messeaussteller: Wir wollen die Angst vor E-Autos nehmen

Die strombetriebene Fortbewegung ist ein Schwerpunkt des Auto- salons. Während viele Besucher skeptisch sind, ist gestern auch ein E-Mobil-Pionier zu Gast gewesen.

Kappel.

Reden, informieren, erläutern - Kommunikation ist an diesem Wochenende die Hauptaufgabe von Daniel Schimmel und Jacques Deuil. Zum ersten Mal ist ihre Firma Sy-Electric beim Chemnitzer Autosalon in der Messe vertreten. Ihr Thema ist Elektromobilität. Denn die Firma aus Niederdorf bei Stollberg vertreibt Ladesäulen für Elektroautos. "Unser Ziel ist vor allem Aufklärung", sagt Mitarbeiter Jacques Deuil. In Gesprächen mit Besuchern werde deutlich, dass E-Mobilität als sehr kompliziert wahrgenommen werde. "Deshalb stehen wir hier, um Fragen zu beantworten und zu informieren", sagt Geschäftsführer Daniel Schimmel.

Der Autosalon räumt dem Thema in diesem Jahr breiten Raum ein. So gibt es unter anderem einen Stammtisch zur E-Mobilität. Heute um 11.30 Uhr und morgen um 12 Uhr finden Gesprächsrunden mit Experten statt. Eine Sonderschau unter anderem mit Fahrzeugen, die Studenten der Technischen Universität Chemnitz entwickelt haben, ist außerdem zu sehen. Morgen ist der Autosalon zudem Ziel einer Ausfahrt von Fahrern, die sich für E-Autos entschieden haben, kündigen die Organisatoren an. Die Teilnehmer werden gegen 12 Uhr mit ihren strombetriebenen Fahrzeugen an der Messe erwartet.

Während diese von der E-Mobilität nicht mehr überzeugt werden müssen, suchen die Mitarbeiter der Niederdorfer Firma mit anderen Gästen das Gespräch. "Wir versuchen vor allem, den Besuchern unseres Standes die Angst vor E-Autos zu nehmen", sagt Schimmel. Viele Leute plage am meisten die Befürchtung, mit dem Fahrzeug irgendwo stehen zu bleiben, weil der Akku leer ist, berichtet Schimmel. Zu den Kunden seiner Firma zählten zahlreiche Stadtwerke, aber auch Kommunen, Autohäuser und Einkaufsmärkte, sagt er. Letztere kauften Ladesäulen, um sie auf ihre Parkplätze zu stellen und somit Kunden ein weiteres Angebot zu unterbreiten, so Schimmel. Aber auch ein kleineres Modell für die eigene Garage gebe es bereits.

Den Strom für sein E-Auto bezieht Eckehard Erben von einem Speicher in seinem Wohnhaus. Der Chemnitzer, gestern unterwegs zum Stammtisch für E-Mobilität, wohnt im Dachgeschoss. Auf dem Dach sind Solarmodule montiert, erzählt er. Erben bezeichnet sich selbst als Lobbyist der Elektromobilität. Und er ist ein Pionier dieser Art der Fortbewegung in der Stadt. "Ich war der zweite Chemnitzer, der ein E-Auto fuhr", sagt der 57-Jährige von sich selbst. Das war im Jahr 2000. Für ein Twike, ein Leichtelektromobil, habe er damals 42.000 D-Mark hingeblättert. "Es war immer ein Kindheitstraum von mir, ein kleines Auto zu fahren, das sparsam unterwegs ist", erinnert er sich an die Anfänge. Obwohl die Reichweite des Akku des Twike nur rund 85 Kilometer betrug, sei er mit dem Mobil in sechs Jahren 95.000 Kilometer gefahren. Seine Touren führten ihn nicht nur bis nach Rügen, sondern auch ins schwedische Malmö. "Hängen geblieben mit einem leeren Akku bin ich noch nie", sagt Eckehard Erben.

Chemnitzer Autosalon Heute und morgen in der Messe Chemnitz, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Tageskarte 7 Euro, ermäßigt 5,50 Euro; Abendkarte ab 16 Uhr 5,50 Euro.


Besucher des Autosalons sind in Sachen Elektromobilität skeptisch: Zu teuer, zu geringe Reichweite und zu wenige Ladesäulen

Klaus Oehme, Chemnitz: "Ich möchte mich auf der Messe einfach mal umsehen. Neue Autos und das Thema Elektromobilität interessieren mich. Wobei ein E-Auto für mich derzeit noch nicht infrage kommt. Die Reichweiten der Akkus dieser Wagen sind mir einfach zu kurz. Auch das Netz der Ladesäulen ist noch nicht entsprechend ausgebaut. Und das Tanken von Strom dauert viel länger als das von Benzin."

Thomas Dübner, Chemnitz: "Ich schaue mich immer gern auf der Automesse um. Schließlich ist die Autoindustrie für unsere Region schon eine Schlüsselindustrie. E-Mobilität ist für mich auf alle Fälle ein Thema, vor allem in Bezug auf Nutzfahrzeuge wie Transporter. Da ist das Angebot aber noch ziemlich übersichtlich. Die Akku-Reichweiten sind zwar okay, aber beim Ausbau des Ladesäulennetzes muss was passieren."

Michael Matthes, Hohenstein-Ernstthal: "Ich bin ein Autofreak und gelernter Kfz-Mechaniker und suche nach einem größeren Modell zwecks Familiengründung. Das ist gar nicht so einfach. Elektro-Autos kommen für mich erst infrage, wenn sie bezahlbar sind. Derzeit fahre ich einen Audi. In meiner Garage steht zudem noch ein Golf Cabrio, der ab dem nächsten Jahr ein Oldtimer ist."

Gerd Steudel, Grießbach: "Ich besuche den Chemnitzer Autosalon jedes Jahr und war bestimmt schon zehn Mal da. Ich bin an Autos interessiert, habe mir vergangenes Jahr einen SUV von Nissan gekauft. Elektromobilität bei Autos kommt bei mir nicht so richtig an. Wenn sich alle ans Stromnetz hängen, um ihre Autos zu laden, bricht doch das Netz zusammen. Zudem gibt es nicht genug Ladesäulen." (hfn)

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5Kommentare
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  • 4
    0
    maxmeiner
    20.03.2017

    Ja, und beim neuen Golf muß zum Wechseln der Lampen im Hauptscheinwerfer oder Blinker der Innenkotflügel auf der Hebebühne ausgebaut werden und die Fehlererkennung per VW eigenem Diagnosegerät gelöscht werden. Kosten ca. 80-120 Doppelmark. Und wer hat noch Fragen, warum viele Autofahrer so gerne ihre älteren Fahrzeuge hegen und Pflegen? Weil man da noch am Straßenrand viele Defekte selbst beheben kann - was garantiert nicht im Sinn der Autoindustrie ist und der Gewinnmaximierung zuwider läuft.

  • 7
    0
    Zeitungss
    19.03.2017

    Ich hätte noch eine kleine Neuerung zum Thema Umweltschutz und zur Profitsteigerung. Die Batterien mit dem Fahrzeug fest verkleben, was bei der Entsorgung sich auf einen Vorgang reduziert (Umweltschutz), bei Handys hat es sich bereits bestens bewährt (Profitsteigerung). Wir haben heute schon den Zustand, dass beim Wechsel der Wischerblätter die Hinterachse mit ausgebaut werden muß, was die Preise rechtfertigen soll. Den Hintergrund dieser Zeilen will, darf oder kann nicht jeder Bürger verstehen, so lange er zahlt muß er es auch nicht. Alles klar oder doch nicht ??????

  • 8
    0
    Zeitungss
    19.03.2017

    Die Fahrdauer dürfte an die Postkutschenzeit erinnern. Ich vermisse schon die ganze Zeit richtige begeisternde Erfolgsgeschichten mit dieser Art von Fortbewegungsmitteln. Für die Fahrt zum Bäcker oder Aldi & Co fehlt die Verhältnismäßigkeit, was der riesige "Ansturm"bisher zeigt. Was Messen betrifft gilt noch immer, JEDER KRÄMER LOBT SEINE WARE, rechnende Kundschaft ist da eher NICHT gefragt, was nicht nur für diesen Wirtschaftszweig zutrifft. Über Folgekosten bei Reparaturen welche nicht ausbleiben, ist die Fehlersuche schon ein Akt der Geldbeschaffung, möchte auch niemand angesprochen werden, wer im Kundendienst tätig ist wird wissen, was gemeint ist. Es hat der Satz "WAS LANGE HÄLT, BRINGT KEIN GELD" wieder zusehens an Bedeutung gewonnen, was inzwischen für andere Gewerke ebenfalls zutrifft. Der Umweltaspekt fällt ebenfalls durch, A beider Herstellung und B beim Betrieb bekommen den Dreck nur andere Leute vor der Haustür abgelagert.
    Viel Freude beim Bewältigen von Langläufen und bei der Suche nach Lademöglichkeiten.

  • 3
    3
    1953866
    18.03.2017

    "Seine Touren führten ihn nicht nur bis nach Rügen, sondern auch ins schwedische Malmö." Mich würde die Fahrdauer bis Malmö interessieren.

  • 9
    2
    maxmeiner
    18.03.2017

    Da gibt es keine suggerierte Angst, sondern reales Rechnen. Bis ein E Auto hergestellt ist, incl. Batterien und Elektronik aus seltenen Erden, den Aufwand und die Ausstattungsqualität, da fährt man mit einem herkömmlichen Benziner bequemer, günstiger und umweltschonender, denn bei den Grünen kommt der Strom ja auch aus der umweltfreundlichen Steckdose. Und die Infrastruktur für E Autos muß auch erst geschaffen werden, mit E Parks, die die Umwelt verschandeln, der umweltfreundlichen Windradlüge und der energiefressenden Herstellung von Solarzellen, die ja auch nicht überall auf Bäumen wachsen - und nach 10-12 Jahren ausgebraucht sind und erneuert werden müssen, just in dem Moment, wenn sie fast in dem Gewinnsektor schwarze Zahlen schreiben könnten. So wie bei den Windrädern. Pure industrielle Recourcenschöpfung, basierend auf der Verdummung der als Zielgruppe ausgewählten Bürger, die aufs Auto angewiesen sind und zur Mobilität beruflich verpflichtet sind. Einen Benziner tanke ich in 5 Minuten wieder auf und fahre weiter - wie lange dauert das bei einem Stromer? Wie lange halten da die Batterien und wie oft kann der Ladezyklus wiederholt werden, bevor man für teures Geld die Batterien auswechseln muß - als hochbelasteter Sondermüll? Es gibt andere Motorenalternativen, bei denen nur der Motor getauscht werden muß, Feldversuch lief in den 60er und 70er Jahren in der Schweiz, hat nur der Öl und Industrielobby nicht gefallen, weil zu wenig Gewinn abfallen würde und zu umweltfreundlich wäre - Abgase wären Sauerstoff, Antrieb Knallgas. U Boote laufen bereits erfolgreich damit - ist Deutschlands Exportschlager. Also hören wir uns weiter das Umweltgeheuchle der Industrie und der Grünen an.



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