Mit Frauenpower für die Stadt

Unternehmerinnen haben einen Verein gegründet, der ohne Männer auskommt. Es geht um mehr als um Frauenthemen.

Zentrum.

Sie sind erfolgreich, gebildet, und sie wollen etwas für Chemnitz tun. Sylvia Wille, Fachanwältin für Insolvenzrecht und die Steuerberaterin Helmi Beier kamen vor etwas mehr als einem Jahr auf die Idee, einen Club zu gründen. Einen, der nur Frauen offensteht. "FiF" heißt er - Frauen in Führung. Er soll eine Plattform sein für Frauen in Führungspositionen. Ungefähr so, wie der Rotary oder der Lions Club. Diese über 100 Jahre alten Clubs stehen aber erst seit 30 Jahren auch Frauen offen. Nun ist es nicht so, dass Wille und Beier oder ein anderes der mittlerweile 25 Mitglieder etwas gegen Männer hätten. Aber es gebe einfach noch zu wenige Angebote, die frauenbezogen sind, sagt Wille. Außerdem "machen Frauen zu wenig Netzwerkarbeit", so die selbstständige Juristin mit drei Kindern. Sie habe zudem die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen anders austauschen, wenn keine Männer im Raum sind. Man wolle sich untereinander helfen, auch jungen Gründerinnen zur Seite stehen.

"Frauen sind in manchen Bereichen unterrepräsentiert", sagt Helmi Beier. "Wir machen schön die Arbeit. Aber wenn es darum geht, nach außen gut dazustehen, sind die Männer vorne dran", so die promovierte Steuerberaterin mit eigener Kanzlei. "Frauen müssen sich mehr durchbeißen", sagt die zweifache Mutter.

Aber nicht nur um Frauenthemen soll es gehen. Die Mitglieder wollen gezielt etwas für Chemnitz tun. Zum Beispiel sei es ein Anliegen, Chemnitzer mit Geld davon zu überzeugen, es für die Stadt auszugeben. "Das Mäzenatentum wieder etwas mehr in Bewegung bringen", nennt das Helmi Beier. "Wir wollen Verantwortung für die Stadt übernehmen", fügt Sylvia Wille hinzu. So arbeite man gerade an einem großen Projekt für die Kulturhauptstadtbewerbung. Die Details seien noch nicht spruchreif. Die Frauen treffen sich einmal in der Woche, um an den Projekten zu feilen.

So ist auch eine Veranstaltung entstanden, die kürzlich in der Schönherrfabrik stattfand. Rund 40 Teilnehmerinnen, darunter viele Mitglieder des Clubs - wie Ballettdirektorin Sabrina Sadowska, Buchhändlerin Iris Müller und Holocaustüberlebende und Gründungsmitglied Renate Aris - sprachen mit Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zwei angemeldete Frauen konnten nicht kommen, weil ihre Kinder krank waren. In vielen Unternehmen werde erwartet, dass die Frauen in einem solchen Fall zu Hause bleiben, kommentierte Wille das Beispiel. Helmi Beier sagte, sie wünsche sich mehr Unterstützung für Alleinerziehende. Das würde auch deren Arbeitgeber entlasten. Nicht nur in einem Punkt gab Köpping - übrigens ohne es zu wissen - den FiF-Gründerinnen Recht: "Frauen netzwerken zu wenig", sagte sie.

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