Nach Kündigung: Abgeordnete hat neues Sonnenberg-Büro

Mehr als 20 Mal wurde das Ladenlokal einer Linken-Politikerin attackiert, dann setzte sie der Vermieter vor die Tür. Die Suche nach einer neuen Bleibe dauerte neun Monate.

Susanne Schaper hatte lange durchgehalten, am Ende aber war sie machtlos: Nachdem das im Stadtteil Sonnenberg gelegene Büro der Landtagsabgeordneten der Linken in eineinhalb Jahren mehrfach attackiert worden war, kündigte ihr Vermieter den Mietvertrag. Sie musste das Ladenlokal an der Zietenstraße aufgeben und ihre Aktivitäten ins Stadtzentrum verlagern.

Unbekannte hatten in der Zeit alle Register gezogen, um Schaper loszuwerden: Sie hinterließen Tierkadaver und Hundekot an der Tür, zerstörten Glasscheiben, warfen Farbbeutel gegen die Hauswand und sprühten Graffiti-Schriftzüge wie "Nazi-Kiez". Allein 18 derartige Anschläge zählte Schaper in 17 Monaten. "Die Gruppe der rechten Aktivisten in unserem Viertel ist nicht unbedingt groß, aber sehr aktiv", sagte Schaper damals. "Und sie will Andersdenkende mit Gewalt einschüchtern."


Die 38-Jährige ist das wahrscheinlich prominenteste Opfer von rechten Straftätern im Stadtteil Sonnenberg. Die Anzahl der Fälle von politisch motivierter Kriminalität im Stadtteil Sonnenberg hatte sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr fast versechsfacht, bilanzierte das Landeskriminalamt. Fast alle Fälle ordnete die Behörde dem rechten Spektrum zu. Zugleich sorgte der Fall Schaper für bundesweite Aufmerksamkeit, überregionale Medien berichteten und Fernsehteams kamen ihretwegen nach Chemnitz. Sie sei die erste Politikerin in Deutschland, die aus ihrem Wahlkreis vertrieben worden war, so der mediale Tenor.

Seit ihrem Rauswurf aus dem Büro an der Zietenstraße war die Landtagsabgeordnete auf der Suche nach Ersatz. Zwar wurde sie dabei von der städtischen Wohnungsgesellschaft GGG unterstützt, aber die angebotenen Räume seien wegen ihrer Größe und ihrer Lage ungeeignet gewesen. Dennoch kann die Linken-Politikerin nach nunmehr einem dreiviertel Jahr einen Erfolg vermelden: Am Freitag wird sie ihr neues Bürgerbüro am Lessingplatz/Ecke Markus-straße eröffnen. Das Angebot - eine Erdgeschosswohnung - bekam sie vom privaten Vermieter des Hauses.

Und die neue Bleibe hat durchaus Vorteile: keine großen Schaufensterscheiben, das Eckfenster weist im unteren Teil ein Gitter auf und obendrein erfolgt der Zugang über den Hausflur und nicht direkt von der Straße. "Ich hätte gern wieder ein Ladengeschäft in dem wunderschönen Viertel gemietet, aber dafür war das Risiko zu groß", sagt Schaper. Aber wichtiger sei, fügt sie hinzu, dass sie sich nicht vom Sonnenberg vertreiben lasse: "Ich kapituliere nicht vor rechtem Terror."

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10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    BlackSheep
    26.08.2017

    @Einspruch man musste den Stuss nicht herunterleiern, aber die Frage ist doch ob man sich getraut hat mit den Konsequenzen zu leben.

  • 4
    5
    Freigeist14
    24.08.2017

    Dank des kurzen Geschichtsabriss von @Einspruch wissen alle jetzt Bescheid.Lassen Sie es mich wissen,wenn keine altklugen Allgemeinplätze mehr zum Besten gegeben werden.

  • 6
    4
    Einspruch
    23.08.2017

    Und die Reaktionen linker Spitzenpolitiker bei Randale durch Linksextreme
    oder Übergriffe durch Kulturbereicherer sprechen auch für sich. Schuld ist meist die Polizei, die natürlich angeblich auf dem rechten Auge blind ist und Vorurteile bei der Herkunft der Täter hat. Und woher die Beechimpfungen zuerst kamen,als die AFD auftauchte,muss ich nicht erwähnen, glaube ich. Das waren doch alles gleich Rechtsextreme, laut den Linken. Also wer hat da wohl angefangen?

  • 4
    5
    Einspruch
    23.08.2017

    @cn3boj00: Von mir aus können Sie ja Sympathienbfür die Linken haben. Ich habe sie nicht.
    Ich bin in einem Linken System mit dem Neuen Deutschland als Pflichtlektüre und Rotlichtbestrahlung aufgewachsen. Wir mussten den Stuss bei jeder Gelegenheit herunterleiern.
    Und was die Meinungsfreiheit in einem linken System angeht, haben die sich ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Was die Wirtschaftlichkeit angeht, ebenfalls nicht, trotz fleißiger Arbeitskräfte mit guter Ausbildung. Stellen Sie sich mal vor, die Wiedervereinigung wäre anders herum gelaufen. Ich brauche da nicht viel Fantasie, wie es jetzt hier zu gehen würde.
    Die Abnabelung von der Vergangenheit hat sich nur auf dem Papier abgespielt. Wenn es aus dieser Ecke was wirklich neues gibt, was ich nicht glaube, lassen Sie es mich wissen.

  • 5
    2
    cn3boj00
    23.08.2017

    Manchmal glaube ich, dass die Linke als Partei mit den sogenannten Linksextremen verwechselt wird. mag sein, dass es in dieser Partei ein paar Leute gibt, die mit denen sympathisieren, aber man kann das eben nicht verallgemeinern. Genauso gibt es in der AfD Leute, die mit Rechtsextremen sympathisieren (mit Neonazis und Rassisten), trotzdem ist die AfD keine Nazipartei. Es ist einfach so, dass man das, was man von anderen erwartet, diesen auch zugestehen muss. Wenn man erwartet, selber nicht beschimpft zu werden, soll man andere auch nicht beschimpfen.

  • 5
    3
    cn3boj00
    23.08.2017

    @Hinterfragt: Nein. Auch das ist eine Unterstellung. Als Rassisten oder Nazis werden in der Regel nur die bezeichnet, die das Thema Asylrecht aus rassistischen oder anderen der Nazizeit entlehnten Gedanken heraus beurteilen. Und das tun nicht nur Linke (ich bin auch kein Linker). Die Behaupten, alle Linken würden alle, die gegen unbegrenzte Einwanderung sind, als Nazis bezeichnen, ist ungefähr genau so, wie wenn ich behaupten würde, die AfD würde alle Asylanten als Kriminelle bezeichnen :)

  • 5
    5
    Hinterfragt
    23.08.2017

    @cn3boj00:
    Ist es nicht die Linke und auch Frau Schaper, die sämtlich alle Menschen, die mit der aktuellen Flüchtlings/ Migrationspolitik nicht einverstanden sind, als Rassisten und Nazis bezeichnen?

  • 9
    9
    cn3boj00
    22.08.2017

    @Einspruch: Komisch dass diejenigen, die immer eine objektive Berichterstattung fordern, selber nicht objektiv bleiben können. Ich bin kein Freund von Frau Schaper, die ich im Stadtrat als Verhinderer wichtiger Vorhaben kennengelernt habe, aber es ist einfach eine Unterstellung, Parteimitglieder der Linken und damit auch Frau Schaper auf eine Stufe mit Kriminellen zu stellen. Wenn Frau Petry wegen Meineid angeklagt wird schreien all die Gerechtigkeitsapostel auf, gleichzeitig diffamieren Sie aber linke Politiker.

  • 10
    10
    Einspruch
    22.08.2017

    Der jungen Dame entgeht offenbar, was die Linken und deren Extreme so anstellen. Bahnanlagen anbrennen, Polizeistationen überfallen, G 20 Gipfel mal ganz am Rande erwähnt, usw.
    Da könnte man schon eher von Terror sprechen.

  • 8
    8
    ArndtBremen
    22.08.2017

    In diesem Zusammenhang von Terror zu sprechen, zeugt von unzureichender politischer Kompetenz.



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