Fahrerflucht nach tödlichem Unfall: Polizei ermittelt mutmaßliche Unfallverursacherin

Nur wenige Stunden nach einem tödlichen Unfall, bei dem der Verursacher unerkannt geflohen ist, verzeichnen die Beamten einen Erfolg. Wie es dazu kam, ist überraschend.

Die Nachricht hat für Erschütterung und Empörung gesorgt: Eine 20-Jährige war am Mittwochabend beim Versuch, die Georgstraße zu überqueren, überfahren worden. Ein Auto, das aus Richtung Karl-Liebknecht-Straße zur Mühlenstraße fuhr, erfasste die Frau, die in der Mitte der Straße stehen geblieben war. Sie wurde auf die andere Fahrbahn geschleudert und dort von einem weiteren Auto überrollt. Sie starb noch am Unfallort. Der Fahrer des Fahrzeugs, das den Unfall verursachte, flüchtete. Die Polizei suchte nach einem hellen SUV. Mehr Anhaltspunkte gab es zunächst nicht.

Am Donnerstag dann die Wende: Kurz vor 16.30 Uhr teilte die Polizei mit, eine mutmaßliche Unfallfahrerin ermittelt zu haben. Nicht durch Zeugenhinweise und auch nicht dadurch, dass sie sich stellte. Laut Aussage eines Polizeisprechers habe man den Erfolg mithilfe der im Sommer durch die Stadt neu installierten Überwachungskameras erzielt. Damit sei es möglich gewesen zu erkennen, dass wenige Augenblicke vor dem Unfall ein Audi von der Straße der Nationen in die Georgstraße abgebogen war. Die Beamten ermittelten die Halterin des Autos. Sie habe am Mittwochabend mutmaßlich am Steuer gesessen. Am Fahrzeug stellte die Polizei erhebliche Beschädigungen an der Fahrerseite fest. Der Wagen wurde sichergestellt und wird nun kriminaltechnisch untersucht. Die Halterin befindet sich auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher. Gegen sie wurden Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Unfallflucht aufgenommen. Ob sie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand, sei Gegenstand der Ermittlungen, so der Sprecher. Das Alter der Verdächtigen teilte die Polizei mit Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht mit.

Am Unfallort erinnerten am Donnerstag nur eine Kerze und ein paar Blumen an das tragische Geschehen vom Vorabend. Keine Trümmersplitter, keine Scherben. Nur hier und da ein paar pinkfarbene und gelbe Markierungen auf dem Asphalt. Ob sie noch mit dem Unfall in Verbindung stehen, ist nicht ersichtlich. Doch die Unterhaltungen in den umliegenden Geschäften sind geprägt von der Bestürzung über das Unglück. "Die Kunden wollten heute vor allem ihr Entsetzen bei mir loswerden", sagt Marina Kermer, Verkäuferin der Bäckerei im Edeka an der Georgstraße. Sie selbst habe am Mittwoch in einer anderen Filiale gearbeitet und abends von dem Unfall gehört. Sie frage sich, was der Unfallfahrer für ein Mensch sei und warum er geflohen ist. "Ob Alkohol im Spiel war?", fragt sie.

Gegenüber der Unfallstelle war Ines Behrend am Mittwoch kurz nach dem Unfall aus der Textilreinigung gekommen, in der sie arbeitet. Sie habe gedacht, es handele sich um einen gewöhnlichen Verkehrsunfall und sei ihres Weges gegangen. Dass eine junge Frau gestorben ist, habe sie erst später erfahren und sei schockiert. "Tragisch ist das, noch dazu kurz vor Weihnachten", sagt sie. Ihre Kollegin Evelyn Kark nimmt die Nachricht vom Unfall mit, von dem sie morgens durch ihre Kollegen erfahren hat. "Das berührt mich stark", sagt sie mit Tränen in den Augen. Wenn so ein junger Mensch sterbe, gehe das nicht spurlos an ihr vorüber. Das Leid der Hinterbliebenen könne man sich gar nicht vorstellen, sagt sie. Die Straße sei stark befahren. Aber einen schweren Unfall habe es in den vergangenen Jahren dort nicht gegeben.

Betroffen zeigt sich auch Katja Röse, Mitarbeiterin im Schnürsenkelladen an der Ecke zum Brühl, die auch im Viertel wohnt. Ihr ältester Sohn sei am Abend zum Unfallgeschehen hinzugekommen und erschüttert gewesen. "Ich finde es dort generell zu dunkel", sagt sie über die Unfallstelle. Allerdings habe sie immer gedacht, dass die Fußgängerampel direkt am Brühl viel gefährlicher sei, weil dort Autos oft bei Rot durchrauschten.

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