Museen öffnen sonst verschlossene Räume

Knapp 200 Besucher haben zum Denkmaltag erstmals die Gelegenheit gehabt, noch nie gezeigte Raritäten zu sehen. Sonst lagern sie in einem Depot oder werden aus anderen Gründen versteckt.

Michael Nestripke vom Förderverein zeigt eine Zickzacknähmaschine der Firma Schubert im Depot des Esche-Museums in Limbach.
Andrea Heinig zeigt Besuchern im Schloss Wolkenburg die noch unsanierten Wohnräume von Fery Graf von Einsiedel, in denen er bis 1945 lebte. Dort soll auch ein geschnitzter Holzleuchter gehangen haben.

Für Sie berichtet: Bettina Junge

Für nur etwa eine Stunde hat sich am Sonntag das Depot des Esche-Museums an der Chemnitzer Straße 77 geöffnet. Zum internationalen Denkmaltag hatten die Besucher erstmals die Gelegenheit, im Hinterhof einer ehemaligen Fabrik zwölf Wirk- und Strickmaschinen sowie 260 Nähmaschinen zu besichtigen. Sonst sind die Räume geschlossen, sagt Michael Nestripke vom Museumsförderverein. Die Stadt Limbach-Oberfrohna hatte Anfang des Jahres das Depot angemietet, weil im Museum an der Sachsenstraße nicht mehr genügend Platz ist. Ob das Depot erneut einmal öffne, stehe noch nicht fest, so Nestripke.

"Ich bin begeistert", sagte Elke Hübsch. Die 64-Jährige hatte im VEB Spezialnähmaschinenwerk Limbach gearbeitet, der 1984 mit dem Wirkmaschinenbau Limbach-Oberfrohna fusionierte und dem auch das Nadel- und Stanzwerk angegliedert wurde. Die ehemalige Betriebswirtin entdeckte einige Raritäten, wie eine Großrundstrickmaschine der Firma Roscher und Söhne aus dem Jahr 1938 und eine Dreikopfstickmaschine der Firma Würker von 1927.

Sie und weitere Besucher zeigten sich vor allem fasziniert von den Nähmaschinen, die in Regalen aneinandergereiht sind. "Fast alle sind funktionsfähig", sagte Vereinsmitglied Nestripke. Die Exponate aus den Jahren 1900 bis 1980 würden zu Sonderausstellungen im Esche-Museum gezeigt und zur Ersatzteilgewinnung genommen. Dank guter Pflege seien die Maschinen "unkaputtbar", ergänzte er. Die Raritäten seien Schenkungen, die nach Betriebsauflösungen in den Museumsfundus übergingen. Für rund 30 Besucher waren das Esche-Museum und Depot eine von mehreren Stationen auf einer Denkmal-Tour, die durch die Region führte.

Reichlich 150 Besucher kamen ins Schloss Wolkenburg. Auch dort öffneten sich Räume, die sonst verschlossen sind. Bei drei Führungen erzählte Museumsmitarbeiterin Andrea Heinig, wie einst die Familie von Einsiedel und andere Besitzer lebten. Schloss Wolkenburg wurde hauptsächlich von der Familie von Einsiedel geprägt, die von 1627 bis 1945 im Schloss lebte. Unter ihrer Herrschaft entstand aus der ursprünglichen Burg ein Schloss im Renaissance- und Barock-Stil. Um 1790 gestaltete Graf Detlev Carl von Einsiedel das Hauptgebäude klassizistisch um. Noch heute sind der Festsaal mit Stuckreliefs an den Wänden und gusseiserne Figuren aus dieser Zeit erhalten, so Heinig.

Vor allem der Blick in die gräflichen Wohn- und Schlafzimmer sowie in die Bibliothek mit Lesesaal seien immer wieder spannend. So erklärte sie, dass nach dem Zweiten Weltkrieg 22 Wohnungen in den einstigen gräflichen Gemächern errichtet wurden. Der letzte Mieter sei im Jahr 2000 ausgezogen. Seitdem habe die Stadt Limbach-Oberfrohna Dächer und Fassaden saniert, den Eingang und die Freitreppe sowie zahlreiche Räume vor dem Verfall gerettet. Seit 2004 laufe die Innenrestaurierung. Für die Sanierung aller gräflichen Zimmer habe noch nicht das Geld gereicht. Aber der Ur-Zustand sei hergestellt worden.

Heinig zeigte, welche Arbeit auf die Restauratoren wartet. Im Erdgeschoss müssten Parkett aus dem Jahr 1790 aufbereitet sowie Marmor-, Blümchen- und Zopfmustertapete restauriert werden. Als besonderes Schmuckstück bezeichnete Heinig die sogenannte Winterwohnung, die sich im zweiten Stock befindet. Sie sei vor allem in der kalten Jahreszeit genutzt worden, weil es durch kleine Zimmer, niedrige Decken und den Wärmeaustausch durch halbrunde Türen wärmer gewesen sei als in anderen Bereichen. Beim Entkernen seien zehn verschiedene Tapeten ans Tageslicht gekommen.

Typisch für den Klassizismus seien im Schlafraum Einbauschränke und ein begehbarer Kleiderschrank, erläuterte Heinig. Zum Abschluss zeigte sie noch eine architektonische Kostbarkeit im Dachgeschoss des Hauptgebäudes. 1795 wurde dort ein zweigeschossiger, pavillonartiger und runder Raum eingebaut, der als Bibliothek diente. Dieser Teil wurde bereits restauriert. Der Lesesaal nebenan müsse aber noch saniert werden.

Besonders die Architektur interessierte die Gäste, wie Konrad Oehmichen aus Radebeul. "So ein Kleinod hatte ich hier in Wolkenburg nicht erwartet", sagte der 19-Jährige, der im Herbst ein Architektur-Studium beginnt. Besonders von der Bibliothek sei er beeindruckt gewesen. Mit seiner Familie besuchte er erstmals das Schloss. Auch Familie Käferstein aus Oberfrohna sah zum ersten Mal die unsanierten Räume und zeigte sich begeistert angesichts der vielen Zimmer, die ihr bisher unbekannt gewesen seien.

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