Modellbahnschau zeigt Züge aus DDR-Produktion

Im Esche-Museum werden Loks und Waggons im Miniaturformat ausgestellt. Die ältesten stammen aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Zwei Gebäude sind aber jüngeren Datums.

Limbach-Oberfrohna.

Der Schlafwagen eines Zuges schlängelt sich durch den Tunnel an einem See, im Hintergrund stehen mächtige Berge. Das ist eine von mehreren Idyllen im Kleinstformat, die im Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna in einer neuen Sonderausstellung zu sehen sind. Unter dem Titel "Unter Dampf" wird bis zum 23. Februar 2020 ein Großteil der umfangreichen Modellbahnsammlung des 2017 verstorbenen Eisenbahnfans Wolfgang Ziemert gezeigt. In mehreren Vitrinen sind Modelle der Spurweiten HO und OO sowie entsprechendes Zubehör zu begutachten. Die ausgestellten Stücke sind dabei chronologisch nach Herstellungsdatum von etwa 1945 bis in die 1970er-Jahre geordnetworden.

Eine derartige Sammlung sei in ihrer Gesamtheit einzigartig, sagt Museumsleiterin Barbara Wiegand-Stempel. Interessant für die Historikerin ist der Fakt, dass es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bereits einen Markt für Modellbahnen gegeben haben muss - nicht nur als Spielzeuge, sondern auch als Sammlerstücke. Gerade die frühen Modelle aus den 1940er- und 1950er-Jahren seien heutzutage aber kaum noch zu finden.

Doch Wolfgang Ziemert fand sie. "Sie waren einfach sein Leben", sagt seine Witwe Ursula Ziemert. Schon nach dem Frühstück habe er in der Regel begonnen, sich seinem Hobby zu widmen. Bis auf kurze Pausen während der Mahlzeiten habe er oft bis abends in seiner Werkstatt im Keller gesessen, um zu basteln oder nach neuen Modellen im Internet zu schauen. Das Faible für die Modellbahnen begann schon in seiner Kindheit, erzählt Ursula Ziemert weiter. Ein Onkel in Dresden habe gegenüber einem Modellbahnladen gewohnt. "Dort hat sich Wolfgang schon als kleiner Junge die Nase am Schaufenster platt gedrückt", so seine Frau. Später machte er das Hobby zum Beruf und lernte Lokführer. Im Jahr 2003 kam der gebürtige Oberfrohnaer, der 1959 in den Westen ging, lange im Raum Karlsruhe lebte und bis zur Rente als Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr arbeitete, wieder in seine alte Heimat. Seitdem sammelte er ausschließlich regionale Modellbahnen aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR.

Ein Großteil dieser Sammlung ist nun im Esche-Museum zu sehen. In den Schaukästen können Besucher gut die Entwicklung von Modellbahnen verfolgen: Anfangs dominierten Holz, Metalle und Produkte der Papierindustrie als Materialien für die Herstellung der Bahnen. Später wurde immer mehr Kunststoff verwendet. Zu sehen sind zum Beispiel Objekte der Firmen Noch und Klötzner aus Glauchau, Rarrasch aus Halle oder Piko aus Sonneberg. Der Aufbau der Ausstellung sei wegen der Kleinteiligkeit besonders aufwendig gewesen, erzählt Museumsleiterin Wiegand-Stempel. Noch aufwendiger wäre es geworden, wenn man die kleinen Züge hätte rollen lassen wollen. "Das wäre schön gewesen, aber dann hätte auch immer ein Mitarbeiter in der Ausstellung präsent sein müssen, falls sich mal etwas verhakt", erklärt Barbara Wiegand-Stempel. Zudem hätte bei offenen Vitrinen die Gefahr des Diebstahls bestanden, ergänzt sie.

Zusätzlich zu den kleinen Zügen, Menschen im Miniaturformat und Darstellungen aus der Natur wie Bergen oder Gärten sind auch der Limbacher sowie der Oberfrohnaer Bahnhof ausgestellt. Beide Objekte hatte Wolfgang Ziemert extra anfertigen lassen und bereits 2013 in einer Sonderschau im Museum präsentiert. Die jetzige Ausstellung wird durch einen Film ergänzt, in dem Fotografien von Modellbahnen zu sehen sind.

Das Esche-Museum hat dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Die erste Führung durch die Ausstellung findet am morgigen Sonntag um 14.30 Uhr statt.

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