Nahverkehr erschwert Theaterbesuch

Wenn sich am Abend auf der Seebühne Kriebstein der Vorhang öffnet, ist der letzte Bus schon weg. Wer kein Auto hat, muss sich nach Alternativen umsehen. Aber das gestaltet sich schwierig.

Kriebstein/Chemnitz.

Luzia Tittel aus Mittweida ist Stammgast an der Seebühne Kriebstein. Seit Jahren besucht sie die Aufführungen unter freiem Himmel. Auch "Frau Luna", die Operette von Paul Lincke, die auf der Seebühne Premiere feierte, wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Wenn es die Möglichkeit gäbe, hätte sie dafür gern den Bus genommen. "Wir sind ja schon etwas älter und fahren abends nicht mehr so gern mit dem Auto", erklärt die Seniorin. Doch wer das Auto stehenlassen will oder keines hat, hat an der Seebühne schlechte Karten. Denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Vorstellungen nach 18 Uhr nicht zu erreichen.


Zwar heißt es auf der Internetseite des Zweckverbands Kriebsteintalsperre: "Die Aufführungen auf der Seebühne erreichen Sie ab Chemnitz mit dem Bus. Er hält direkt in Bühnennähe und bringt die Besucher nach der Veranstaltung auch wieder heim." Das allerdings gilt nur für einige wenige Vorstellungen in dieser Saison, die am Nachmittag stattfinden. Der weitaus größte Teil - darunter alle 18 Aufführungen von "Frau Luna" - beginnt 18 Uhr oder noch später. Der letzte Bus in Richtung Chemnitz fährt an Wochenenden allerdings schon gegen 18.30 Uhr an der Talsperre los, unter der Woche sogar 15.40 Uhr.

Dem Talsperrenverband sei das Problem bekannt, sagt dessen Geschäftsführer Thomas Caro. Gespräche darüber seien insbesondere auf den Reisemessen in Zwickau und Chemnitz mehrfach mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen geführt worden. Von der irreführenden Angabe auf der eigenen Webseite zeigte er sich indes überrascht. "Wir werden den Satz entfernen lassen", so Caro.

Auf die Spielzeiten könne der Zweckverband keinen Einfluss nehmen, da er selbst nicht Veranstalter sei. Lediglich das Talsperrenfest richte der Verband aus. Dafür habe Regiobus bis vor einigen Jahren noch eine Busverbindung bis in den späten Abend eingerichtet. Sie habe jedoch kaum Anklang gefunden. "Die wenige Resonanz erleben wir jedes Wochenende. Der Bus wird nicht genutzt", so Caro. Zugleich gebe es private Busunternehmen, die Fahrten an die Seebühne anbieten.

"Zu bestimmten Terminen kommen mitunter sieben oder acht Reisebusse."Auf die Reiseveranstalter, die oft Eintrittskarten und Busfahrt in Kombination anbieten, verweist auch Christoph Nieder, Pressedramaturg des Mittelsächsischen Theaters, das "Frau Luna" inszeniert. Dennoch sagt er: "Wir sind mit der Situation des öffentlichen Nahverkehrs an der Talsperre nicht glücklich." Gemeinsam mit Regiobus und dem Talsperrenverband sei in der Vergangenheit mehrfach versucht worden, Abstimmungen zu treffen. Weil die Fahrpläne oft schon vor den Spielplänen erstellt werden, sei das nicht einfach, erklärt Regiobus-Geschäftsführer Michael Tanne.

Dennoch seien verschiedene Angebote getestet worden. "Leider mit sehr mäßigem Erfolg." Aus seiner Sicht müsste der Zweckverband das Bus-Angebot offensiver bewerben, etwa auf Spielplänen und Plakaten. Warum passt das Theater seine Vorstellungszeiten nicht an den Fahrplan an? "Bei früheren Anfangszeiten haben wir häufig das Problem zu großer Sonneneinstrahlung oder Hitze", erklärt Nieder. Zudem könne ab 20 Uhr besser mit künstlicher Beleuchtung gearbeitet werden.

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