Mit Messer nahe Konzert angetroffen - Geldstrafe

Mann bei "Wir sind mehr" unterwegs - Beschuldigter sieht sich als Justizopfer

Rund 65.000 Besucher versammelten sich am 3. September 2018 unter dem Motto "Wir sind mehr" im Zentrum, um Konzerten von Bands, darunter Die Toten Hosen, beizuwohnen. Mit der Veranstaltung sollte ein Kontrapunkt zu den teilweisen fremdenfeindlichen Protesten der vorangegangenen Tage gesetzt werden, die sich an den gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners am Rande des Stadtfestes anschlossen. Unweit des Konzertgeländes griffen Polizisten am Abend einen Mann auf, der sich nun vor dem Amtsgericht verantworten musste.

Der Staatsanwaltschaft warf ihm einen Verstoß gegen das Sächsische Versammlungsgesetz vor. Der Mann trug damals ein Taschenmesser mit einer sieben Zentimeter langen Klinge bei sich. Der Angeklagte räumte das ein, gab aber an, das Veranstaltungsgelände umlaufen zu haben. Angetroffen hatten ihn Polizisten an der Brücke über die Chemnitz an der Brückenstraße - und das auch nur, weil der Angeklagte selbst auf die Einsatzkräfte zuging und sie in ein Gespräch verwickelte. Sein Mandant sei dafür bekannt, "einen gepflegten Dialog mit Vertretern der Staatsgewalt" zu suchen, sagte Verteidiger Martin Kohlmann, der die in Teilen rechtsextreme Gruppierung Pro Chemnitz anführt. In diesem Gespräch soll der Beschuldigte nach Aussage von Polizisten gegen Ausländer gewettert haben, sodass die Beamten ihn durchsuchten, das Messer fanden und den Mann mit aufs Revier nahmen. Der Chemnitzer erstattete nach eigenen Angaben Anzeige gegen die Polizisten wegen Diebstahls und Freiheitsberaubung.

Vor Gericht erhob er zudem Vorwürfe gegen die Justiz, die dafür verantwortlich sei, dass er keine Wohnung, kein Konto und keinen Ausweis mehr habe. Zur Identifikation bleibe ihm nur ein Schreiben des Verfassungsschutzes, das ihn als Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands ausweise. "Ich kann über die Gesetze und die Justiz nur noch lachen", sagte er. Der Richter verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro. Er sei mit einem Messer an einem Ort unterwegs gewesen, an dem sich Besucher aufhielten und habe Polizisten auf seine "ausländerfeindliche Gesinnung" hingewiesen, begründete der Richter. Das Messer wird eingezogen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (lumm)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
9Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    4
    Blackadder
    14.02.2019

    @hinterfragt: Wir beide schrieben etwas zur URSACHE und nicht zur Wertung, oder?

  • 1
    3
    Hinterfragt
    14.02.2019

    "...ein Streit im Drogenmilieu. ..."

    Ach so, da ist das dann natürlich nicht so schlimm, dass da ein Mensch abgestochen wurde ... ODER?

  • 2
    4
    Blackadder
    14.02.2019

    "(siehe auch die URSACHE der Proteste und somit dieser "Veranstaltung"."

    Nun, nach neusten Erkenntnissen der Polizei war diese Ursache ein Streit im Drogenmilieu.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/messerattacke-in-chemnitz-starb-daniel-h-im-streit-um-kokain-16040143.html?GEPC=s3

  • 3
    3
    Hinterfragt
    14.02.2019

    "...Wären Sie auch so nachlässig mit einem Messerträger, wenn es ein Ausländer bzw. Flüchtling gewesen wäre?..."

    Ach @Blackadder , da isser wiederum; >Ihr whataboutism.

    Das hat mit nachlässig überhaupt nichts zu tun.
    Sämtlich alle Taschenmesser haben ein Klinge dieser Länge 7cm sind da normal.

    Auch ich trage ständig ein MT mit mir rum, die Klinge daran ist genau so lang.
    Das Problem beim Ganzen ist nur, wer steht denn zum großem Teil in den Meldungen zum MISSBRÄUCHLICHEN Einsatz (Körperverletzung, versuchter Mord) von Taschenmessern (siehe auch die URSACHE der Proteste und somit dieser "Veranstaltung".

  • 2
    4
    Blackadder
    14.02.2019

    @Hinterfragt und norbertfiedler: Wären Sie auch so nachlässig mit einem Messerträger, wenn es ein Ausländer bzw. Flüchtling gewesen wäre? Da wird doch schnell mal von Frau Weidel über alimentierte Messermänner gesprochen oder importierter Messerkriminalität. Wenn es ein Deutscher ist, der Ausländer und Justiz für sein verkorkstes Leben verantwortlich macht, ist das natürlich alles nicht so schlimm und auch komplett ungefährlich!

  • 2
    3
    Hinterfragt
    14.02.2019

    @Blackadder; "...wäre er mit seinen verqueren Ansichten und dem Messer bis zum Konzertgelände gelangt...."
    Was soll schon wieder Ihre Hetze?
    Sie können lesen?
    "...gab aber an, das Veranstaltungsgelände umlaufen zu haben...."
    Ist aber sicher Ihrer Ansicht nach unbedingt gelogen, passt ja nicht in Ihr Filterbild!
    Sie sollten mal Ihre verqueren Ansichten überdenken ...

    "...gegen Ausländer gewettert haben..."
    Man definiere gewettert ...
    Wenn ich mir so überlege, was man überhaupt noch zum Thema sagen/ schreiben darf, liegt da die Grenze ziemlich naht bei NULL!

  • 2
    5
    Blackadder
    13.02.2019

    @norbertfiedler: Ich bin sehr froh, dass die Polizei hier präventiv eingeschritten ist. Ich war mit meinen Kindern zum Konzert und will mir gar nicht ausmalen, was hätte passieren können, wäre er mit seinen verqueren Ansichten und dem Messer bis zum Konzertgelände gelangt.

  • 3
    3
    13.02.2019

    Jemand, der nicht am Versammlungsort ("Unweit des Konzertgeländes") angetroffen wird und wohl auch nicht auf dem Weg zur Versammlung war, wird wegen Verstoßes des Versammlungsgesetzes verurteilt? Das Mitführen eines "Taschenmesser mit einer sieben Zentimeter langen Klinge" ist zulässig. Eine "ausländerfeindliche Gesinnung" ist auch nicht strafbar.

    Nach dem Lesen des Artikels bleibt man mit mehr Fragen als Antworten zurück.

  • 8
    9
    Blackadder
    12.02.2019

    Hatte der Herr Kohlmann nicht damals vor dem Konzert seine Anhänger dazu aufgerufen, das Konzert "kritisch zu besuchen". Jetzt hat er den Salat und muss sein eigenes Klientel verteidigen, welches dem nachgekommen ist.

    "Vor Gericht erhob er zudem Vorwürfe gegen die Justiz, die dafür verantwortlich sei, dass er keine Wohnung, kein Konto und keinen Ausweis mehr habe."

    Traurig, wenn man sein Leben so wegwirft und es sind immer andere Schuld: der Staat, die Ausländer.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...