Neonazi-Eklat: CFC will zum Gedenken genötigt worden sein

Der Verein erstattet Strafanzeige gegen unbekannt wegen angeblich angedrohter Tumulte. Nach dem Hauptsponsor springt ein weiterer Geldgeber ab.

Chemnitz.

Sachsens Innenministerium lässt die Umstände der CFC-Trauerbekundungen beim Samstagsspiel für einen verstorbenen rechtsextremen Fan im Chemnitzer Stadion auf strafrechtlich relevante Vorkommnisse prüfen. Das sagte Innenstaatssekretär Günther Schneider (CDU) am Montag bei einer Sicherheitskonferenz in Erfurt. Es sei ein "unsägliches Ereignis", dass ein Fußballklub solches Gedenken veranstalte.

Samt Trauerflor war das Bild des in der Vorwoche verstorbenen Thomas H. (52) auf der Stadionanzeigetafel gezeigt worden, während der Stadionsprecher Kondolenzworte zum Tod des Mannes verlas, der als Gründer der gewaltbereiten Fangruppe "HooNaRa" gilt. Der Name der mit Stadionverbot belegten Gruppe steht für Hooligans, Nazis, Rassisten. Thomas H. gilt als Szenekopf. Der Staatssekretär forderte den CFC auf, sich mit seinem Selbstverständnis auseinanderzusetzen.

Der CFC selbst erstattete am Montag Strafanzeige gegen unbekannt. Der Ablauf zum Spiel gegen die VSG Altglienicke sei so weit vom Sicherheitskonzept und von üblichen Absprachen abgewichen, dass zu klären sei, "wie dies geschehen konnte", betonte CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Nach Aussagen zuständiger Mitarbeiter hätten "massive Ausschreitungen" gedroht. Das begründe den Anfangsverdacht schwerer Nötigung sowie angedrohten schweren Landfriedensbruchs, so Siemon. Die Polizei, die sich bereits am Sonntag gegen Andeutungen verwahrt hatte, sie habe dem Verein zu dem Vorgehen beim Spiel geraten, bekräftigte ihre Position. Als Vereinsverantwortliche am Samstag auf die geplante Trauerbekundung hingewiesen hätten, habe man vielmehr Bedenken geäußert, so Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Im Vorfeld der am Montag erfolgten Strafanzeige seien vom Verein keine Drohungen bekanntgegeben worden. Bei drohenden Ausschreitungen würden üblicherweise weitere Kräfte angefordert.

Nachdem am Sonntag CFC-Geschäftsführer Thomas Uhlig zurückgetreten war, hat der Verein weitere personelle Konsequenzen gezogen. Die Fanbeauftragte, die auf ihrer Facebook-Seite mit roter Rose kondoliert hatte, wurde von ihren Aufgaben entbunden, ebenso der Stadionsprecher. Er habe nur einen Text verlesen, den er "vom Veranstalter bekommen" habe, rechtfertigte der Sprecher dagegen sein Vorgehen. Fragen provoziert inzwischen das Vorgehen des Vereins gegenüber Stürmer Daniel Frahn. Er wurde mit einer Geldstrafe belegt, weil er beim Torjubel ein Benefiz-Shirt zugunsten des Verstorbenen hochhielt. Doch war ihm das Shirt am Spielfeldrand von einem Team-Betreuer dafür gereicht worden.

Der Nordostdeutsche Fußballverband hat Ermittlungen zu den Vorkommnissen aufgenommen. Am Sonntag hatte die örtliche Sparkasse bereits ihren Rückzug als CFC-Hauptsponsor bekanntgegeben. Die Entscheidung sei zwar schon in der Vorwoche getroffen worden, jedoch sehe man sich von den Ereignissen am Samstag bestätigt und distanziere sich entschieden. Mit dem Chemnitzer Chemieanlagenbau (CAC) hat sich unterdessen ein weitere Sponsor vom Klub distanziert. Laut dem Unternehmen läuft der Sponsoringvertrag zum Saisonende im Juni 2019 aus. "Wir prüfen aber aktuell juristisch, unsere Leistungen mit sofortiger Wirkung einzustellen", so Geschäftsführer Jörg Engelmann.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare
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  • 9
    0
    Susanne63
    12.03.2019

    Dieser auch selbstkritische Kommentar trifft es auf den Punkt. Es ist zum Verzweifeln.

  • 15
    13
    698236
    11.03.2019

    Alles nur rot-braune Sauce, die nicht geschafft hat, 30 Jahre wende systematisch, wahrheitsgemäß und unter den schwierigen sozialen Bedingungen aufzuarbeiten. Wo bleibt den die Bekundung und Positionierung des Stadtoberhaupts, Frau OB Ludwig????? Mittlerweile unerträglich ist, dass heute Befremden von Politikern wie Herrn Müller geäußert werden, die dann für die "Stadt" sprechen. Scheinbar gibts hier keine verantwortliche Oberbürgermeisterin. Es ist schon erschütternd, wie ein bekanntes in Deutschland übliches Problem der Fussballhooligans auf Sachsen und speziell auf Chemnitz fokussiert werden. Das Problem sehen wir an jedem Wochenende auf der Südtribüne in Dortmund, in Frankfurt, in St. Pauli (da sind es eher die Linken), in Hamburg, in Düsseldorf,.... Das lässt sich fortführen. Eigentliche eine von den Sozialdemokraten beanspruchte Aufgabe!!! Bisher leider ohne Erfolg!



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