Nach Sturz: Junge Artistin darf noch nicht zurück in die Manege

Trapez-Künstlerin Joline Köllner hängt für ihr Leben gern in der Luft. Ein schwerer Unfall stellt ihre Auftritte infrage. Doch die 14-Jährige bleibt kämpferisch.

Die 14-jährige Joline hängt fünf Meter hoch über der Manege. Elegant löst sie ein Bein vom Ring-Trapez. Die Zehen des anderen Fußes halten nun das Gewicht ihres Körpers. Langsam dreht sich das Turngerät um sich selbst. Plötzlich rutscht das Mädchen ab und fällt einen Meter tief. Das Sicherungsseil spannt sich, fängt sie auf einer Höhe von vier Metern abrupt ab. Doch die Erleichterung ist verfrüht. Das Stahlseil reißt - Joline stürzt in die Tiefe.

Warum das passierte, ist bis heute nicht geklärt. Immerhin: Trapez-Artistin Joline Köllner hat sich von ihrem Sturz am Donnerstag voriger Woche einigermaßen erholt und das Krankenhaus verlassen. Auftritte kommen für sie zunächst trotzdem nicht infrage. Das sorgt bei ihr für Verdruss. "Ich möchte unbedingt wieder in die Luft", sagt die 14-Jährige. Wenn es nach ihr ginge, würde sie noch heute wieder mit dem Training anfangen. Doch die Eltern sind dagegen. "Dass sie abgestürzt ist, war für uns der Horror", erzählt Mutter Katharina Köllner. Sie und ihr Ehemann sind die Inhaber von Zirkus Piccolino. Köllner hatte ihrer Tochter geraten, zukünftig andere Tricks statt der Luftkunststücke vorzuführen. Doch Joline bleibt hartnäckig: "Aufhören kommt für mich nicht infrage." Ihre Eltern haben entschieden, dass sie sich zunächst ein paar Wochen ausruhen soll, bevor sie wieder am Trapez turnen darf. Außerdem wird in vier Wochen ein Spezialist die Verletzungen ihrer Tochter erneut untersuchen.

Die Sorge der Eltern verwundert nicht. Als Joline am Boden lag, hatte sie aufgehört zu atmen. Ihr Vater Sascha Köllner begann sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung. Die Zirkusfamilie brach die Show ab. Erst im Krankenwagen kam die Tochter wieder zu Bewusstsein. Dennoch hatte das Mädchen Glück im Unglück. Bis auf eine Gehirnerschütterung und eine Prellung am Arm blieb sie unverletzt. "Mir ist manchmal noch etwas schwindlig", gesteht Joline. Ansonsten fühle sie sich aber gut. Für die gläubige Familie Köllner ist das ein kleines Wunder. "Wir sind Gott dankbar, dass ihr ansonsten nichts passiert ist", berichtet ihr Vater. Angst vor einem erneuten Sturz aus der Höhe hat Joline nicht. "Es kann eben mal passieren, dass ein Seil reißt", findet die Trapez-Künstlerin. Niemand könne etwas dafür.

Solche schweren Stunden stehen die Köllners gemeinsam durch. Die Familie habe einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Eltern und ihrer drei Kinder. "Mein Mann und ich kommen beide aus Zirkusfamilien", erklärt Katharina Köllner. 2010 hatte sich das Paar mit einem eigenen Zirkus selbstständig gemacht. Dennoch sind sie im regen Kontakt mit der Großfamilie.

Zirkus Piccolino hat zwar seinen Sitz in Mecklenburg-Vorpommern, doch meistens tritt er in Sachsen auf. Dabei arbeiten alle fünf Familienmitglieder zusammen. Vom Vater als Feuerschlucker bis zum Clown, dem achtjährigen Lennox.

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