Nach tödlichem Streit: Stadtfest abgebrochen

Das Chemnitzer Stadtfest ist am Sonntagnachmittag abgebrochen worden. Das hat Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung, die das Stadtfest organisiert, bestätigt. Die Entscheidung sei nach der tödlichen Messerattacke im Chemnitzer Stadtzentrum am Sonntagfrüh aus Pietätsgründen und Anteilnahme gegenüber den Angehörigen bei einer Lagebesprechung getroffen worden.

Bei der Auseinandersetzung war am Morgen ein 35 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Zwei 33 und 38 Jahre alte Männer wurden teils schwer verletzt.

Zu dem Streit war es gegen 3.15 Uhr an der Brückenstraße zwischen Straße der Nationen und Bahnhofstraße gekommen, zwei Stunden nach Ende der Samstagsveranstaltungen beim Stadtfest. Nach Polizeiangaben führte ein zunächst verbaler Disput zwischen Personen mehrerer Nationalitäten zu dem tätlichen Angriff. Erste Angaben, wonach Männer einer Frau zu Hilfe eilten, die sexuell belästigt worden war, dementierte die Polizeidirektion Chemnitz am Sonntagvormittag.

Polizeibeamte konnten während der Fahndungsmaßnahmen zwei 22 und 23 Jahre alte Männer stellen, die sich zuvor vom Tatort entfernt hatten. Noch ist unklar, ob sie in die Auseinandersetzung involviert waren. Am Sonntagfrüh fanden im Bereich des Tatorts Maßnahmen zur Spurensicherung statt. Die Tatwaffe, ein Messer, wurde nach "Freie Presse"-Informationen am Sonntag im Bereich der Bühne Brückenstraße gefunden. 

Wie Polizeisprecherin Jana Ulbricht mitteilte, haben sowohl der Tote als auch die beiden verletzen Männer eine deutsche Staatszugehörigkeit. Die Nationalität der beiden verhafteten 22- und 23-Jährigen werde man nicht bekannt geben, da noch nicht geklärt sei, ob sie überhaupt mit dem Vorfall in Verbindung stehen.

Staatsanwaltschaft Chemnitz und die Polizeidirektion Chemnitz ermitteln wegen des Verdachts des Totschlages. Auch zum Auslöser der Auseinandersetzung und zum genauen Tatablauf wird ermittelt.

Ein Stadtfestabbruch war am Mittag noch kein Thema. Der Vorfall werde keine Auswirkungen auf das Stadtfest am Sonntag haben, sagte CWE-Chef Uhle. Der tödliche Vorfall habe 3.15 Uhr stattgefunden, außerhalb des Stadtfest-Areals an der Brückenstraße zwischen Bahnhofstraße und Straße der Nationen und weder zeitlich noch örtlich mit dem Stadtfest zu tun, so Uhle zu diesem Zeitpunkt. "Es war kein Delikt des Stadtfestes und ist ausschließlich Sache der Polizei." Am Ende entschieden sich die Veranstalter doch für den Abbruch. (jpe/fp)

Bewertung des Artikels: Ø 3.4 Sterne bei 10 Bewertungen
20Kommentare
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    1
    Blackadder
    04.09.2018

    @Steuerzahler: Bitte einfach mal in Ruhe durchlesen:

    https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/kriminalitaet-statistiken-101.html

    "Die Gesamtzahl, bei der ein Messer erfasst wurde, sei korrekt, teilte die Polizei in Berlin mit. Allerdings bedeute das nicht, dass in all diesen Fällen "Messerattacken" erfolgt seien.

    Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres sagte dem ARD-faktenfinder, es sei nicht seriös, von den erfassten Fällen auf sieben Messerattacken pro Tag zu schließen. Dies sei faktisch, rechtlich und statistisch nicht haltbar. "Messer als Tatmittel" wird bei Tötungsdelikten, Raub, Körperverletzungen auch dann erfasst, wenn ein Täter ein Messer am Hosenbund sichtbar mitführe, es aber nicht als Tatwaffe im Sinne von "Verletzungen zufügen" einsetze."

    "Zudem werden der Polizei Leipzig zufolge in der Statistik unter anderem Taten erfasst, bei dem sich jemand mit einem Messer verteidigt habe."

    "Seit 2015, dem Jahr, als Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sei "kein überproportionaler Anstieg zu verzeichnen". Daher sehe das LKA auch keinen akuten Handlungsbedarf."

  • 2
    1
    Steuerzahler
    04.09.2018

    @Hankmann: Laut Auskunft der sächs. Polizei ggü. einer Fersehredaktion ( die auch andere Bundesländer abfragte) hat sich in Sachsen die Anzahl der Straftaten mit Messer um 25 % 2017 erhöht. Denken Sie, die Polizei gibt Zahlen heraus, die vorher nicht erfasst wurden? Sie sollten ganz einfach nicht alles glauben, was Ihnen erzählt wird. Eine Polizei, die das Tatmittel nicht erfasst? Wie sollte dann kriminal. Vergleichsarbeit bei den Ermittlungen möglich sein? Einfach mal nachdenken!

  • 7
    4
    aussaugerges
    27.08.2018

    Ich glaube in 40 Jahren DDR ist es bei solchen Festen,Pressefest, usw nicht zu einer einzigen Stecherei gekommen,was heute fast täglich ist.
    Ich will aber auch nichts beschönigen,aber die Brutalität ist erschreckend.

  • 7
    3
    Hankman
    26.08.2018

    @CPärchen: Die Frage nach Mord oder Totschlag können Sie sich sogar selbst anhand der Wikipedia beantworten. Es gibt den Begriff Mord im umgangssprachlichen Sinne - und im juristischen. Die Wertung ist je nach Land verschieden. In manchen Rechtssystem kann schon ein tödlicher Autounfall als Mord gewertet werden, in anderen ist ein Tötungsdelikt ein Mord, wenn die Tat vorsätzlich erfolgt ist (letzteres war, wenn ich nicht irre, auch in der DDR so).

    In Deutschland ist es ein wenig komplizierter. Damit ein Tötungsdelikt als Mord gewertet wird, muss ein sogenanntes Mordmerkmal vorliegen. Der Vorsatz allein reicht nicht. Mordmerkmale sind zum Beispiel gegeben, wenn der Täter aus niederen Beweggründen oder heimtückisch handelt oder mit der Tötung eine andere Straftat verdecken will. Auch besondere Grausamkeit oder die Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers können als Mordmerkmale vorliegen. Das Gericht muss halt herausfinden, ob solche Merkmale gegeben sind. Totschlag wird im Strafrecht zwar weniger streng geahndet - aber inzwischen wurden die Strafen auch dafür verschärft. Ich denke, im alltäglichen Sprachgebrauch wird man wohl trotzdem meist von Mord sprechen. Aber man sollte sich darüber klar sein, dass die rechtliche Wertung eine andere sein kann - und nicht gleich irgendwas argwöhnen.

  • 14
    0
    j35r99
    26.08.2018

    Frau Polizeipräsidentin, Ihre erste große Aufgabe.
    Informieren Sie selbst die Öffentlichkeit über den Ermittlungsstand.
    Lassen Sie keine Spekulationen aufkommen.
    Die Bürger dieser Stadt werden es Ihnen danken!

    Ein ehemaliger Kollege, der Ihnen viel Erfolg in der verantwortungsvollen Arbeit wünscht.

  • 29
    9
    uwi
    26.08.2018

    Eigentlich ist es egal, ob zum oder nicht zum Stadtfest. Es ist passiert und ein Opfer mehr in dieser Stadt. Zudem: wer ein Messer als Angreifer einsetzt, nimmt den Tod seines Opfers in Kauf. Und das sollte auch als Mord behandelt werden.
    Ich hoffe, dass die OB B. Ludwig nun auch mal politische Konsequenzen daraus zieht, denn sie hat die Probleme in unserer Stadt jahrelang klein geredet und die berechtigten Sorgen und Warnungen der Bürger ignoriert.

  • 9
    13
    1005
    26.08.2018

    Welches Politbüro hat das Stadtfest so spät abgebrochen.

  • 36
    1
    Letsop
    26.08.2018

    Zum Tathergang sollte man nicht weiter spekulieren, sondern einfach die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten.

    Der Abbruch nachmittags aus Pietätsgründen passt vom Zeitablauf nicht so richtig ins Bild, denn bei dieser Begründung hätte man dies schon früh machen müssen.

  • 34
    18
    franzudo2013
    26.08.2018

    Genau, wenn das so weiter geht, braucht man die buden nicht mehr aufzustellen. Wenn das so weiter geht, muss man sich ueber Innenstadtentwicklung, Grossveranstaltungen, Einzelhandel keine Gedanken mehr machen.
    Es gibt nur eine logische Schlussfolgerung : Grenzen dicht und Kriminelle abschieben.

  • 24
    24
    aussaugerges
    26.08.2018

    Sie schaffen es uns immer mehr zu verunsichern.
    Wenn die schon die Polizei angreifen, ich bin entsetzt.

    Es gibt erst mal nur eine einzige Partei die diesen Messerstechen wirklich das Handwerk legen kann.

  • 31
    13
    HHCL
    26.08.2018

    "Am Ende entschieden sich die Veranstalter doch für den Abbruch." Warum? Ich teile voll und ganz die vorherige Einschätzung: "Es war kein Delikt des Stadtfestes und ist ausschließlich Sache der Polizei."

    Wenn wir jetzt anfangen immer alles sofort abzusagen, brauchen wir im nächsten Jahr die Buden gar nicht erst hinstellen. Dann kann man auch den Weihnachtsmarkt absagen. Das hat mit Pietät überhaupt nichts zu tun. Das ist lediglich die Angst vor der Moralkeule in irgendwelchen "Social Networks". Das kann doch nicht der Maßstab sein!

    Die AfD wird sich jedenfalls freuen, kann sie doch den zweite Abbruch eines Stadtfestes in aufeinanderfolgenden Jahren aufgrund von Gewalttätigkeiten mit Sicherheit gewinnbringend nutzen; völlig unwichtig, ob nun Ausländer beteiligt waren oder nicht. (Man sieht es ja auch hier schon an den Kommentaren.) Es ist unglaublich welche Steilvorlagen die sogenannten Volksparteien und städtische Institutionen der AfD dauernd liefern. Seit drei(!) Jahren völlige Unfähigkeit in Sachen Flüchtlingskrise.

  • 17
    20
    Pelz
    26.08.2018

    Willkommen....

  • 26
    15
    CPärchen
    26.08.2018

    Finde es richtig, dass man die Nationalität der Beiden nicht verrät. Am Ende waren es Asylanten aus anderen Staaten.
    Interessant wäre nur, was deren Verhalten für Folgen hat. Sofortige Abschiebung, Gefängnis und dann Abschiebung, Gefängnis und Bleiberecht oder etwas ganz anderes?
    Liebe FP: Bitte mal in einem Folgebeitrag ganz sachlich erläutern, warum Totschlag und nicht Mord.

  • 40
    17
    Lesemuffel
    26.08.2018

    Klar, wenn die mutmaßlichen Täter Deutsche wären, hätte man es so berichtet. Sind sie eben logischerweise nicht. Man sollte uns nicht für dumm verkaufen. Zum Stadt Fest gehen? Nein Danke!

  • 18
    7
    Hankman
    26.08.2018

    Der Bezug zum Stadtfest steht inzwischen nicht mehr in der Überschrift. Danke, FP.

  • 33
    2
    Hankman
    26.08.2018

    @Steuerzahler: Soweit ich weiß, werden in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik Messer bislang nicht gesondert erfasst, sondern nur der Einsatz von Schusswaffen. Es könnte also schwierig werden. Könnte man ja mittelfristig ändern, bedeutet aber dann auch mehr Aufwand, besonders für die Polizisten vor Ort. Auch ohne Statistik sind sich die Praktiker einig: Ja, es gibt heute mehr Messerangriffe.

    Mit der Überschrift des Textes bin ich übrigens etwas unglücklich. Wenn die Tat gegen 3.15 Uhr stattgefunden hat, hatte sie wenig bis nichts mit dem Stadtfest zu tun (denn um diese Zeit ist da nichts mehr los). Dennoch: schlimme Sache. Ich hoffe, der oder die Täter werden schnell gefasst.

  • 47
    14
    Steuerzahler
    26.08.2018

    @TaiBlaine: Das hatte bis vor wenigen Jahren auch jeder zu Hause und es war kein Grund, mit einem Teil des Besteckkastens in der Stadt spazieren zu gehen! Mich würde schon mal interessieren, wie sich die Anwendung des Tatmittels Messer statistisch entwickelt hat und es soll keiner erzählen, das wäre nicht nachvollziehbar!
    Immerhin hatten wir voriges Jahr „nur“ Randale, jetzt schon einen Toten. Wie wird das weitergehen?

  • 19
    37
    TaiBlaine
    26.08.2018

    "Immer wieder Messer, wie kommt das nur?" Vielleicht, weil jeder Messer zu Hause hat und man es ganz problemlos im Laden kaufen kann, im Gegensatz zu einer Schußwaffe?

  • 46
    19
    Einspruch
    26.08.2018

    Sicher nur gefühlte Kriminalität. Und natürlich Messer im Spiel. Irgendwie bekannt.

  • 43
    18
    aussaugerges
    26.08.2018

    Immer die Messer wie kommt das nur.



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