Millionen-Mehrkosten bei zwei Turnhallen

Für die Projekte in Pleißa und Wolkenburg muss die Stadt aus verschiedenen Gründen zusätzliches Geld aufbringen. Ein weiteres Vorhaben in Limbach wird deshalb verschoben.

Pleißa/Wolkenburg.

Seit geraumer Zeit ist es keine Überraschung, wenn bei öffentlichen Bauprojekten die Kosten steigen. Die Dimension, die jetzt auf die Stadt Limbach-Oberfrohna zukommt, lässt dennoch aufhorchen: Allein bei der Errichtung der beiden Turnhallen in Pleißa und Wolkenburg sind Mehrkosten in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro zu verzeichnen. Der Stadtrat soll bei seiner Sitzung am Montagabend den Mehrausgaben zustimmen.

Der Großteil der Summe entfällt auf das Vorhaben auf dem Festplatz in Pleißa. Der Bau der dortigen Halle begann im Mai und soll im Sommer 2019 abgeschlossen sein. Die Stadt kalkuliert nun mit Kosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro - 730.000Euro mehr als bisher. Das Rathaus erklärt die Entwicklung unter anderem damit, dass die Entkernung der alten Halle einen größeren Aufwand erfordert als gedacht. In dem Gebäude, das für den Schul- und Vereinssport inzwischen zu klein ist, werden künftig die Umkleiden untergebracht. Die alte Halle wird über einen Gang mit dem Neubau verbunden. Zudem erhöhen sich die Kosten für die Entsorgung des ausgehobenen Erdbodens, da sich unter dem Festplatz unter anderem Fels befindet. Ein dritter Grund ist der Ablauf des Regenwassers in den Pleißenbach: Er soll nach Vorgaben der zuständigen Wasserbehörde gedrosselt erfolgen, damit es im Pleißenbach bei Starkregen nicht zu einem Hochwasser kommt. Entsprechende bauliche Anlagen führen ebenfalls zu Mehrkosten.

In Wolkenburg muss die Stadtverwaltung nach aktuellem Stand zusätzlich 380.000 Euro aufbringen. Die Gesamtkosten für die Turnhalle an der Herrnsdorfer Straße, die Ende 2019 fertig sein soll, steigen damit auf 3,2 Millionen Euro. Als Grund nennt das Rathaus vor allem, dass Firmen für Aufträge mehr Geld verlangen als geplant. Zudem beteiligten sich nur wenige Unternehmen an den Verfahren, sodass der Wettbewerb gering sei.

Mit der allgemeinen Entwicklung bei den Baukosten hadern derzeit viele Auftraggeber. Die Chemnitzer Handwerkskammer nennt als Gründe für die Preissteigerungen den Fachkräftemangel, eine wachsende Bürokratie sowie den Umstand, dass aus Altersgründen ausscheidende Unternehmer keine Nachfolger finden und die Anzahl der Baufirmen dadurch sinkt. Mehrere örtliche Baubetriebe verweisen zudem darauf, dass die Preise für Baumaterial ebenfalls gestiegen seien. Ein Firmenchef erklärt, dieser Faktor mache etwa 70Prozent seiner Preiskalkulation aus.

Die Baufirma Granz aus Limbach-Oberfrohna ist an beiden Turnhallen-Projekten beteiligt. Chef Lutz Granz kann nicht erkennen, dass er unverhältnismäßig hohe Preise verlangt habe. "Wir haben die Aufträge für die Turnhallen in Pleißa und Wolkenburg gewonnen, obwohl es Mitbewerber gab", verdeutlicht der Firmenchef. Öffentliche Aufträge werden stets an den günstigsten Anbieter vergeben, der zugleich alle Anforderungen erfüllt.

Damit die Stadt die Mehrkosten finanzieren kann, verschiebt sie ein weiteres Turnhallen-Projekt: Geld, das eigentlich für den Neubau einer Turnhalle am Albert-Schweitzer-Gymnasium verwendet werden sollte, fließt nun nach Pleißa und Wolkenburg. Nach Angaben von Michael Claus, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, war der Fördermittelantrag für die Zweifeldhalle schon gestellt. Es habe auch Signale der zuständigen Sächsischen Aufbaubank gegeben, dass die Fördermittel noch in diesem Jahr bewilligt werden. Dann hätte der Turnhallen-Bau am Gymnasium laut Claus im nächsten Jahr beginnen können. Angesichts der Kostensteigerungen bei den beiden im Bau befindlichen Turnhallen habe die Stadt aber gemeinsam mit der Bank entschieden, den Antrag zurückzuziehen. Nach den Angaben des Fachbereichsleiters könnte er im nächsten Jahr neu eingereicht werden. Im Falle eines positiven Bescheids wäre also ein Baubeginn im Jahr 2020 realistisch. Folglich können die Lehrer und Schüler am Gymnasium frühestens 2021 darauf hoffen, dass sich ihre Sportbedingungen verbessern. Die neue Turnhalle wird gebraucht, weil die derzeitige Halle zu klein ist und nicht alle Klassen aufnehmen kann. Einige Gymnasiasten müssen deshalb auf die knapp einen Kilometer entfernte Großsporthalle ausweichen.

Der Stadtrat tagt am Montag, 3. September, ab 18.30 Uhr im Esche-Museum. Weitere Themen sind die geplante Straßenbahntrasse von Chemnitz nach Limbach-Oberfrohna sowie Maßnahmen gegen Straßenlärm.

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