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Maria Sturm arbeitet sonst für die „New York Times“ oder „Die Zeit“. Jetzt fotografiert sie über 100 Menschen für ein Projekt der Kulturhauptstadt. Die Bilder kommen in eine besondere Galerie.
Das Licht überlässt Maria Sturm nicht dem Zufall. Die Fotos sollen später groß gezeigt werden. Heute porträtiert sie Katja Lücke vor ihrer Garage. Sanft dirigiert die Fotografin die Chemnitzerin. „Noch einen Minischritt vor. Jetzt etwas zurück“, sagt sie. Dann misst sie mit einem kleinen Gerät die Belichtungszeit, dicht neben dem Gesicht ihrer Protagonistin. Maria Sturm entfernt sich ein paar Schritte und blickt in ihre Kamera. „Das sieht total schön aus, was ich da sehe“, schwärmt sie. Es ist eine Mamiya RZ 67, eine analoge Mittelformatkamera, rund 30 Jahre alt, in die sie von oben schauen muss. Katja Lücke soll nur minimal lächeln, dann ist die Fotografin zufrieden und macht ihr Bild. Dann noch eins. Und dann ist der Film voll. „Moment“, sagt sie und geht zu ihren Taschen. Alter Film raus, neuer Film rein. Man kennt es nicht mehr. Es sieht aus, als dreht sie Zigaretten.
Garagen als Kulturgut
Maria Sturm wurde in Rumänien geboren, lebt in Berlin und studierte Fotografie an der Hochschule Bielefeld und der Rhode Island School of Design. Heute lebt die 38-Jährige in Berlin, arbeitet aber überall. Ihre Fotos werden in der „New York Times“, dem „Wall Street Journal“, in „Spiegel“, „Stern“ und „Die Zeit“ gedruckt. Jetzt führt sie ihre Arbeit nach Chemnitz. Ihr Auftrag: Rund 100 Menschen fotografieren, die eine Garage in der Stadt besitzen. Die Fotos sollen ab Beginn des Kulturhauptstadtjahrs in Chemnitzer Geschäften gezeigt werden. 40 Geschäftsinhaber haben sich bisher bereit erklärt. Dort könnten auch jeweils zwei Porträts gezeigt werden. „Aber wir hoffen, dass sich noch weitere Geschäftsinhaber melden“, sagt Kulturhauptstadt-Sprecherin Mareike Holfeld.
Es ist ein Teil des Großprojekts „3000 Garagen“, das Garagen als Kulturgut begreift und wissenschaftlich, kulturell und künstlerisch mit ihnen arbeitet und sie untersucht, erklärt Kuratorin Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka. Konzerte in Garagenhöfen, Präsentationen von Gegenständen aus Garagen in Ausstellungsräumen, ein Festival sind unter anderem geplant. Aber auch persönliche Geschichten werden gesammelt und über die Zukunft der Garagen nachgedacht. Die Zahl 3000 ist dabei nur symbolisch gemeint, erläutert die Kuratorin.
Buchhändlerin mit Garage am Hartweg
Katja Lücke, die heute porträtiert wird, hat ihre Garage am Hartweg. Sie ist Buchhändlerin für Rest- und Mängelexemplare. Ihr Geschäft befindet sich im Chemnitz-Plaza an der Zentralhaltestelle. In der Weihnachtszeit hat sie Pop-up-Geschäfte in Mittweida und Freiberg. Ihr Geschäft möchte sie gern für Porträts zur Verfügung stellen. Ob sie dort auch ihr eigenes Foto aufhängen würde? „Ja klar, warum nicht“, sagt sie aufgeschlossen. Maria Sturm findet sofort einen Draht zu ihr und die beiden verschwinden in der Garage, in der Katja Lücke der Fremden ein paar ihrer Schätze zeigt, wie die Schaufensterdekoration der Bahnhofsbuchhandlung, die Lücke in den 1990er-Jahren führte. Maria Sturm fragt, hört zu, lacht auf eine ehrliche, unkomplizierte Art. So schafft sie Vertrauen, die Protagonisten öffnen sich.
Analoge Fotografie als Türöffner
Zu vielen der Menschen, die sie für das Projekt schon fotografiert hat, hatte das Projektteam von „3000 Garagen“ bereits Kontakt. Sie ging aber auch selbst allein in Garagenhöfe und suchte Menschen, die sich fotografieren lassen. „Zweimal war mir das Anquatschen unangenehm“, berichtet sie. Sonst sei sie oft erfolgreich gewesen. Eine Digitalkamera hätte dabei vielleicht abgeschreckt, glaubt sie. Der große Kasten, der ihre Kamera ist, wecke Neugier und sei „auch eine Art von Garage“. Überhaupt habe sie den Eindruck gehabt, dass analoge Fotografie und Garagen gut zusammenpassen. Dass man das Ergebnis nicht sofort zeigen kann, sei kein Nachteil gewesen.
Zum ersten Mal in Chemnitz war Maria Sturm 2023, um einen Eindruck vom Projekt zu bekommen. Richtig gearbeitet hat sie daran ab April immer wieder, war mit Unterbrechungen auch sechs Wochen lang in Chemnitz. An der Stadt gefallen ihr eine gewisse „Wildheit, das Grün und der viele Platz“. Ihr Eindruck sei, dass „hier noch was möglich ist“. (jpe)





