Mordprozess: Angeklagter muss in Psychiatrie

Richter geht von Beziehungskonflikt aus - Berufung angekündigt

Rund 28 Monate nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Mannes in einer Industriebrache, den ehemaligen Wanderer-Werken an der Zwickauer Straße, ist ein 28-Jähriger des Mordes für schuldig befunden worden. Das Landgericht Chemnitz verhängte am Dienstag eine Haftstrafe von zwölf Jahren gegen den Deutschen. Allerdings muss der Mann vorerst nicht ins Gefängnis. Wegen einer psychischen Erkrankung wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte bereits an, Berufung einlegen zu wollen. Er hatte einen Freispruch gefordert. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft sollte eine Haftstrafe von vierzehneinhalb Jahren ausgesprochen werden. Zudem hatte der Ankläger eine Begutachtung des Mannes vor dem Ablauf der Haftstrafe gefordert, um über eine anschließende Sicherungsverwahrung zu entscheiden. Der psychiatrische Gutachter hatte dem Angeklagten eine schizotype Störung attestiert.

Die Schwurgerichtskammer sah es in dem Indizienprozess als erwiesen an, dass der 28-Jährige im Sommer 2017 seinen Mitbewohner zunächst unter einen Vorwand in das alte Fabrikgelände gelockt und dann mit einem Zimmermannshammer erschlagen hat. Als Motiv sah die Kammer einen ungelösten Beziehungskonflikt. Der Angeklagte habe ohne seinen Mitbewohner umziehen wollen, sei diesen aber nicht losgeworden. Laut Staatsanwaltschaft schlug er ihm im früheren Verwaltungsgebäude mindestens viermal mit dem Zimmermannshammer auf den Kopf und verletzte ihn außerdem durch tiefe Schnitte auf beiden Halsseiten sowie im Nacken. Der 20-Jährige starb an einem offenen Schädelhirntrauma. Der genaue Tattag ist unbekannt. Dennoch geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 28-Jährige die Leiche einen Tag nach der Bluttat aus dem Erdgeschoss in den Keller des Gebäudes schleppte. Aus der Spurenlage sei zu schlussfolgern, dass der Tote umgelagert worden sei, um die Leiche zu verstecken, sagte Vogel.

Der 28-jährige Arbeitslose selbst schwieg während des gesamten Prozesses zu den Vorwürfen. (dpa)

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