Nach Brand: Ministerpräsident macht türkischem Wirt Mut

Im Oktober zündeten Unbekannte das Lokal "Mangal" an der Straße der Nationen an. Nun hat der Betreiber entschieden, wie es weitergeht.

Nachdem sich Michael Kretschmer rund 20 Minuten mit dem Wirt des türkischen Restaurants "Mangal" unterhalten hatte, das vor drei Wochen durch einen Brandanschlag komplett zerstört worden war, fand der sächsische Ministerpräsident klare Worte. "Ali Tolasoglu fühlt sich in Chemnitz wohl, er ist gern hier. Wir alle müssen uns vor solche Menschen stellen." Jetzt sei der Wirt des türkischen Restaurants das Opfer, morgen sei vielleicht ein anderer betroffen, sagte Kretschmer.

Vor drei Wochen waren Unbekannte mitten in der Nacht in das Lokal eingebrochen und hatten Feuer gelegt. Obwohl Bewohner des Gebäudes schnell die Feuerwehr alarmierten, wurde das Restaurant komplett zerstört. Weil ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, hat das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen übernommen. Es wird wegen Verdachts des versuchten Mordes in Verbindung mit besonders schwerer Brandstiftung ermittelt. Zuvor hatte es in der Stadt Attacken auf das jüdische Restaurant "Schalom" sowie zwei persische Lokale gegeben.

Michael Kretschmer sagte am Freitag, er wolle dem Wirt Mut zusprechen, weiterzumachen. "Das wünschen sich viele Menschen in Chemnitz", so der Ministerpräsident. Kurz nach der Tat hatte Ali Tolasoglu davon gesprochen, das Lokal nicht wieder zu öffnen. Zu tief saß der Schock, dass die Täter auch die Bewohner des Hauses, darunter Kinder, in Gefahr brachten. "Im Stockwerk über meinem Lokal wohnt ein drei Monate altes Baby."

Die Täter hätten in Kauf genommen, "dass hier jemand stirbt", sagte Tolasoglu am Freitag. Zwar habe er die Attacke noch nicht verarbeitet, doch er kündigte am Freitag an, doch noch einmal von vorn anzufangen und sein Lokal wieder eröffnen zu wollen. Ihm sei jede Menge Hilfe angeboten worden. "Viele Leute haben angerufen oder E-Mails geschrieben." Doch derzeit könne er nur warten. Zwar hat ihm seine Versicherung mittlerweile Geld überwiesen, doch laut Tolasoglu gebe es Probleme mit der Gebäudeversicherung.

Dass der Ministerpräsident bei ihm zu Besuch war, sehe er als moralische Unterstützung, sagte Tolasoglu. Doch besonders wichtig sei für ihn, dass die Täter gefunden werden. "Sie gehören vor Gericht", sagte der Wirt während eines Rundganges durch das Lokal. Er zeigte dem Ministerpräsidenten sowie Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, an welchen Stellen die Täter laut Polizei Benzin verschütteten, um das Restaurant anzuzünden. Kurz nach der Tat hatte Barbara Ludwig den Wirt schon einmal besucht und ihm ihre Hilfe angeboten.

Auch Michael Kretschmer will wiederkommen. Bei dem Rundgang durch das "Mangal", dessen Name übersetzt offener Grill bedeutet, verriet der Ministerpräsident, dass er ein begeisterter Fleischesser sei. "Wir sehen uns wieder. Bei ihnen essen zu dürfen, ist mein größter Wunsch", sagte er.

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