Mit eigenen Bildern und Filmen gegen das Vergessen

Schüler haben das Konzentrationslager Auschwitz besucht. Warum sie dort nicht wieder hinwollen, zeigen sie in einer neuen Schau im Rathaus.

Limbach-Oberfrohna.

Historische Fotografien von abgemagerten Menschen, ein aktueller Film über die KZ-Gedenkstätte Auschwitz sowie selbstgemalte Bilder, Tagebucheinträge über Gefühle und Gedanken und eine Übersicht über das Wirken Oskar Schindlers zieren die Wände der oberen Etage des Hauses D im Rathaus von Limbach-Oberfrohna.

Ein kleiner Koffer, etwa im A4-Format, den Jungen und Mädchen aus Karton gefertigt haben, stellt in einer Vitrine dar, wie wenig Hab und Gut die Menschen, die im Zweiten Weltkrieg ins Konzentrationslager kamen, noch besaßen.

In einem Punkt sind sich die fünf Schüler, die die neue Ausstellung "Auschwitz" eröffneten, einig: "Nie wieder wollen wir ein Konzentrationslager besuchen", sagen sie. "Mein erster Gedanke bei der Ankunft war: Bloß schnell wieder weg!", sagt Rebecca Hirtz. Die Zehntklässler der Pestalozzi-Oberschule waren im November 2015 für drei Tage Gäste der Gedenkstätte. Ein polnisches Ehepaar, das als Tour-Leiter vor Ort fungierte, begleitete die Jugendlichen auf eine Reise in die Vergangenheit, die die Schüler als äußerst bedrückend und schockierend bezeichnen. "Wir wollten in erster Linie erfahren, wie die Kinder und Jugendlichen in den Lagern gelebt haben", erklärt Schülerin Emily Reichel. Von den 1,3 Millionen Deportierten seien 232.000 Personen unter 18 Jahre alt gewesen, fanden die Jugendlichen heraus. Es falle ihnen schwer, sich vorzustellen, wie groß das Leid der Kinder damals gewesen sein muss, sagen sie - ohne Eltern, ohne Nahrung und ohne Kleidung.

Zwar seien die Pestalozzi-Schüler auch schon einmal in der Gedenkstätte Buchenwald gewesen. "Aber Auschwitz ist einfach heftiger", sagt Lars Schlosser. Er hat den Film des Ausstellungsprojektes gedreht, der die Gemäuer heute zeigt und Fotos angefertigt. Das prägendste Erlebnis sei für den 16-Jährigen der Blick in die Krematorien gewesen. "Man hat Kratzspuren an den Wänden gesehen. Die Menschen haben mit aller Kraft versucht, sich dort hochzuziehen und dem Tod zu entkommen", berichtet der Zehntklässler. Sowohl er als auch seine Mitschüler hätten nach dem Projekt versucht, mit ihren Großeltern zu sprechen. "Sie wollten aber gar nicht darüber reden", berichtet Rebecca Hirtz. Zu schmerzvoll seien wohl die Erinnerungen an die Zeit des Krieges, vermutet sie.

Auch wenn Erinnerungen weh tun - sie zu verschweigen, sei falsch, sagt Hermann Brudner. Der Rentner aus Hohenstein-Ernstthal hatte die Idee für den Ausflug der Schüler nach Auschwitz sowie die anschließende Ausstellung. Sein Vater Max Brudner lebte über sechs Jahre im KZ. Dort lernte er den Chemnitzer Justin Sonder kennen, der mit heute 91 Jahren einer der letzten Zeitzeugen ist und die Erinnerung an die Taten des Nazi-Regimes wachhält. Das geschieht auch, indem Sonder Schulklassen besucht und von seinem Leben berichtet. "Es müsste diesbezüglich noch viel mehr an Schulen getan werden", sagt Hermann Brudner.

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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